Der Crash muss noch warten

In wenigen Tagen geht ein bis dato überraschend gutes Börsenjahr zu Ende. Wie jedes Jahr gibt es Crash-Propheten, die unzählige Gründe anführen, warum der Markt demnächst stark fallen könnte. Bei aller Krisenvorsorge sollte man jedoch auch überlegen, was passiert, wenn die Krise ausbleibt und es zu einer normalen Korrektur kommt. Wer mit Unsicherheit umgehen kann, wird in den kommenden Jahren Geld verdienen.

Anfang 2019 musste man sich die Frage stellen, ob Trump mit seinem Zollstreit zum Totengräber der Börse und der Konjunktur wird. Was ist tatsächlich passiert? Die Börsen erholten sich schnell, die Kurse sprangen förmlich nach oben, und die Pessimisten wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Die EZB machte eine Kehrtwende zurück zur ultralockeren Geldpolitik, die zeitlich unbegrenzt andauern soll.

Leider gibt es jedes Jahr Crashgeschichten und unzählige Gründe warum der Markt demnächst stark fallen könnte. Die Schwierigkeit liegt darin, den großen „Crash“ zu timen. Denn dieser Absturz kann auch erst in zehn Jahren kommen, bei Kursen, die um mehrere 100 Prozent höher stehen.

Als Anleger brauchen Sie gute Börsenjahre als Vorsprung für die nächste Korrektur. Was hilft es, wenn man an der Seitenlinie steht, und der Markt rennt mit Macht weiter nach oben? Es gibt Anleger, die seit Jahren auf den großen Crash warten und übersehen, dass die Unternehmen jedes Jahr gutes Geld verdienen und den Firmenwert jedes Jahr steigern.

Weil viele Profiinvestoren, genauso wie Privatanleger, wegen der Unsicherheit zu spät und zu wenig in Aktien investieren, wird die 2019er Kursrallye mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Jahresende weiterlaufen. Zum Jahresende wollen Profis doch bei so einem guten Börsenjahr eine hohe Aktienquote zeigen.

Es bestehen also gute Chancen, dass die Leitbörsen der Welt zum Jahresende neue Höchststände erreichen. Klar ist auch, dass ein kleiner Rücksetzer nun jederzeit kommen kann.

So gut wie 2019 wird 2020 wohl nicht werden. Die Märkte werden genau auf den US-Wahlkampf blicken, der eine neue mediale Dimension erreichen wird, wie wohl keine Wahlschlacht vorher. Dennoch: Aktien bleiben auch für die nächsten zwölf Monate die interessanteste Anlageklasse.

Über den Autor: Gottfried Urban

Gottfried Urban ist Geschäftsführer der Urban & Kollegen GmbH Vermögensmanagement in Altötting.

Tipp: Warum man beim Investieren nicht alles auf eine Karte setzen sollte, erfahren Sie in unserem Wissensbeitrag zum Thema Diversifikation.