Was ist ein Sondervermögen?

Über das Grundprinzip börsengehandelter Investmentfonds (ETFs)

Definition – Überblick

Es vergeht kaum ein Jahr, in den dem es nicht zu „turbulenten” Ereignissen an den Finanzmärkten kommt. Mal bricht der DAX ein, Mal der Dow Jones und im extremsten Fall kommt es wie im Jahr 2008 zu einer ernsten Wirtschaftskrise, die dann weltweite Implikationen für Anleger nach sich zieht. So fragen sich Anleger natürlich zu Recht, inwiefern ihre ETFs-Portfolios einem Ausfallrisiko (auch Emittentenrisiko genannt) unterliegen? In anderen Worten: Kann es sein, dass mein ETF-Anbieter Insolvenz anmeldet und ich meine Kapitalanlage verliere?

Tatsächlich besteht diese Gefahr bei ETFs NICHT! Denn grundsätzlich gilt: Selbst im Falle einer Finanzkrise gibt es bei ETFs kein Emittentenrisiko. ETFs sind als Sondervermögen vor einer Insolvenz des Emittenten geschützt. Der Begriff Sondervermögen beschreibt nämlich einen juristischen Fachausdruck. Das deutsche Gesetz, genauer: das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) definiert Sondervermögen als

inländische offene Investmentvermögen in Vertragsform, die von einer Verwaltungsgesellschaft für Rechnung der Anleger nach Maßgabe dieses Gesetzes und den Anlagebedingungen, nach denen sich das Rechtsverhältnis der Verwaltungsgesellschaft zu den Anlegern bestimmt, verwaltet werden.

Was im Gesetzestext sperrig klingt, ist für Anleger von großer Bedeutung: Da ETFs als Sondervermögen gesetzt sind, wird das Kapital der Anleger an einem von der Investmentgesellschaft unabhängigen Ort verwahrt. Das Anlagekapital ist somit vom Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft getrennt. Für Anleger bedeutet das: Selbst wenn die Investmentgesellschaft pleite geht und im Zuge dessen ihre Gläubiger bedienen muss, ist das Kapital vor dem Zugriff der Gesellschaft oder dem der Gläubiger – gesetzlich – geschützt.

Ein Ausfallrisiko kann somit so gut wie ausgeschlossen werden. Allerdings gilt dies nur bei Full Replication ETFs und nicht bei den besonders von Privatanlegern beliebten Swap-ETFs. Dazu erfahren Sie im Folgenden mehr sowie über detaillierte Aspekte von Sondervermögen nach dem Investmentgesetz.

Kein Ausfallrisiko bei Full Replication ETFs

Die Full Replication ETFs, die den zugrunde liegenden Index eins-zu-eins über die entsprechenden Aktien oder Anleihen abbilden, bergen kein Ausfallrisiko. Bei ihnen tragen Anleger lediglich das Marktrisiko des zugrundeliegenden Index. Ein großer ETF Anbieter verzichtet derzeit sogar aus Risikogesichtspunkten auf die steuerliche Optimierung der Dividendenzahlung mit Zertifikaten.

Geringes Ausfallrisiko bei Swap-ETFs

Die bei Privatanlegern beliebten Swap-ETFs begrenzen das Ausfallrisiko auf maximal zehn Prozent des Fondsvermögens. Denn die Fondsrichtlinie UCITS-III schreibt für Swap-ETFs einen maximalen Swap-Wert von zehn Prozent des Fondsvermögens vor. Sobald der Wert der Swap-Vereinbarung diese Grenze erreicht, werden die Swap- Vereinbarungen eingelöst und ihr Anteil so zurückgeführt. Der Rest des Fonds ist in Wertpapiere investiert, die jedoch nicht im Index enthalten sein müssen.

Sondervermögen bei Investmentfonds nach dem Investmentgesetz

Das von den Anlegern eingezahlte Kapital und die damit erworbenen Wertpapiere im ETF-Portfolio bilden das sog. Sondervermögen. Wie der Name im Prinzip schon sagt, ist das gesammelte Kapital „gesondert” zu verwahren. Dadurch ist das Sondervermögen nicht betroffen, wenn sich die Werte von anderen Fonds innerhalb der Investmentgesellschaft ändern. Ganz im Gegenteil sagt das Gesetz deutlich: Das Sondervermögen ist gesetzlich geschützt vor dem Zugriff der Kapitalgesellschaft und im Falle einer Insolvenz sogar vor deren Gläubigern.

Nach § 92 des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) ist das Sondervermögen getrennt zu halten und darf nicht für Schulden haften. Die strikte Verwahrung des Sondervermögens durch eine Depotbank schützt Anleger fast zu 100 % vor Verlusten der Investmentgesellschaft. Selbst im Falle einer Insolvenz geht das Verfügungsrecht gesetzlich auf die Depotbank über. Und gemäß § 100 KAGB ist die Depotbank dann verpflichtet, das Sondervermögen an die Anleger zurückzugeben – nach deren Anteilen versteht sich.

Doch in einem Punkt behält die Investmentgesellschaft gegenüber der Depotbank die Oberhand: Die Kapitalgesellschaft bestimmt allein die Anlagepolitik, also sie trifft alle Investmententscheidungen bezüglich des Sondervermögens. Auch wenn sie keinen unmittelbaren Zugriff auf das Vermögen hat, so veranlasst die Investmentgesellschaft Verkaufs- und Kaufaufträge des Sondervermögens und teilt diese Entscheidungen der Depotbank lediglich mit. Die Depotbank kann dann die Wertpapiere aus dem Sondervermögen umschichten, kaufen oder herausgeben, nimmt aber keinen Einfluss auf die Investmententscheidungen der Kapitalgesellschaft.

Fazit

Da die Vermögensgegenstände eines Sondervermögens von den eigenen und weiteren verwalteten Vermögensgegenständen der Kapitalanlagegesellschaft haftungsrechtlich strikt getrennt sind, können Sondervermögen grundsätzlich nicht für die Verbindlichkeiten der Kapitalanlagegesellschaft haftbar gemacht werden. Sie gehen daher im Insolvenzfall nicht in die Insolvenzmasse der Gesellschaft ein.

Neben dem angesichts der Insolvenz von Lehman Brothers vielbeachteten Fall eines Ausfalls des Emittenten oder der Swap-Partei besteht für Anleger auch das Risiko eines Bankrotts der Depotbank, die das Fondsvermögen verwahrt. Sondervermögen gewährleisten den Rechtsanspruch, alle für sie verwahrten Wertpapiere aus der Insolvenzmasse der Depotbank auszusondern. Das Ausfallrisiko für ETF-Anleger ist daher denkbar gering.

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