Soll ich jetzt in einen Rohstoff-ETF investieren?

In den letzten Monaten ist das Thema Rohstoff-ETF durch die steigenden Benzin- und Bauholzpreise in der öffentlichen Wahrnehmung wieder präsent. Um die Frage zu beantworten, ob sich Rohstoff-ETFs als Investment für das Depot eignen, lohnt es sich den Markt und die Chancen und Risiken näher zu betrachten.

Grundsätzlich sind fünf Rohstoffgruppen zu unterscheiden: Energie (zum Beispiel Öl und Gas), Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium), Industrie-/Basismetalle (beispielsweise Kupfer und Eisenerz), Mineralstoffe und Agrarrohstoffe (wie zum Beispiel Weizen, Orangensaft und Schweinebäuche). Insgesamt vierzig verschiedene Rohstoffe decken den Markt ab.

Für den Privatanleger sind Rohstoffe aber aufgrund der Lagerkosten nicht direkt physisch investierbar, eine Ausnahme bilden dabei die Edelmetalle. Für die Anlage in physisches bzw. „börsengehandeltes“ Gold stehen die Anlagen Xetra Gold (WKN: A0S9GB) bzw. Euwax Gold (WKN: EWG0LD) zur Verfügung. Streng genommen handelt es sich zwar rechtlich um Schuldverschreibungen und nicht um Fonds. Durch die physische Besicherung (das Gold wird entsprechend des Fondsvolumens gekauft und verwahrt), wird aber ein ähnlicher Status erreicht. Zudem ist der Kauf bzw. Verkauf bequem und kostengünstig über ein Wertpapierdepot möglich. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die steuerliche Begünstigung wie beim Direktbesitz gilt, so dass Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei bleiben.

Macht ein Rohstoff-ETF Sinn?

Eine Investition in Gold bzw. Rohstoffe im Allgemeinen, ist bei großen Krisen bzw. einer hohen Inflationserwartung als Depotbeimischung grundsätzlich sinnvoll. In den letzten 20 Jahren war die Rendite von Rohstoff-ETFs jedoch gering bzw. je nach Zeitraum sogar negativ. Zudem mussten hohe Schwankungen (Volatilität) in Kauf genommen werden.

Ein Investment in Rohstoffe gilt deshalb als risikoreich. Durch ihre historisch negative Korrelation, also der unabhängigen Entwicklung, zu Aktienkursen, können Rohstoffe einen Beitrag zur Portfoliostreuung (Diversifikation) leisten.

Das Investieren in die Preisentwicklung von Rohstoffen erfolgt in der Regel über Terminmärkte mittels Terminkontrakten bzw. Futures. In Rohstoff-Indizes findet sich meist ein Mix daraus auf verschiedene Rohstoffe. Eine Investition in Rohstoff-Futures-Indizes (Termingeschäfte) ist über Rohstoff-Indexfonds (ETFs) möglich.

Tipp der Redaktion: Interesse an einem Rohstoff-ETF? Hier finden Sie Rohstoff-Produkte. Bei der Portfolio-Zusammenstellung können Sie sich an unseren Musterportfolios orientieren.

Viele Vermögensverwalter setzen im Rohstoff-Bereich auf den Bloomberg Commodity Index bzw. entsprechende ETFs wie den iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (WKN: A2DK6R) oder auf den Lyxor Commodities Thomson Reuters/CoreCommodity (WKN: LYX0Z2). Eine Alternative bietet der BNP Paribas Energy & Metals Enhanced Roll (WKN: A2AE6P), der eine hohe Diversifikation und Steueroptimierung aufweist.

Das Thema Nachhaltigkeit ist auch bei Rohstoff-Investments angekommen. Indizes und somit die investierenden ETFs decken dabei nur die Rohstoffgruppen Energie, Industriemetalle und Edelmetalle ab. Ausgeschlossen sind hingegen die Gruppen Agriculture, also Agrarrohstoffe, und Livestock, also Nutztiere. Viele nachhaltig orientierte Anleger betrachten insbesondere die Anlage in Lebensmittel mit Skepsis. Der Invesco Bloomberg Commodity ex-Agriculture (WKN: A2DPAK) stellt hier ein Angebot dar.

Anleger, die in Zukunft systemrelevante Krisen bzw. nachhaltig starke Inflationsanstiege erwarten, steht somit eine Vielzahl unterschiedlicher Rohstoff-ETFs zur Auswahl.

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Über den Autor: Mathias Lebtig

Mathias Lebtig, Geschäftsführender Gesellschafter der FP Asset Management GmbH Vermögensverwaltung in Freiburg.