Die 5 häufigsten Anlagefehler

Die Anleger leicht vermeiden können

Der Deutsche Fondsverband verweist zu Recht darauf, dass zu viele Deutsche zu unerfahren bei der Geldanlage sind. Im Rahmen der Serie „Finanzwissen für alle“ stellte der Bundesverband Investment und Asset Management (Kurz: BVI) zentrale Fehler beim Sparen vor. Neben der Ungeduld zählen die Autoren dazu das Fehlen konkreter Ziele sowie unrealistisch hohe Sparraten. Aktive Anleger, deren Aktionsradius über Sparbuch und -brief hinausgeht, sehen sich mit weiteren Stolperfallen konfrontiert.

Darauf aufbauend klären wir im Folgenden über die 5 häufigsten Fehler auf, die Anleger unbedingt vermeiden sollten.

Fehler 1: Zu wenig Streuung

Zu den gängigsten Fehlern zählt eine unzureichende Diversifikation. Anleger sollten nicht alles auf eine Karte setzen, sondern ihr Vermögen möglichst breit über verschiedene Anlageklassen (sog. Assets) und Regionen streuen. Diese zentrale Erkenntnis der Portfoliotheorie hat einen plausiblen Grund: Die Diversifikation hilft, unsystematische Risiken aus dem Depot zu verbannen.

Untersuchungen zeigen, dass die unsystematischen Risiken des Portfolios mit einer steigenden Zahl von Einzelpositionen abnehmen. Was natürlich bleibt, sind die allgemeinen, mit dem Markt einhergehenden Gefahren – im Fachjargon systematisches Risiko genannt.

Fehler 2: Übertriebene Heimatverbundenheit – Der Home Bias

Das Schlagwort „Home Bias“ steht für den Anlagefehler, das Depot zu sehr auf heimische Investments auszurichten. Auf den ersten Blick ist der Patriotismus nachvollziehbar: Investoren haben zu inländischen Unternehmen häufig einen direkten Alltagsbezug. Gleichwohl zieht die Home Bias eine stark einseitige Allokation nach sich.

Darauf wiesen die US-Ökonomen Kenneth French und James Poterba bereits im Jahr 1991 eindrucksvoll hin. Dabei ist eine breite Streuung des Portfolios selbst für Privatanleger längst kein Problem mehr, da ETFs für eine diversifizierte Vorgehensweise geradezu prädestiniert sind. Eine Order genügt, um das Kapital über ganze Märkte oder Regionen zu verteilen.

Fehler 3: Zu viel Aktionismus

Mit Hilfe von passiven ETF-Produkten lässt sich ein gängiger Fehler gut vermeiden: das (zu) häufige Umschichten des Depots. ETFs basieren auf Indizes, welche wiederum klar definierten Regelwerken unterliegen. Auf Basis der jeweiligen Methodik nehmen die zuständigen Dienstleister turnusgemäß Änderungen vor, falls dies erforderlich ist. Anleger sollten ähnlich vorgehen und ihre persönliche Strategie lediglich ein- bis zweimal pro Jahr hinterfragen und gegebenenfalls anpassen.

Nicht nur, dass sie damit an der Rendite zehrende Transaktionskosten vermeiden. Darüber hinaus gibt es keine Garantie, dass eine kurzfristige Wette aufgeht. Kaum ein Zweifel besteht dagegen darin, dass sich gerade am Aktienmarkt eine dauerhafte Positionierung bezahlt macht.

Fehler 4: Blinder Gehorsam

Anleger sollten unbedingt mit so genannten „Expertentipps” vorsichtig umgehen. Börsenbriefe und -magazine sind dazu geneigt, Aktien in den Vordergrund zu stellen, die gerade angesagt sind und deren Charts entsprechend bereits nach oben zeigen. Wer solchen Empfehlungen blind folgt, droht zu spät einzusteigen oder den Diversifikationsgrundsatz über Bord zu werfen.

In der Folge können eine chaotische Depotaufteilung und entsprechend schwache Renditen für Frust sorgen. Freilich, seriöse Medien bieten durchaus Mehrwert. Allerdings richten sie sich vor allem an Anleger, die sich tagtäglich mit dem „Auf-und-Ab” der Kapitalmärkte beschäftigen – davon sollten Laien besser die Finger lassen.

Fehler 5: Falsche Hoffnung

Während es erfahrenen Börsianern leichter fällt, mit Verlusten klar zu kommen, machen weniger aktive Anleger gerne den Fehler, abgestürzte Positionen zu lange im Depot mitzuschleppen. Was nicht heißen soll, dass jedes Minus sofort realisiert werden muss.

Allerdings macht die Hoffnung auf eine Kurswende ab einem bestimmten Niveau kaum mehr Sinn. Bricht eine Aktie beispielsweise nach dem Kauf um die Hälfte ein, braucht es für das Ausmerzen der Verluste bereits einen Verdoppler. Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, sollten Anleger, die auf Einzelwerte setzen, Stoppkurse ziehen und diese auch konsequent anwenden.

Fazit

Befolgen Anleger also gewisse Regeln und wissen auf welche Kriterien sie achten müssen oder wollen, dann befinden sie sich auf dem besten Weg, sich nicht mehr zu stark von seinen Emotionen leiten zu lassen. Wer eine langfristige Anlagestrategie definiert hat, die zur eigenen Persönlichkeit und Lebenssituation passt, sollte daran festhalten.

Wichtige Fragen kurz erklärt

Wieso sollten Anleger ihre Emotionen besser ausschalten?

Der Homo oeconomicus ist ein Mensch, der Informationen sammelt, bewertet und gemäß seinen eigenen Präferenzen entscheidet. In der realen Welt existiert dieser Homo oeconomicus aber nicht. Anleger werden stark von Emotionen geleitet: Selbstüberschätzung, Verlustaversion und Herdentrieb sind nur einige der bekanntesten Effekte aus der Behavioral-Finance-Forschung. Demnach verleiten Emotionen viele Anleger zu panischen Reaktionen. Dies dürfte der Hauptgrund sein, warum die meisten Anleger über längere Zeit eine viel schlechtere Rendite erzielen, als wenn sie einfach den Index kaufen würden und darin investiert blieben.

Wieso ist ein Mindestmaß an Risikotoleranz so wichtig?

Die Risikobereitschaft eines Anlegers ist stark abhängig von seinen Charaktereigenschaften und seinem Finanzwissen, also von subjektiven Faktoren. Diese sind schwieriger zu erfassen als die Risikofähigkeit. Risikobereit ist, wer trotz Finanzmarktturbulenzen gut schlafen kann und bei einem Kursverlust von über 20 % nicht gleich mit Panik reagiert. Das Problem ist, dass viele Menschen ihre Risikobereitschaft während Phasen steigender Aktienmärkte überschätzen und dann bei einem Einbruch die Nerven verlieren und Hals über Kopf alles verkaufen. Es zeigt sich also meist erst in turbulenten Börsenzeiten, ob die Risikobereitschaft des Anlegers richtig eingeschätzt wurde.

Warum sprechen alle von Diversifikation?

Viele Depotanalysen machen deutlich: Mangelnde Diversifikation gehört zu den häufigsten Anlagefehlern bei Privatanlegern. Sie legen ihr Geld am liebsten im heimischen Markt (Home Bias) an. Offenbar sind sich viele Anleger nicht bewusst, dass sie durch eine breite Streuung der Anlagen das Gesamtrisiko ihres Portfolios deutlich senken können. Das Anlagevermögen sollte also immer auf verschiedene Anlageklassen mit möglichst unterschiedlichen Eigenschaften verteilt werden. Eine breite Diversifikation sollte jedes Portfolio prägen, denn das Risiko, dass sich eine einzelne Aktie viel schlechter als der Gesamtmarkt entwickelt, ist einfach zu groß.

Warum ist es wichtig die Anlagen genau zu verstehen?

Die letzte Finanzkrise hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig die Wahl des richtigen Anlageinstruments ist. Anleger sollten sich vor dem Kauf eines Produktes immer genau vergewissern, welchen Risiken sie sich damit aussetzen. Unrealistisch hohe Renditeversprechen sind ein Indiz, dass das Investment mit erhöhten Risiken verbunden ist. Geht etwas schief, dann sind die Anleger besonders hart getroffen, welche die goldene Regel der Diversifikation nicht befolgt hatten.

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