Von Max Paprotny20. September 2021
Wie riskant ist der MSCI World?

Birgt der MSCI World wirklich ein exorbitantes Blasenrisiko? Der Check!

Ein ETF auf den MSCI World ist ein Basisinvestment für viele Anleger. Doch der Index gerät immer wieder ins Visier von Kritikern. Sind die Kritikpunkte wirklich stichhaltig?

Der MSCI World ist wohl einer der bekanntesten und beliebtesten ETFs an der Börse. Doch oft wird ihm vorgeworfen, dass es sich aufgrund des hohen US-Anteils nicht mehr um einen Weltindex handele und diese Ausgangslage das Geld der Anleger gefährden könnte. Doch haben diese kritischen Stimmen tatsächlich Recht?

Die Fakten zum MSCI World

Nimmt man einmal ein Factsheet eines MSCI World ETFs unter die Lupe, erkennt man schnell, dass US-Aktien rund 67 Prozent des gesamten ETFs ausmachen. Auf Platz zwei folgt abgeschlagen Japan mit etwa 6,5 Prozent. Die gesamte Eurozone nimmt circa zehn Prozent im ETF ein. Allein aus dieser Sicht könnte man der Vermutung verfallen, dass aufgrund der 2/3-Gewichtung der USA der MSCI World dem Ruf eines echten Welt-ETFs nicht mehr gerecht wird.

Diese Aufteilung ist auch meist der Hauptkritikpunkt der kritischen Veröffentlichungen hinsichtlich des MSCI World als Basisinvestment. Zuletzt hat das Handelsblatt diesen Zustand moniert und spricht von einem deutlichen Klumpenrisiko.

Nimmt man wieder das Factsheet zu Rate, erkennt man schnell, dass „Klumpen“ im ETF existieren, zum Beispiel kommen die Top-10-Positionen des ETFs aus den USA und machen ganze 18,14 Prozent des gesamten ETFs aus. Somit kann man den kritischen Stimmen durchaus Recht geben und festhalten, dass eine gewisses Klumpenrisiko besteht. Doch ist diese Aufteilung wirklich ein Grund Abstand von einem MSCI-World-ETF zu nehmen?

Blase wirklich vorm Platzen?

Es kam schon häufig vor, dass einzelne Länder im MSCI World stärker gewichtet waren als andere. So stellt das Handelsblatt fest, dass Ende der 80er Jahre japanische Aktien eine Gewichtung von 40 Prozent inne hatten. Dies lag vor allem daran, dass der MSCI World nach der Marktkapitalisierung gewichtet wird. Das bedeutet, je höher das Unternehmen bewertet ist, desto höher steht es im Ranking des ETFs.

Anleger des MSCI World mussten damals hohe Verluste einfahren, da die Spekulationsblase der japanischen Aktien platzte und der MSCI World auf Talfahrt ging. Dieses Szenario wittern manche Experten auch diesmal wieder. Sie warnen vor einer Spekulationsblase in den USA.

Auf den ersten Blick kann man diese Befürchtungen durchaus verstehen, denn die US-Werte sind gerade nach dem Corona-Crash sehr stark gestiegen. So konnte selbst das größte Unternehmen der Welt, Apple, seine Marktkapitalisierung gegenüber dem Crash mehr als verdoppeln!

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Doch hat es auch einen wirtschaftlichen Grund, warum die US-Unternehmen eine solch hohe Gewichtung in dem ETF einnehmen. Es liegt schlichtweg daran, dass seit der Finanzkrise 2008/2009 die US-Unternehmen die stärksten Renditen und gleichzeitig die stärksten Gewinne erwirtschaftet haben.

Gerade die Techwerte wie Apple, Amazon, Alphabet oder Tesla haben sich auf attraktive Zukunftsthemen fokussiert und sind sehr stark gewachsen. Die Unternehmen verfügen über ausgereifte Geschäftsmodelle, die ihnen Multi-Milliarden-Umsätze in die Kasse spülen. Mit EBIT-Margen jenseits von 20 Prozent sind diese Konzerne hochprofitabel. 

Zudem muss man beachten, dass man sich mit dem MSCI World nicht an der US-Volkswirtschaft im Ganzen beteiligt sondern nur an den erfolgreichsten und wertvollsten börsennotierten US-Unternehmen. Und diese machen ihre Umsätze eben nicht nur in den USA, sondern weltweit. Insofern ist das Argument hinsichtlich des Länderrisiko nicht so schlüssig, wie es auf den ersten Blick scheint. 

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Der Vorteil von ETFs

Der große Vorteil von ETFs, neben der breiten Streuung, ist das Rebalancing innerhalb des ETFs. Beispielsweise wird der iShares Core MSCI World UCITS ETF (WKN: A0RPWH) vierteljährlich neu gewichtet. Falls es nun wirklich mal zu einer Stagnation der US-Werte kommen sollte, würden auch wieder die Gewichtungen der anderen Länder steigen können. Somit hat man einen eigenen Sicherheitsmechanismus im System. Und falls die Rally der USA weitergehen sollte, profitiert man weiter von der überproportionalen Rendite.

Fazit zum MSCI World

Die Kritik mancher Experten, der MSCI World sei kein breit gestreuter Welt-ETF mehr, stimmt somit zunächst rein von den Fakten, da die USA zwei Drittel des ETFs ausmachen. Ihr Schluss, dass diese Gewichtung von Nachteil für den Anleger sein könnte, kann ich jedoch nicht teilen. Die hohe Gewichtung der USA hat einen Grund, und dies sind vor allem die starken Gewinne und Umsätze der US-Unternehmen.

Somit konnte der Anleger in der Vergangenheit überproportional von den USA profitieren. Und falls die Rallye in den USA mal zu Ende sein sollte, greift das eigene Rebalancing des ETFs ein und strukturiert den ETF neu.

Somit ist der MSCI World weiterhin als Basisinvestment für Einsteiger zu empfehlen. Falls man einzelne Regionen wie Europa oder Asien stärker gewichten möchte, kann man dies selbstverständlich durch entsprechende ETFs eigenständig tun. Hierbei lohnt sich ein Blick auf unsere ETF-Empfehlungslisten.

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