So entscheidend ist die Tracking Difference (TD) bei ETFs

Die Tracking Difference (TD) bei ETFs gilt unter Profis als eines der wichtigsten Auswahlkriterien. Doch wie relevant ist sie wirklich? Was Sie alles über die Kennzahl wissen müssen.

Dass ETFs einen ausgezeichneten Einstieg in die Welt der Geldanlage bieten, ist den meisten Privatanlegern bekannt. Nach aktuellem Stand existieren über 6.000 ETFs weltweit. Das dynamische Wachstum des Angebots bereitet immer mehr Anlegern Schwierigkeiten bei der Auswahl eines passenden Indexfonds. Immer wieder bekomme ich mit, dass viele Leute bewusst auf ETFs setzen, die ganz besonders kostengünstig sind.

Bei der Bewertung wird neben Kennzahlen wie der Rendite vor allem Wert auf die Gesamtkostenquote (TER – „Total Expense Ratio“) gelegt. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn in Realität sind die wahren Kosten eines ETFs ganz andere. Diese bemessen sich anhand der sogenannten Tracking Difference (TD)

Was ist die Tracking Difference (TD)?

Die meisten Indexfonds zielen darauf ab, einen Index exakt nachzubilden – d.h. die gleiche Rendite zu erzielen.

Die Tracking Difference ist eine Kennzahl, welche den Performanceunterschied eines ETFs von seinem Referenzindex quantifiziert. In die Differenz ist alles eingerechnet, was für den Anleger Kosten verursacht. Also Transaktionsgebühren, Spread, Tracking Errors (TE) etc.

Die Tracking Difference (TD) liegt selten bei 0: im Normallfall liegt die Performance des ETFs hinter der des Vergleichsindex. Das liegt daran, dass eine Reihe an Faktoren den ETF davon abhalten den Index exakt nachzubilden. Die TD kann klein oder groß, positiv oder negativ sein.

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Welche Faktoren beeinflussen die Tracking Difference (TD)?

Die TER ist der beste Indikator für die zukünftige Tracking Difference. Falls der ETF-Anbieter von seinen Anlegern 0,5 Prozent Gebühren verlangt, sollte die Performance des ETFs bei ca. 0,5 Prozent hinter der des Index liegen. Aus dem Grund ist die TER so wichtig. ETF-Anbieter versuchen sich ständig in Bezug auf die Gebühren (TER) zu unterbieten – für Anleger ist das grundsätzlich erstmal positiv.

Neben der TER spielen jedoch weitere Faktoren eine Rolle bei der Bestimmung der Tracking Difference.

Beim Rebalancing des ETFs (z.B. neues Unternehmen wird in den Index aufgenommen) muss der ETF seine Portfolioallokation anpassen, um den Index exakt abzubilden. Die Kosten für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren werden von dem Fondsvermögen gedeckt – das erhöht logischerweise die Tracking Difference.

Bei gewissen Indizes ist es – aus Kostengründen – unmöglich in alle darin enthaltenen Unternehmen zu investieren. Besonders Anleihen-Indizes enthalten Tausende von Wertpapieren. Aus dem Grund kaufen einige ETF-Anbieter nur einen repräsentativen Teil der Wertpapiere – diese Methode nennt sich Sampling. Unternehmen mit einer sehr kleinen Gewichtung werden ausgenommen, da angenommen wird, dass sie keinen signifikanten Einfluss auf die Gesamtperformance haben.

Einige ETFs erhalten zudem Dividendenzahlungen, die sie an ihre Anleger verteilen müssen. Nichtsdestotrotz werden diese liquiden Mittel nicht in Echtzeit ausgezahlt, sondern in bestimmten Intervallen. Oft werden die Dividenden zwischenzeitlich reinvestiert. Das Halten von liquiden Mittel und die Reinvestitionen führen ebenfalls zu Verzerrungen in der Perfomance.

Zu guter Letzt spielt Timing eine entscheidende Rolle. Wird ein Index neu strukturiert, sind die Veränderungen sofort wirksam. Im Kontrast dazu, muss ein ETF die Veränderungen über entsprechende Transaktionen erst einmal abbilden. In der Zwischenzeit läuft die Preisbildung an den Börsen jedoch weiter und verändern die Abweichung zwischen Index und ETF.

Tipp: In unserem ausführlichen Wissensartikel „Tracking Difference bei ETFs“ erhalten Sie zusätzliche Informationen und Hintergründe zur TD.

Tracking Difference bei ETFs – Beispiele anhand vom MSCI-World Index

Wir wollen jetzt einmal einen Blick auf die TD anhand von drei ETFs auf den MSCI-World werfen.

Jahr/ETF-NameHSBC MSCI World UCITS ETFXtrackers MSCI World Swap UCITS ETFUBS ETF (LU) MSCI World UCITS ETF
20130,4%0,4%0,3%
20140.1%0.1%0.1%
20150,9%0,1%0,2%
2016-0,1%0%0,3%
2017-0,3%0%0,2%
2018-0,4%-0,1%0,2%
2019-0,2%-0,2%0,2%
Quelle: extraETF.com

Der HSBC ETF hat die beste Performance seit 2013 erzielen können. Jedoch hat dieser ETF auch die niedrigste TER. Obwohl der Xtrackers ETF eine TER von 0,45 Prozent hat, wurde eine TD von lediglich +0,12 Prozent erzielt. Das heißt, dass der ETF die hohen Kosten durch eine deutlich bessere Performance (+0,33 Prozent) ausgleichen konnte.

Trotzdem würde sich ein vernünftiger Anleger in diesem Fall für den HSBC ETF entscheiden, da dieser am nächsten an der tatsächlichen Performance liegt.

Es gibt auch Fälle, in denen der ETF so gut unterwegs ist, dass der Referenzindex über einen längeren Zeitraum geschlagen wird. Das ist beispielsweise beim Lyxor S&P 500 UCITS Swap ETF der Fall. Dieser kostet laut Anbieter 0,15 Prozent TER.

Jahr201420152016201720182019
TD (in %)-0,32%-0,39%-0,58%-0,53%-0,41%-0,6%
Quelle: extra.ETF.com

Die Tracking Difference beträgt aber seit 2011 im Durchschnitt -0,37 Prozent, d.h. er hat nach Abzug der Kosten die Indexentwicklung immer noch deutlich übertroffen. Erfahrungsgemäß gelingt dies jedoch eher risikoreicheren Swap-ETFs.

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Wo findet man Angaben zur Tracking Difference (TD)?

Bei jedem ETF ist die Tracking Difference im Datenblatt (oder „Factsheet“) verankert. Jeder ETF-Anbieter gestaltet sein Datenblatt jedoch anders – ein Standard existiert nicht. Wichtig ist, dass Sie nicht nur auf die TD des vergangenen Jahres achten, sondern die langfristige Abweichung im Blick behalten. Nur so können Sie sinnvolle Prognosen für die Zukunft ableiten.

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Fazit: Tracking Difference ist relevantestes ETF-Auswahlkriterium

Am Ende des Tages existieren eine Menge Faktoren, die Einfluss auf die Performance eines ETFs haben. Als Privatanleger erhalten wir mit der Tracking Difference (TD) ein mächtiges Tool, mit dem wir die Attraktivität eines ETFs bewerten können. Im Idealfall entwickelt sich die TD sehr stabil im Zeitablauf und liegt im niedrigen (gerne negativen) Bereich.