ETFs für Einsteiger: Vermögensaufbau mit ETFs

In Zeiten von Niedrigzinsen vermehrt sich das Geld leider nicht von alleine. Viele Anleger beschäftigen sich daher zunehmend mit dem Thema Geldanlage mit ETFs. In diesem Beitrag möchten wir Einsteigern ein paar Tipps geben, wie sie mit der ETF-Anlage möglichst einfach und bequem beginnen können. Egal ob im Rahmen einer Einmalanlage oder im Form eines ETF-Sparplans.

So gelingt der Einstieg in die ETF-Welt

Eine mögliche Antwort hierauf kann das Investieren in Aktien sein, wobei vielen Anlegern meist das nötige Wissen fehlt. Die naheliegende und risikoärmere Alternative stellen Exchange Traded Funds (ETFs) dar. Im Gegensatz zu Aktien, bei denen der Anleger alles auf ein Pferd setzt, bieten diese Fonds den großen Vorteil der Diversifikation. Das heißt, eine Aufteilung der Anlagesumme in Länder, Sektoren oder Regionen senkt das Risiko eines Totalausfalls erheblich. Diese Form von passiv gemanagten Indexfonds bildet einen Referenzindex wie zum Beispiel den Dax eins zu eins ab und ist mit einer jährlichen Gesamtkostenquote (kurz: TER) von im Schnitt 0,33 Prozent die kostengünstigste Lösung, am Finanzmarkt zu partizipieren. Bei vielen Basis-ETFs liegen die Kosten sogar noch deutlich darunter. Warum nutzen wir ETFs also nicht, um mit unserem Geld auf lange Sicht erfolgreich am Finanzmarkt mitzumischen?

In wenigen Schritten erklären wir, wie der Einstieg in die Welt der ETFs gelingt.

1. Depot eröffnen

Wer in ETFs anlegen möchte, kommt um ein Wertpapierdepot nicht herum. Dies können Sie entweder bei Ihrer Hausbank oder bei einer Direktbank einrichten. Doch das Produktangebot, die Gebühren, der Service und auch die darüber hinausreichenden Leistungen unterscheiden sich zum Teil deutlich. Auf den ersten Blick ist es für den Anleger daher nicht einfach, den für sich geeigneten Anbieter auszuwählen. Aus diesem Grund haben wir für ETF-Einsteiger eine Vorauswahl aus unseren 16 getesteten Direktbanken getroffen.

Sparplanrate 25–100 Euro

ETF-Sparpläne eignen sich für jedermann und sind perfekt, um seinen Vermögensaufbau langfristig zu gestalten. Da sich je nach Art und Höhe der Geldanlage auch das Gebührenmodell zwischen ETF-Sparplanausführung und Einmalanlage ändert, verweisen wir bei Sparplänen mit geringen Sparraten von 25 bis 100 Euro pro Ausführung zur Comdirect. Hier wird Anlegern mit niedrigen Anlagesummen der Start zum Sparen sehr leicht gemacht. Aktuell können bei der Comdirect (► Zum Testbericht) 170 ETFs der Anbieter Lyxor, Amundi, iShares, Vanguard und Franklin Templeton mindestens bis Ende 2019 kostenfrei angespart werden. Außerdem überzeugt die Bank mit einer kostenlosen Kontoführung, einem breiten Produktangebot und niedrigen Gebühren von 1,50 Prozent der Sparrate. Diese Kostenstruktur ist für niedrige Sparraten äußerst vorteilhaft, bei höheren Sparraten jedoch eher unattraktiv.

Sparplanrate ab 101 Euro

Hier würden wir das Depot der DKB vorziehen. Bei monatlichen Sparraten ab 101 Euro schneidet das Kostenmodell dieser Bank besser ab. Sie ist aufgrund ihrer fixen Gebühren von 1,50 Euro pro Ausführung unabhängig von der Sparrate günstiger als die zuvor erwähnte Comdirect.

Ein Beispiel: Während Anleger bei einer monatlichen Anlage von 100 Euro bei beiden Banken 1,50 Euro zahlen, schneidet die DKB (► Zum Testbericht) bei einer Sparrate von 150 Euro mit einem Kostenvorteil von 0,75 Euro pro Ausführung besser ab.

Dabei glänzt auch die DKB mit einer umfangreichen Produktpalette und einer aktuellen Sonderaktion mit den ETF-Anbietern Amundi, HSBC und Lyxor. Auch hier können derzeit 170 ETFs kostenfrei angespart werden.

Einmalanlage

Neben Sparplänen besteht auch die Möglichkeit, ETFs in Form einer Einmalanlage zu erwerben. Bei diesem Szenario sollten sich Anleger für die Onvista Bank (► Zum Testbericht) entschieden.

Die Onvista Bank bietet zwei Depotvarianten an: Das Festpreis-Depot und das Freebuy-Depot.

Bei dem Festpreis-Depot kostet eine Order fünf Euro zuzüglich einer pauschalisierten Handelsplatzgebühr von 1,50 Euro und das unabhängig vom Handelsvolumen. Das ist vor allem bei Orders mit mittlerem und hohem Volumen ein Vorteil.

Mit dem Freebuy-Depot können Anleger im Zuge einer Aktion 800 ETFs der Anbieter iShares,  Lyxor, Amundi und ETF Securities bei einem Ordervolumen ab 1.500 Euro kostenlos handeln.

2. Die richtige Indexauswahl

ETFs beziehen sich immer auf einen Index. Da sich aber jeder Index unterscheidet, sollten Anleger den Mechanismus der Indexzusammenstellung genau verstehen. Das Risiko einer Überkonzentration einzelner Aktien im Index gilt es zu vermeiden. So sollten Anleger stets einen Blick auf die Indexzusammensetzung werfen und darauf achten, dass der Indexanbieter eine Maximalgewichtung der einzelnen Wertpapiere eingeführt hat, um diese Konzentrationsproblematik zu minimieren.  Wir raten Einsteigern daher, explizit auf Indizes zu setzen, die sich breit gestreut aus Aktien der Industrie- und Schwellenländer zusammensetzen. Damit wird das Kapital auf viele Aktien verteilt und somit einzelne Länder- oder Branchenrisiken vermieden. Hierbei haben Sie zwei Alternativen.

Die einfachste Möglichkeit bietet das Investieren in nur einen vorgefertigten ETF der Aktien aus den Industrie- und Schwellenländern in einem Index vereint. Dafür sind Welt-Indizes wie der FTSE All-World, der MSCI All Country World Investable Market Index (kurz: ACWI IMI) oder auch der MSCI All Country World Index (kurz: ACWI) ratsam.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, das Mischungsverhältnis von Industrie- und Schwellenländeraktien selbst in die Hand zu nehmen. Hierfür ist es erforderlich je Segment einen Index heranzuziehen. Dazu eignen sich die Indizes FTSE Developed World für Industrieländer und FTSE Emerging Markets für Schwellenländer oder die entsprechenden Versionen des Indexanbieters MSCI (MSCI World bzw. MSCI Emerging Markets).

Im Folgenden zeigen wir, dass eine ETF-Anlage mit ein bis zwei Fonds völlig ausreicht, um langfristig einen sinnvollen Vermögensaufbau zu gestalten.

3. Auswahl der geeigneten ETFs

Derzeit sind rund 1.400 ETFs in Deutschland handelbar. Da stellt sich für Einsteiger natürlich die Frage, welcher ETF für die Umsetzung der Sparplan- oder Einmalanlage am besten geeignet ist. Im Folgenden stellen wir sinnvolle ETFs vor, die bei den vorgestellten Direktbanken (Comdirect, DKB und Onvista Bank) im Rahmen eines ETF-Sparplans oder bei der Einmalanlage zum Teil sogar kostenfrei gekauft werden können (siehe Tabelle oben). Bei diesen ETFs lohnt es sich also, zur Onvista bzw. zur Comdirect zu greifen.

Tipp: Sollten Sie bereits ein Depot bei einer Direktbank besitzen, können Sie sich über unseren Broker-Vergleich über die Qualität des Angebots informieren. Eventuell mach es Sie ein neues, attraktiveres Depot zu eröffnen. Jetzt den Broker-Vergleich lesen!

Produktempfehlung mit einem ETF

Bei der einfachsten Lösung mit nur einem ETF empfehlen wir, auf den SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF oder den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF zu setzen. Die beiden nach Marktkapitalisierung gewichteten Produkte decken mit circa 8.800 bzw. 2.900 Unternehmen aus 45 Ländern rund 98 Prozent des Weltmarktes ab. Mehr Diversifikation geht nicht! Ihre Gewichtung fällt dabei zu 10 Prozent auf Schwellenländer und 90 Prozent auf Industrieländer.

Auch der SPDR MSCI ACWI UCITS ETF bietet Zugang zu Aktien aus Industrie- und Schwellenländern weltweit, enthält jedoch keine kleinen Unternehmen mehr.  Er umfasst trotzdem noch über 2.400 Werte und setzt sich aus 47 Länderindizes (23 aus entwickelten Märkten und 24 aus Schwellenmärkten) zusammen. Er eignet sich, um die Konzentration in erster Linie auf mittlere und große Unternehmen zu lenken.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
SPDR® Portfolio MSCI Global Stock Market ETF0,40NeinPhysisch144
Vanguard FTSE All-World UCITS ETF0,22JaPhysisch3.209
SPDR® MSCI ACWI UCITS ETF0,40NeinPhysisch1.344

Produktempfehlung mit zwei ETFs

Wer über die Zusammenstellung der Industrie- und Schwellenländer selbst entscheiden möchte, greift wie zuvor beschrieben auf zwei Regionen-ETFs zurück. 

Der iShares Core MSCI World UCITS ETF in Verbindung mit dem iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF bietet Zugang zur Wertentwicklung der rund 1.640 größten Unternehmen aus 23 Industrienationen weltweit plus circa 2.040 große, mittlere  und kleine Aktienunternehmen aus Schwellenländern wie zum Beispiel China, Indien und Brasilien. Durch die Aufteilung in zwei ETFs kann das Mischungsverhältnis zwischen Industrieländern und Schwellenländern selbst bestimmt werden.

Eine Alternative hierzu bietet die Kombination aus dem Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF und dem Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF an.

Eine mögliche Aufteilung wäre es, 70 bis 60 Prozent in Industrieländer und die restlichen 30 bis 40 Prozent in Schwellenländer zu investieren.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
iShares Core MSCI World UCITS ETF0,20NeinPhysisch19.649
iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF0,18NeinPhysisch12.269
Vanguard FTSE Developed World UCITS ETF0,12JaPhysisch366
Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF0,22JaPhysisch1.982

4. Zusammenfassung

Die einfachste Weise, in weltweite Aktienmärkte zu investieren, gelingt schon mit nur einem ETF. Der SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF oder der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF eignen sich hierfür am besten. Wer sein Depot individueller zusammenstellen möchte, greift auf zwei ETFs zurück und gewichtet Aktien- und Schwellenländer nach eigenem Wunsch.

Wenn die Wahl der ETFs getroffen wurde, entscheidet beim Sparplan die Höhe der Sparrate über den geeigneten Broker. Anleger sollten prüfen, ob es besondere Rabattaktionen für den gewählten ETF gibt. Wer dann über die Jahre seine ersten Erfahrungen mit ETFs gemacht hat, kann dann auf Wunsch das Portfolio weiter ausbauen und neue Anlagemärkte- oder Anlageklassen hinzufügen. Den Wünschen des Anlegers sind dann keine Grenzen gesetzt.

Tipp: ETF-Einsteigern empfehlen wir zur ETF-Auswahl unsere ETF-Anlageleitfäden. Dort werden die besten ETFs aus unterschiedlichen Anlageregionen miteinander verglichen. Jetzt die Anlageleitfäden lesen!