Die Rückkehr der Value-Werte – das Comeback der Fundamental-Analyse

Value hat in den vergangenen Jahren etwas vom alten Glanz eingebüßt. Doch möglicherweise sehen wir schon bald die Rückkehr.

Das Jahr 2020 war geprägt von den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Innerhalb weniger Tage sackten weltweit sämtlich Assetklassen, wie Aktien, Renten und Rohstoffe, ab. In dieser Phase wurden die sogenannten Growth-Aktien besonders hart abgestraft, aber auch die-Value Werte verloren an Boden, wenn auch gleich nicht so stark. Die dann folgende rasante Erholungsrallye beflügelte vor allen Dingen die zuvor stark geprügelten Wachstumswerte und ließen die Small- und Mid-Caps, die Trendwerte und allen voran die Technologieaktien, wie Phönix aus der Asche aufsteigen. Gewinne weit über 100 Prozent waren bis Ende des Jahres möglich.

Wer nicht Tesla, Bitcoin oder mindestens einen Wasserstoff-Wert im Depot hatte, zählte zu den Losern. Doch wird sich dieser Trend auch fortsetzen oder kehren wir zurück zur guten alten Fundamental-Analyse, wo solide Daten und Fakten über Wachstum und Potential entscheiden. Die im vergangenen Jahr als langweilig geltend und somit verschmähten Value-Titel, scheinen seit Jahreswende den Schalter umgelegt zu haben und geraten wieder in den Fokus der Anleger.

Value und Growth verschmelzen teilweise

Grundsätzlich sei an dieser Stelle gesagt, dass die Schwelle zwischen Growth und Value bei einigen Aktien immer mehr verwischt, schließlich sind Unternehmen, wie Apple, Paypal und Amazon sowohl in den Wachstumssektor als auch in den Substanzbereich einzustufen. Aber von diesen Titeln sprechen wir nicht, auch wenn sich die FAANG-Aktien mittlerweile schwertun und seit Beginn des Jahres, welches mit weiteren Höchstständen glänzt, weitestgehend im Minus notieren.

Die Rückkehr der Substanzwerte hat längst stattgefunden und sollte auch zu größeren Umschichtungen führen. Die ganz Große haben bereits damit begonnen; das Ehepaar Gates mit seiner Stiftung und Warren Buffet haben sich von ihren Beständen an Apple, Amazon, Uber etc. teilweise oder ganz getrennt und kehren zurück in die Old Economy.

Die fundamentale Sicht auf die Konzerne hilft bei der Auswahl der Aktien. Das übergeordnete Ziel einer Sachwertanlage mit möglichst hoher Sicherheit, wird durch Qualität und Zuverlässigkeit der Unternehmen erreicht. Anders als im Jahr zuvor gilt das Motto „investieren statt spekulieren“ und die Markttechnik spricht für Investitionen in die besten Unternehmen zu möglichst fairen Preisen. Die Fundamental-Analyse berücksichtig hierbei Kriterien, wie eine geringe Verschuldung, robuste Geschäftsmodelle – auch oder gerade in Krisen- und Rezessionsphasen – sowie die Vorlage international verbindlicher Bilanzierungsstandards (siehe Negativ-Beispiel Wirecard).

Zusätzliche Bewertungen von Ertragskontinuität, Ausschüttungsquoten, die sich aus Dividenden und Aktienrückkaufprogrammen ergeben, und eine geringe Kapitalintensität des Geschäftsmodelles führen zu Substanzerhalt und bieten aussichtsreiche Wachstumschancen. Wir sollten uns die Frage stellen, wer führend in seiner Branche ist und die Preismacht in der Zukunft hat. Natürlich kann es immer wieder kleinere Unternehmen geben, die es an die Spitze schaffen, die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass kleine Unternehmen von den großen Branchenführen übernommen werden ist höher.

Die Frage der Länderallokation ist an dieser Stelle sicherlich nicht zu verachten. Industriestaaten werden weiterhin den Ton angeben. Nordamerika, Europa liegen weit vorne, aber vor allen Dingen die asiatische Wirtschaft entwickelt sich stark und besitzt großes Wachstumspotential. Ende letzten Jahres wurde die größte Freihandelszone der Welt zwischen den zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten in der Asien-Pazifik-Region gegründet, wodurch der sowieso schon starke asiatische Warenverkehr nochmals an Fahrt gewinnt. Dass China den USA den Rang abläuft ist daher nur eine Frage der Zeit, also warum nicht rechtzeitig auf diesen Zug aufspringen.

Tipp der Redaktion: Zocken Sie nicht an der Börse und setzen Sie lieber auf ETFs. Achten Sie immer auf eine breite Streuung. Orientieren Sie sich grundsätzlich an unseren Musterportfolios.

Wer im letzten Jahr Erfolg und Spaß an Spekulationen hatte, sollte sich überlegen sein Depot solider und ausgewogener zu strukturieren. Verständliche, nachvollziehbare Geschäftsmodelle mit starken Marken und massentauglichen Gütern und Dienstleistungen werden die kommenden Monate und Jahre in den Industrienationen bestimmen.

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Über die Autorin: Petra Ahrens

Petra Ahrens, Vorstand der MAIESTAS Vermögensmanagement AG in Köln.