Michael Bußhaus (justTRADE) über Deutschlands ersten kostenfreien Online-Broker

Mit justTRADE geht nach eigenen Aussagen der einzige Online-Broker Deutschlands mit komplett kostenfreiem Wertpapierhandel an den Start. Wir haben mit Michael Bußhaus, dem Geschäftsführer von justTRADE gesprochen.

Herr Bußhaus, Sie haben 20 Jahre in der Finanzindustrie gearbeitet. Warum starten Sie gerade jetzt einen neuen Onlinebroker? Braucht Deutschland eine weitere Onlinebank?

Ich arbeite ja immer noch in der Finanzindustrie. Nein, Spaß beiseite. Wir, das heißt mein ehemaliger Geschäftsführer-Kollege bei der onvista bank (► Zum Testbericht), Ralf Oetting und ich, haben lange darüber nachgedacht, ob ein kostenfreier Wertpapierhandel in Deutschland möglich ist – und sind zu dem Schluss gekommen – es ist möglich. Insofern braucht es tatsächlich einen neuen Onlinebroker in Deutschland, der genau dieses Konzept umsetzt. Wir sind sogar davon überzeugt, dass es mittelfristig weitere Anbieter geben wird, die einen kostenfreien Handel ermöglichen – und die etablierten Anbieter müssen sich überlegen, wie sie darauf reagieren wollen. Am Ende wird es eine Zweiteilung geben – Online-Broker mit einem umfassenden Service-Angebot, die eine Provision für ihr Angebot berechnen und solche wie justTRADE – die einen kostenfreien Handel für jene Zielgruppe anbieten, die genau das suchen.

justTRADE bietet einen kostenfreien Wertpapierhandel an. Viele Interessenten werden sich fragen, wie sie sich das leisten können?

Wie jeder andere Online-Broker in Deutschland bekommen wir von unseren Handelspartnern kleine Rückvergütungen für die Trades. Diese Form der Rückvergütung ist nicht neu in Deutschland und wird von jedem der in Deutschland tätigen Online-Broker entsprechend vereinnahmt. Neu ist allerdings, dass wir unsere Prozesse so schlank aufgestellt haben, dass wir mit diesen Rückvergütungen unsere Kosten decken können und nicht auf zusätzliche Provisionseinnahmen oder Depotgebühren von den Kunden angewiesen sind. Darüber hinaus werden wir unser Angebot durch optionale Zusatzangebote sukzessive erweitern, zum Beispiel durch ein professionelles Handelsfrontend, für das dann eine kleine Lizenzgebühr fällig wird.

Auf Ihrer Website ist noch nichts von Ihrem Bankpartner oder den Produktpartnern zu lesen. Warum machen Sie darum ein Geheimnis?

Wir wollen sukzessive die Informationen über unsere Partner an alle registrierten Nutzer kommunizieren, um den Spannungsbogen noch ein wenig aufrecht zu erhalten. Dabei wollen wir jedem einzelnen Partner auch die Möglichkeit geben, sich ausführlich unseren Nutzern vorzustellen.

Mit Traderepublic ist ja kürzlich ebenfalls ein Broker mit nahezu kostenfreiem Handel gestartet. Worin unterscheidet sich Ihr Angebot von deren?

Die Kollegen von Traderepublic haben aus unserer Sicht einen super Job gemacht – haben aber eine grundlegend andere Zielgruppe: Die Kunden von Traderepublic sind eher junge Menschen, die in Aktien und ETFs über ihr Mobiltelefon investieren.

Wir wenden uns im Gegensatz zur Traderepublic an die aktiveren Kunden, die zum einen über unser Tradingfrontend für den Desktop-Browser und zum anderen eben auch mit strukturierten Produkten handeln wollen. Natürlich bieten wir auch den Handel über eine iOS App und eine Android App an, aber wir gehen davon aus, dass unsere Zielgruppe eher über unser Desktop-Frontend aktiv sein wird. Um diese Zielgruppe zukünftig noch besser bedienen zu können, überlegen wir auch, ein eigenständiges Heavytrader-Frontend auf HTML5-Basis zu launchen.

Welche Erwartungen haben Sie hinsichtlich Kundenwachstum? Welche Kunden möchten Sie mit Ihrem Angebot erreichen?

Das Thema Geldanlage in Wertpapieren wird aus unserer Sicht immer wichtiger. Insbesondere vor dem Hintergrund des aktuellen und wahrscheinlich noch länger anhaltenden Niedrigzinsumfelds. Unser Angebot richtet sich an alle Privatkunden, die als Selbstentscheider ihre Anlageentscheidungen eigenständig, das heißt ohne Beratung, treffen wollen. Geschätzt reden wir grob in Deutschland über zwei Millionen Kunden, die circa 100 Millionen Transaktionen pro Jahr machen.

Insofern ist unsere Zielgruppe eher der aktivere Trader, der zwischen zwölf und 200 Trades im Jahr platziert. Aber natürlich ist uns auch ein langfristig orientierter Investor als Kunde sehr willkommen, der über eine Buy-and-Hold Strategie in Aktien und ETFs Vermögen aufbauen möchte. Wir glauben auch, dass wir mit unserem Angebot Kunden ansprechen, die bisher noch gar nicht Wertpapiere gehandelt haben.