Regel Nr. 1 beim Investieren: Bestimmen Sie Ihr Risikoprofil – wir erklären, wie es geht!

Beim Vermögensaufbau geht es in erster Linie um Rendite. Aber auch darum, Kurs- und Wertschwankungen des Depots aushalten zu können. Wie Sie Ihr persönliches Risikoprofil binnen weniger Minuten ermitteln.

Ein grober Fehler, dem ich immer wieder begegne ist, dass Anleger bei der Portfolio-Allokation nicht darauf achten, wie viel Risiko sie überhaupt tragen und ertragen können. Ihr Risikoprofil zu bestimmen, bildet jedoch die wichtigste Grundlage dafür, erfolgreich Vermögen aufzubauen. Wie das genau funktioniert und warum das wichtig ist, erkläre ich Ihnen im folgenden Artikel.

Warum Sie Ihr Risikoprofil kennen sollten

Wer in Aktien oder ETFs investiert, geht automatisch Risiken ein. Ich unterscheide prinzipiell zwischen objektiven und subjektiven bzw. emotionalen Risiken. Bei den objektiven Risiken handelt es sich z.B. um das allgemeine Marktrisiko und die damit einhergehenden Wertschwankungen eines Wertpapiers. Noch spannender ist hingegen das emotionale Risiko. Darunter fasse ich die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger mit ihrer Portfolio-Allokation in Krisenphasen nicht zurechtkommen und impulsive Kurzschlussreaktionen auslösen. Stellen Sie sich Folgendes vor:

Sie haben 10.000 Euro in einen globalen Aktien-ETF investiert. Plötzlich entsteht ein externes, folgenschweres Ereignis, das die Märkte stark korrigieren lässt. Ihr Investment verliert innerhalb von wenigen Tagen über 20 Prozent an Wert. Sie wissen zwar aus der Theorie, dass ein langer Atem wichtig bei der Geldanlage ist – aber können Sie wirklich einen kühlen Kopf bewahren? Immerhin geht es um Ihre gesamte Altersvorsorge. Genau diese Situation verknüpfe ich mit emotionalen Risiken. Es geht um das Risiko, dass Sie als Anleger keine rationale Entscheidungen mehr treffen.

Aus dem Grund müssen Sie Ihr Risikoprofil bestimmen und das Rendite-Risiko-Verhältnis in Einklang mit Ihrer Risikotragfähigkeit bringen.

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Zusammenspiel von Rendite und Risiko

Maximale Rendite bei minimalem Risiko – klingt nach dem idealen Portfolio. Ein Konzept, das viele Anleger verstehen sollten, bevor sie mit dem Investieren starten, ist der Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko. Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Das liegt daran, dass Anleger mit steigendem Risiko höhere Prämien verlangen, um die Unsicherheit zu kompensieren.

Ein Tagesgeldkonto bringt Ihnen aus dem Grund keine Zinsen. Sie unterliegen lediglich dem Ausfallrisiko der Bank – außerdem sind die meisten Einlagen im EU-Raum gesichert. Sie können „quasi“ kein Geld verlieren, also gibt es auch keine Prämie. Bei Aktien, Kryptowerten, Hochrisiko-Anleihen und Immobilien sieht die Lage schon anders aus. Mehr Risiko bedeutet in dem Fall auch mehr erwartete Rendite für den Anleger. Im Idealfall besteht die Basis Ihres Portfolios aus risikolosen Anlageklassen, die Sie je nach Risikoprofil um risikoreichere Assets bereichern. Dazu jetzt mehr.

So erstellen Sie Ihr persönliches Risikoprofil

Ihr Risikoprofil hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im Folgenden fokussieren wir uns auf die folgenden Elemente: Alter, Verantwortung, Anlagehorizont und Sicherheitsbedürfnis. Tendenziell können Sie sich mehr Risiko leisten, wenn Sie jünger sind. Es bleibt Ihnen in den 20ern mehr Zeit dafür, Verluste an der Börse zu kompensieren und günstig ETFs nachzukaufen, als wenn Sie 65 Jahre alt sind und kurz vor dem Renteneintritt stehen. Je mehr Verantwortung Sie tragen, desto geringer sollte das Risiko sein, das Sie eingehen.

Wenn Sie z.B. Kinder haben, dann ist Ihr Geld in einem soliden, breit diversifizierten ETF-Portfolio besser aufgehoben als in einem 90%-Krypto-ETF. Das Gehalt spielt an dieser Stelle auch eine entscheidende Rolle. Je höher Ihr Gehalt, desto eher können Sie Kursverluste kompensieren. Zudem haben auch offene Verbindlichkeiten einen Einfluss auf Ihr Risikoprofil. Je höher Sie verschuldet sind, desto mehr Fokus sollten Sie darauf setzen Ihr Nettovermögen nicht mit zusätzlichen Risiken zu belasten.

Zu guter Letzt gilt: Liquidität, die Sie in den kommenden 9 – 10 Jahren brauchen, hat am Kapitalmarkt nichts verloren. Gerade beim Thema Notgroschen und Rücklagen gilt höchste Vorsichtsstufe. Auf dieses Geld sollten Sie schnellst möglichst zugreifen können – kurzfristige Schwankungen können Sie in finanzielle Schieflagen befördern. Überlegen Sie sich deshalb, welchen Teil Ihres Vermögens Sie risikoarm anlegen und welchen Teil Sie mit Risiko in Aktien oder ETFs investieren. In jedem Fall sollten Sie ruhig schlafen können – auch wenn es an den Börsen mal kracht.

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Risikoprofil und ETF-Portfolio

Ihr ETF-Portfolio sollte immer zu Ihrer Risikotragfähigkeit passen. Die folgenden drei ETF-Portfolien stellen Modelle dar, die für sicherheitsbedürftige, ausgeglichene und chancenorientierte Anleger jeweils eine Option darstellen. Die jeweiligen Gewichtungen können Sie entsprechend Ihres Risikoprofils anpassen.

Sicherheits-Portfolio:                   

Anleihen: 62,5%
Globale Aktien: 30%
Gold: 7,5%

Ausgeglichenes Portfolio:

Anleihen: 40%
Globale Aktien: 40%
Immobilien: 10%
Gold: 10%

Chancenorientiertes Portfolio:

Anleihen: 25%
Globale Aktien: 60%
Immobilien: 7,5%
Gold: 7,5%

Die oben genannten Gewichtungen fallen je nach Anlegertyp unterschiedlich aus, da die Definition von Risiko sehr subjektiv ist. Sollten Sie sich noch unsicher sein, dann starten Sie einfach mit einem sicherheitsorientierten Portfolio und erhöhen Sie nach und nach die Aktienquote – am Ende des Tages zählt, dass Sie die Schwankungen im Portfolio problemlos aushalten. Die passenden ETFs finden Sie bei uns in der ETF-Suche.