Aktienmärkte: Trading wird zum Trendsport

Immer mehr junge Menschen entdecken die Aktienmärkte für sich. Doch hier lauern viele Fallstricke. Vorsicht ist beim Trading dringend geboten.

Ob getrieben von der Langeweile im Homeoffice oder mangels Anlage-Alternativen im Zinsbereich: Das Spekulieren an der Börse verspricht den vermissten Adrenalinschub. Die Generationen Y und Z (geboren nach 1980) verlassen sich dabei weniger auf den Rat von Bankern als auf Informationen in den sozialen Medien. Die Lust auf Spekulation wird von diversen Online-Plattformen verstärkt.

Dabei erteilen die Neu-Börsianer ihre Kauf- oder Verkaufsaufträge nicht erst nach einem Gespräch mit dem Anlageberater. Dieser darf ohnehin aufsichtsrechtlich keine Empfehlung ohne katalogdicke Ausarbeitungen und Risikohinweise mehr geben. Seriöse Medien und beaufsichtigte Finanzinstitute müssen Interessenkonflikte offenlegen oder dürfen dank interner Vorgaben keine Einzeltitel mehr empfehlen. Sie beschränken sich zunehmend auf compliance-geschliffene Empfehlungen von Branchen und Regionen. Ohnehin fehlt den Jungspekulanten meist die Lust, die Zeit oder das Hintergrundwissen zur gründlichen Eigenanalyse.

Unseriöse Trading-Versprechen lauern

An diese Stelle treten die Angebote unzähliger, meist nur auf den ersten Blick seriöser Informationsdienste mit riesigen Gewinnversprechen. Sie suggerieren leichtes Geld durch das Folgen angeblich sehr erfolgreicher Zocker. Hinzu kommt der Austausch „heißer Tipps“ auf zahlreichen Plattformen. Einige dieser neuen Schwarm-Spekulanten, die sich in Foren über hochspekulative Werte austauschen, verfolgen mit Sicherheit auch Eigeninteressen, um Kurse in bestimmte Richtungen zu lenken.

Tipp der Redaktion: Hier finden Sie einen Überblick seriöser ETF-Broker.

Die neuen Handelsplattformen im Internet unterstützen die hohen Aktivitäten der Depotkunden. Bei jedem Trade verdienen sie entweder über die Händlerprovision oder durch den Kick-back aus der Handelsspanne, wahrscheinlich auch durch die Weitergabe von Daten. Je mehr Trades ausgeführt werden, desto besser für die Plattform.

Darauf gilt es beim Trading zu achten

Grundsätzlich sollten Jungspekulanten darauf achten, dass das Depot nicht aus einer Ansammlung von wahllosen Einzelempfehlungen besteht. Vielmehr sollten auch beim Spaß-Trading einige Fragen im Vordergrund stehen: Welche Strategie verfolgt man mit welchem Geld? Gibt es eine Kauf- und eine Verkaufsdisziplin? Ist eine ausgewogene Streuung von traditionellen Aktien gegeben, denen Kleinigkeiten von spekulativen Investmentchancen beigemischt werden?

Hierzu sollte man die wirklich erfolgreichen Anlagestrategien kennen. Ein oder zwei seriöse Empfehler mit längerer Erfahrung und Historie können da helfen. Auch die Beschäftigung mit Finanzliteratur, die die Strategien erfolgreicher Investoren beschreibt, kann den Selbstentscheider vor Enttäuschungen und Leichtgläubigkeit schützen.

Über den Autor: Gottfried Urban

Gottfried Urban ist Geschäftsführer der Urban & Kollegen Vermögensmanagement in Altötting.