Diversifikation – Nicht alles auf eine Karte setzen

Unter Diversifikation versteht man die Streuung von Vermögen auf mehrere unterschiedliche Anlageklassen – z.B. Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe u.v.m. –, um Wachstum zu sichern und einen Risikoausgleich zu erzielen.

Eine Faustregel der Methode Diversifikation lautet deshalb:

Hohes Risiko + Hohes Risiko = Geringes Risiko

Was auf den ersten Blick „unlogisch” erscheint, wird auf den zweiten Blick nachvollziehbar, denn die Besonderheit der Diversifikation liegt in der Korrelation. Gemeint sind damit die Interaktionen zwischen den einzelnen Assets. Wenn Anleger zwei hoch riskante Anlageklassen – sagen wir: Aktien und Gold – in einem Portfolio bündeln, so erhalten sie ein Anlage mit einem signifikant geringerem Risiko.

Warum das so ist? Weil Rohstoffe (wie Gold) und Unternehmensaktien i.d.R. „negativ korrelieren” oder anders gesagt: Die Wertentwicklung läuft in verschiedene Richtungen. Einen Eindruck davon gibt die folgende Tabelle, die die Korrelationen wichtiger Anlageklassen darstellt.

Beispiel: Korrelationstabelle wichtiger Anlageklassen

 Aktien
Europa
Aktien
USA
Aktien
EM
Euro
Anleihen
EM
Anleihen
Rohstoffe
Aktien
Europa
1,000,760,720,150,48033
Aktien
USA
0,761,000,620,150,570,24
Aktien
EM
0,720,621,000,170,720,40
Euro
Anleihen
0,150,150,171,000,45-0,21
EM
Anleihen
0,480,570,720,381,000,31
Rohstoffe0,330,240,40-0,210,171,00
Quelle: Multiasset.com; Stand: 27.02.2019

Wie ist die Korrelationstabelle zu deuten?

  1. Bei einem Wert von 1 besteht ein vollständiger linearer Zusammenhang: Steigt der Ertrag einer Anlageklasse A, steigt auch der der anderen Anlageklasse B.
  2. Bei einem Wert von -1 wiederum besteht ein vollständig negativer Zusammenhang zwischen den Anlageklassen.

Die Tabelle stellt natürlich nur einen Auszug von verschiedenen Anlageklassen dar, doch die Kernaussage lässt sich auf eine einfache Formel übertragen:

Die Wahrscheinlichkeit eines hohen Portfolioverlustes sinkt mit zunehmender Anzahl von verschiedenen Anlageklassen in einem Portfolio.

Und genau diese Aufteilung läßt sich mit ETFs sehr einfach umsetzen.

Theorie & Wissenschaft

Schon früher kannte man den Spruch „Nicht alle Eier in einen Korb legen“, welcher auch im Portfoliokontext gilt. Eine Faustregel besagt, dass zwei Wertpapiere zur Diversifikation ausreichend geeignet sind, sobald deren Korrelation kleiner als 0,8 ist – Stichwort: negative Korrelation. Dann kann durch Diversifikation das Risiko bei gleichbleibender Rendite gesenkt werden. Alternativ kann bei gleichem Risiko eine höhere Rendite erzielt werden.

So fand die Methode der Diversifikation auch Eingang in die moderne Portfoliotheorie des Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz, der 1952 mit seinem Aufsatz über Portfolioauswahl („Portfolio Selection“) eine neue Ära des Investierens einläutete. Bis heute haben seine Theorien nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

Diversifikation und ihre Risiken

Um sich den Nutzen der Diversifikation klar zu machen, ist es hilfreich, sich die 3 übergeordneten Arten von Wertpapierrisiken genauer anzusehen.

  1. Das Einzeltitelrisiko
  2. Das Asset-Klassen-Risiko
  3. Das marktbezogene Risiko

Einzelwertrisiko

Das Einzelwertrisiko bezeichnet das unternehmensspezifische Risiko, wenn man die Aktie eines Unternehmens kauft, z.B. das Risiko, dass das Unternehmen in einen Skandal verwickelt wird und wirtschaftlichen Schaden davonträgt. Dieses Risiko kann man durch Diversifikation aushebeln – insbesondere mit ETFs. Da Exchange Traded Funds zumeist ganze Märkte abbilden, eine Vielzahl verschiedener Aktien im Portfolio bündeln und somit „von Natur aus” breit diversifiziert sind, reduzieren sie das Einzelwertrisiko auf ein absolutes Minimum.

Asset-Klassen-Risio

Das Asset-Klassen-Risiko bezeichnet das Risiko einer ganzen Anlageklasse, z.B. der Asset-Klasse Aktien. Dem Asset-Klassen Risiko wird dadurch begegnet, dass nicht nur in eine Anlageklasse (z.B. Aktien) investiert wird, sondern dass beispielsweise auch Anleihen, Rohstoffe und Immobilien in das Portfolio einbezogen werden.

Marktrisiko

Das Marktrisiko ist das einzige Risiko, welches sich nicht „wegdiversifizieren“ lässt, denn es geht auf Einflussfaktoren zurück, welche z.B. alle Aktien weltweit betreffen. Das könnte beispielsweise der Ausbruch eines Krieges sein, eine extreme Weltwirtschaftskrise, globale Umweltkatastrophen o.Ä.

Diversifikation und der Einfluss der Korrelation

Diversifikation ist also entscheidend, um das Risiko im Portfolio zu optimieren und verdeutlichen kann man den Diversifikationseffekt an folgendem Beispiel.

Zwei Aktien A und B haben jeweils eine erwartete Rendite von 7 % p.a. und eine erwartete Volatilität von 20 % p.a. Ein Investor, welcher nicht an Korrelationen von Aktienrenditen denkt, könnte auf die Idee kommen, dass es egal ist, in welchem Verhältnis er in die beiden Wertpapiere investiert.

Im Hinblick auf die erwartete Rendite stimmt das auch, denn egal in welchem Verhältnis in Aktie A und B investiert wird, die erwartete Rendite ist in diesem Fall immer 7 %. Wir wollen aber zeigen, dass die Korrelation der beiden Wertpapiere stark das Risiko des Depots bestimmt und dass die optimale Aufteilung so besser wäre: 50 % Aktie A und 50 % Aktie B.

Das Beispiel zeigt, dass bei einer Korrelation kleiner 1 das Risiko im Portfolio „wegdiversifiziert“ werden kann, d.h. das Portfoliorisiko ist kleiner als die Einzelrisiken der Wertpapiere. Insbesondere verschwindet das Risiko bei einer „optimalen“ Wertpapierkorrelation von -1 komplett. Die Aufteilung 50:50 auf die Aktien A und B hat dann gegenüber einer 60:40 bzw. 80:20 Mischung ein geringeres Risiko von 0,15 % bzw. 1,25 %, bei einer fixen Korrelation von 0,4.

Korrelation Beispiel

KorrelationAnteil Aktie AAnteil Aktie BRisiko (Volatilität)
1,0050 %50 %20 %
0,4050 %50 %16,73 %
-1,0050 %50 %0,00 %
0,4060 %40 %16,88 %
0,4080 %20 %17,98 %

Diversifikation Im Sektorenkontext

Performance der verschiedenen Sektoren: Europa

Zunächst zur Tabelle: Was auf den ersten Blick etwas verwirrend aussieht, ergibt bei näherer Betrachtung durchaus Sinn. Oben erscheint stets der Sektor mit der besten Jahresperformance. Die anderen Sektoren folgen im Rang mit abnehmender Performance.

2013201420152016
36,40 %
Telekom
19,3 %
Gesundheit
19,8 %
Basiskonsum
32,8 %
Energie
29,8 %
Nicht-Basisk.
18,6 %
Versorgung
15,4 %
Technologie
28,6 %
Grundstoffe
27,6 %
Technologie
11,3 %
Basiskonsum
15,0 %
Gesundheit
10,8 %
Industriegüter
25,6 %
Gesundheit
10,9 %
Telekom
12,2 %
Nicht-Basisk.
4,2 %
Technologie
25,2 %
Industrie
8,5 %
Technologie
11,9 %
Telekom
2,6 %
MSCI Europe
25,2 %
Finanzen
8,1 %
Nicht-Basisk.
8,8 %
Industrie
-0,1 %
Finanzen
19,8 %
MSCI Europe
6,8 %
MSCI Europe
8,2 %
MSCI Europe
-0,3 %
Basiskonsum
12,6 %
Versorgung
5,2 %
Finanzen
6,1 %
Finanzen
-0,5 %
Nicht-Basisk.
12,6 %
Basiskonsum
0,4 %
Grundstoffe
0,1 %
Versorgung
-5,3 %
Versorgung
8,2 %
Energie
0,2 %
Industrie
- 8,4 %
Energie
-9,4 %
Gesundheit
0,3 %
Grundstoffe
- 7,6 %
Energie
-9,0 %
Grundstoffe
-13,3 %
Telekom
Quelle: EXtra-Magazin, Performancedaten bereitgestellt von SSGA

Was fällt bei dieser Tabelle auf? Alle Sektoren sind bunt gemischt. Es gibt keine klare Anordnung. Das bedeutet, dass im Zeitablauf kein Sektor konstant die beste Rendite generierte. Ist im Jahr 2013 der Telekommunikationssektor mit 36,4 Prozent noch Jahresgewinner, so ist er in 2016 mit -13,3 Prozent Jahresverlierer.

Zur Orientierung und zum Vergleich finden Sie den MSCI Europe als Benchmark ebenfalls in der Tabelle. Hätten Sie Anfang des Jahres 2013 in den Sektor Energie investiert, so hätten Sie in diesem Jahr mit 8,2 Prozent zwar eine positive, aber den anderen Sektoren unterlegene Rendite erwirtschaftet. Darauf folgen zwei Jahren mit negativer Renditen (-7,6 und -8,4 Prozent), wohingegen mit 32,8 Prozent die beste Sektorperformance im Jahr 2016 erzielt wurde.

Der Sektor-Mix zeigt: Es ist sehr schwer vorherzusehen, welcher Sektor als Nächstes die beste Performance erzielen wird. Durch Konjunkturphasen verläuft die Wirtschaft in unterschiedlichen Zyklen. Des Weiteren nehmen eine Vielzahl von Faktoren Einfluss auf die jeweilige Performance.

Diversifikation: „Don’t put all your eggs in one basket”

Die beiden Beispiele zeigen, dass man mit einer gezielten Sektorenauswahl eine deutlich bessere Performance erreichen kann, als mit einem breiten Index. Diese Strategie erfordert allerdings eine aktive Entscheidung des Anlegers in Abhängigkeit der den vorherrschenden Marktbedingungen. Der Anleger muss die unterschiedlichen Wertentwicklungen und Nachrichten der einzelnen Branchen laufend beachten und in seine Anlagestrategie einfließen lassen. Achten Sie darauf, dass die verschiedenen Sektoren nicht zu stark miteinander korrelieren, um eine bessere Diversifikation zu erreichen.

Wer keine Zeit und Lust für eine solche aktive Strategie hat, kann mit einem ETF auf einen breiten Marktindex dennoch profitieren. Im Beispiel wurde mit der Benchmark, dem MSCI Europe Index trotzdem eine positive Rendite erzielt. Darüber hinaus brauchte man sich zusätzlich keinen Kopf über die richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkte und die Auswahl der Sektor-ETFs machen. Das Zauberwort heißt hier erneut: Diversifikation.

Noch einfacher geht eine breite Diversifizierung mit einem Portfolio-ETF. Hier findet in regelmäßigen Abständen ein automatisches Rebalancing statt.

Fazit: Schlüsselrolle der Asset Allocation

Diversifikation lohnt sich definitiv und eine gesunde Beimischung auch riskanterer Wertpapiere (z.B. Aktien, Rohstoffe, Anleihen oder Immobilien) lohnt sich immer. Untersuchungen haben ergeben, dass 90 % der Rendite eines Portfolios durch die Diversifikation auf verschiedene Anlageklassen zustande kommt. Nur ein Bruchteil der Rendite kommt durch Market-Timing, Einzeltitelanalyse, aktives Portfoliomanagement und andere Faktoren zustande.

Wichtige Frage, kurz erklärt:

Funktioniert Diversifikation auch in Krisenzeiten?

Diversifikation funktioniert selbst in Zeiten von Wirtschaftskrisen, das ist das Ergebnis einer Studie des Statistiklehrstuhls der Ruhr-Universität Bochum. Die Wissenschaftler untersuchten die Korrelationen und Volatilitäten von sehr unterschiedlichen Assetklassen. Dabei wurde deutlich, dass die Streuung in die Breite gehen muss, um Kapitalverlust in Krisenzeiten zu minimieren. So wurden neben Aktien verschiedenste Assetklassen (insbesondere Staatsanleihen) in die Studie einbezogen, um Diversifikationseffekte in verschiedenen Marktphasen des letzten Jahrzehnts zu untersuchen.

Dabei kommt die Studie zu dem Schluss, dass eine alleinige Anlage in Aktien nicht ratsam ist, da hier nur schwer Diversifikationseffekte zu erzielen sind. Vielmehr ist zu empfehlen, auch andere Assetklassen ins Portfolio zu integrieren. Hier empfehlen sich besonders Staatsanleihen, Pfandbriefe oder Immobilien, da sie in Krisenzeiten durchweg eine negative Korrelation zu Aktien aufwiesen, also eher nach oben gehen, während die Aktien fallen. Daneben scheint auch eine Investition in Rohstoffe ratsam, da diese Assetklasse eine günstige Korrelationsstruktur aufweist.

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