Larry Fink: Der mächtigste Mann der Wall Street

Larry Fink, Gründer, Vorsitzender und CEO des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, ist kein Mann, der das Rampenlicht sucht. Trotzdem wird er als „Mächtigster Mann der Wall Street“ bezeichnet. Institutionelle Investoren weltweit vertrauen ihm ihre Millionen an, sodass BlackRock auf ein verwaltetes Vermögen in Höhe von über 5 Billionen Dollar kommt! Doch Finks Einfluss reicht über seine Beteiligung an BlackRock hinaus. Er ist hervorragend vernetzt, berät Finanzminister und Notenbanken und zählt Menschen wie EZB-Chef Mario Draghi zu seinen Freunden.

Das Leben des Larry Fink

Laurence Douglas „Larry“ Fink wurde am 2. November 1952 in Los Angeles geboren. Der US-amerikanische Unternehmer wuchs im Herzen von Los Angeles, Kalifornien, in einer jüdischen Familie auf. Seine Mutter war als Englisch-Professorin an der University of California tätig, wohingegen sein Vater ein Schuhgeschäft betrieb. Bis zum Ende seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Politikwissenschaften an der University of California lebte er in seinem Geburtsort Los Angeles. Mit seinem ersten Job als Trader bei der Investmentbank First Boston verlagerte Fink 1976 seinen Lebensmittelpunkt zusammen mit seiner kurz zuvor geheirateten Frau, Lori, nach New York City. Dort leben Fink, seine Frau und die gemeinsamen Kinder noch heute.

Beruflich hat sich der dreifache Familienvater bereits während der Tätigkeit bei First Boston auf den Handel mit Anleihegeschäften spezialisiert. Als Leiter dieses Bereichs verursachte er jedoch durch falsche Zinsprognosen einen Verlust von über 100 Mio. Dollar; sein Ruf als Trader war zunächst ruiniert. Diese Erfahrung motivierte Fink und sein Team, den Asset Manager BlackRock zu gründen. Finks heutiges Vermögen wird auf 340 Mio. Dollar geschätzt, jedoch ist es eher seine Macht, die viele andere Milliardäre in den Schatten stellt.

Larry Fink Reportage von Galileo – Sehenswert!

Larry Fink: Keine Exzesse, aber durchaus humorvoll

Privat gilt Fink als unscheinbar, betont unauffällig und als stets um geringstmögliches Aufsehen bemüht. Rein vom äußerlichen Erscheinungsbild wirkt er eher wie ein besonnener Buchhalter. Kein Aufsehen, kein Machtgehabe, keine Exzesse. Dabei wird er durchaus als humorvoll beschrieben. Auf einer Investorenkonferenz in New York führte er eine Podiumsdiskussion mit Anshu Jain, dem ehemaligen Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank. Zum Thema Eigenhandel in Großbanken fragte er Jain schmunzelnd: „Das hat doch aber Spaß gemacht, nicht wahr?“ – wohlwissend, dass dieses umstrittene Geschäft bis heute das Image von Jain, der in diesem Bereich Karriere gemacht hatte, und die ganze Bankenbranche belastet.

Auf die Frage der F.A.Z., ob er aufgrund seines Einflusses zu Recht als „König der Wall Street“ bezeichnet werde, gibt sich Larry Fink bodenständig. Als solcher habe er sich noch nie gefühlt. Wenn er morgens aufstehe, springe er wie jeder andere auch zunächst unter die Dusche und nehme sich danach üblicher Weise eine volle Stunde Zeit, um die Vorgänge an der Börse zu analysieren. Dabei sei er immer wieder erstaunt, wie viel man noch über die Finanzmärkte lernen kann. Seine These: „Wer in dieser Branche Erfolg haben will, darf nie glauben, er hätte die Märkte völlig durchschaut“. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagiert er sich für verschiedene Bildungs- und Kultureinrichtungen wie die New York University, das Museum of Modern Art oder die Gesellschaft für ökonomische Entwicklung der Stadt New York.

BlackRock – Alles basiert auf Aladdin

BlackRock wurde 1988 als das Wall-Street-Gegenstück einer Garagenfirma durch Larry Fink und sieben weitere ehemalige Mitarbeiter von First Boston gegründet. Die Gruppe leistete bereits bei First Boston Pionierarbeit im Bereich hypothekenbesicherte Wertpapiere. Sie teilten die Überzeugung, Kundenwünsche und deren Interessen an erster Stelle zu sehen. Mit diesem Leitsatz gelang BlackRock bereits früh der erste Erfolg.

Die innovative Investment-Plattform Aladdin vereinigte die Bereiche Handel, Risiko-Analyse und Kunden-Reporting. Aus heutiger Sicht war es diese Plattform, mit der strategische Entscheidungen auf Basis umfangreicher Datenanalyse getroffen werden konnten, welche BlackRock von anderen Assetmanagern unterschied. Noch heute ist Aladdin der Kern von BlackRock Solutions und vermutlich nicht zuletzt der Grund, warum institutionelle Anleger weltweit dem Vermögensverwalter ihr Geld anvertrauen. Die Plattform besteht aus einem Heer von Analysten und vier Hochleistungsrechenzentren, deren Standorte geheim gehalten werden und die in der Lage sind, etwa 200 Mio. Simulationen pro Woche durchzuführen. Mit dieser Kapazität schafft es Aladdin nahezu in Echtzeit, die weltweiten Positionen und deren Risiken einzuschätzen.

2009 – BlackRock kauft iShares

Das Unternehmen BlackRock, gegründet unter dem Schirm der Blackstone Group, tritt erst seit Ende 1992 unter seinem heutigen Namen auf. Damals wurden 17 Mrd. Dollar an Vermögenswerten verwaltet, was sich innerhalb eines Jahres auf 53 Mrd. Dollar mehr als verdreifachte. Der Börsengang an der NYSE folgte im Jahr 1999. Ab 2005 unternahm BlackRock eine Reihe von Übernahmen und Fusionen, um Investmentkompetenzen auszubauen. So kaufte man Merrill Lynch Investment Managers Anfang 2006 und im Jahr 2009 Barclays Global Investors. Hauptsächlich wegen der ETF-Sparte iShares. Bei der Integration dieser neuen Geschäftsbereiche blieb man sich dem Prinzip „One BlackRock“ treu. Dieses sieht vor, alle Prozesse auf eine Business Unit zu konzentrieren. In dieser werden alle Geschäftsbereiche zentral um die Wünsche der Kunden koordiniert.

Durch die Übernahmen gelang es BlackRock seine Produkt- und Dienstleistungsvielfalt erheblich auszubauen und Marktführer zu werden. Heute verwaltet BlackRock, rund 5 Billionen Dollar (das Gesamtvermögen der Weltbevölkerung, d. h. die Summe aller liquiden und illiquiden Mittel, beträgt Schätzungen zufolge 250 Billionen Dollar). Dabei gilt natürlich der Grundsatz, dass das investierte Vermögen diversifiziert werden muss. Somit ist es nicht ungewöhnlich, dass BlackRock in vielen größeren Unternehmen des Planeten einen Großteil der Aktien verwaltet.

Auch in Deutschland ist BlackRock aktiv; BlackRock verwaltet große Aktienpakete vieler DAX-Unternehmen und Nebenwerte. Andere Beispiele sind Banken wie JPMorgan Chase, Bank of America oder die Citigroup, bei denen BlackRock Großaktionär ist. Auf der anderen Seite hält der Assetmanager auch nicht unerhebliche Anteile an Rüstungs- und Ölkonzernen und wird mit Investitionen in die Drohnen-Industrie, den Saatgutspezialisten Monsanto und Unternehmen, die zur Palmölproduktion maßgeblich die Rodung des Regenwalds in Kauf nehmen, in Verbindung gebracht. Für diese Aktivitäten steht BlackRock und damit auch Larry Fink vermehrt in der Kritik.

Kauft endlich Aktien!

Anlegern empfiehlt Fink: „Kauft endlich Aktien!“ Weiter sagt er, Anleger müssen endlich richtig investieren; sichere Anleihen aus Deutschland oder den Vereinigten Staaten werfen keine Zinsen mehr ab. Mit solchen Erträgen könne man nicht für die eigene Zukunft vorsorgen. Die Menschen leben heute deutlich länger. „Selbst die meisten 55-Jährigen haben heute glücklicherweise noch mindestens 30 Lebensjahre vor sich. Ohne Aktien, da bin ich sicher, wird es ihnen im Alter an Einkommen fehlen.“ Man dürfe sich von Kursschwankungen nicht verunsichern lassen. Wer sein Vermögen für die nächsten 30 Jahre anlegt, dürfe sich nicht um die Kurse von heute kümmern. Dabei spricht sich Fink besonders für hochwertige Dividendenpapiere aus.

Finks Einfluss geht über die Beteiligungen von BlackRock hinaus: Er und seine Mitarbeiter beraten Finanzminister sowie Notenbanken. Fink ist hervorragend vernetzt. So zählt er EZB-Chef Mario Draghi oder US-Finanzminister Tim Geithner zu seinen Freunden. Großinvestor Carl Icahn, der bereits zuvor in dieser Serie porträtiert wurde, nennt diese Macht „sehr gefährlich“. Es ist also bei Weitem nicht nur die enorme Summe von über 5 Billionen Dollar, die Finks Macht ausmacht und zu Bezeichnungen wie „Mächtigster Mann der Wall Street“ führt. Finks Einfluss ist allgegenwärtig. Dies bringt ihm nicht nur Lob ein und ist vielleicht auch einer der Gründe, weshalb sich Larry Fink nur selten der Öffentlichkeit stellt.

Die Inhalte zu diesem Beitrag stammen aus folgenden Quellen:

Die Serie „Börsengurus“ wird präsentiert von HSBC Trinkaus & Burkhardt AG.