Darum performen ETFs unterschiedlich, die den gleichen Index abbilden!

Es gibt etliche ETFs auf den MSCI World. Doch warum performen diese zum Teil unterschiedlich, obwohl sie den gleichen Index abbilden? Wir beantworten diese Frage.

In letzter Zeit wurde ich häufiger gefragt, woran es denn liegt, dass jeder MSCI-World ETF eine abweichende Performance aufweist? Das ist eine spannende Frage, da die Unterschiede teilweise nicht marginal sind. Was ist also der Grund für den Performance-Unterschied von ETFs, die den gleichen Index abbilden? 

Dazu ein Beispiel. Der Amundi MSCI World UCITS ETF (Acc) (WKN: A2H59Q) und der iShares MSCI World UCITS ETF (WKN: A0HGV0) haben eines gemeinsam: Beide Indexfonds bilden die Wertentwicklung des Welt Index MSCI-World ab.

Dennoch weisen die Fonds unterschiedliche Performance-Werte auf. Hierzu haben wir die Performance-Werte der vergangenen Jahre der beiden ETFs miteinander verglichen. Die Abweichungen betragen rund einen Prozentpunkt pro Jahr. Hier die Übersicht:

PerformanceAmundi-ETFiShares-ETFDifferenz
20206,26 Prozent5,19 Prozent1,07 Prozent
201929,84 Prozent30,88 Prozent1,04 Prozent
2018-4,18 Prozent-5,27 Prozent1,09 Prozent

Diese Faktoren sorgen für Unterschiede

Replikation

Was direkt auffällt, ist die unterschiedliche Indexabbildung. Der iShares-ETF setzt auf physische Replikation, während der Amundi-ETF auf eine synthetische Replikation mittels Swap-Geschäft (Total-Return-Swap) setzt. Das kann den Großteil der Differenz bereits ausmachen.

Zusammensetzung

Zusätzlich spielt der Faktor „Zusammensetzung“ eine wichtige Rolle. Der Amundi-ETF trackt die Entwicklung des gesamten Indizes, während sich der iShares-ETF aus 1.605 Positionen zusammensetzt. Die Anzahl an Investments ist im seltensten Fall dieselbe. Normalerweise investieren ETFs, die einen Index physisch replizieren (d.h. die Wertpapiere kaufen), in einen Großteil des Indizes und lassen nur die Werte raus, die einen insignifikanten Anteil am Index ausmachen. Aber auch das kann zu Performance-Unterschieden führen bei ETFs, die den gleichen Index abbilden.

 ETF-Kosten

Beide ETFs verfügen für meinen Geschmack über eine relativ hohe TER. Das wirkt sich natürlich auch negativ auf die Indexabbildung. Die Tracking-Difference (TD) ist mit 0,24 Prozent um 0,15 Prozent höher als beim Amundi-ETF.

Gewinnverwendung

Zum Abschluss noch ein kleiner, aber feiner Unterschied. Der iShares-ETF schüttet die Gewinne aus, während der Amundi-ETF alles wieder reinvestiert – auch das hat Einflüsse auf die Wertentwicklung, wenn z.B. der Index Dividendenauszahlungen direkt abbildet, der ETF diese aber erst verzögert an seine Anleger auszahlt.

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Weitere Faktoren zum Vergleich bei ETFs, die den gleichen Index abbilden

Es ist schwer vorherzusehen, welcher ETF besser performen wird. Dafür fließen zu viele Faktoren in dessen Entwicklung ein. Nur weil ein ETF in den vergangenen drei Jahren besser abgeschnitten hat, heißt das nicht, dass es die kommenden Jahre so weiter geht.

Dennoch existieren einige Kriterien, die Sie bei Ihrer ETF-Auswahl berücksichtigen können, um zumindest Ihren Anlageerfolg zu optimieren.

Gesamtkostenquote (TER):

Je niedriger die Kosten, desto besser. Eine niedrige TER deutet im Normallfall auf einen günstigen ETF hin. Dass Kosten einen großen Einfluss auf Ihren langfristigen Anlageerfolg haben, sollte Ihnen in jedem Fall bewusst sein. Die Kennzahl reicht jedoch noch nicht, um einen ETF zu bewerten.

Tracking Difference (TD):

Die TER enthält nicht alle relevanten Kosten. Aus dem Grund betrachte ich die Tracking Difference als weitaus wichtigere Kennzahl. Sie zeigt uns die reale Abweichung der ETF-Performance von der Indexentwicklung und berücksichtigt somit alle Kostenbestandteile.  Je niedriger die TD, desto besser.

Beispiel: Ein ETF mit einer TD von 0,1 Prozent und einer TER von 0,5 Prozent ist attraktiver als ein ETF mit einer TD von 0,3 Prozent und einer TER von 0,25 Prozent.

Fondsalter & Fondsvolumen:

Je älter der Fonds, desto besser ist das Produkt am Markt eingeführt. Dies führt dann oft zu einem hohen Fondsvolumen, einer höheren Liquidität und damit zu geringeren Spreads. Zudem haben Anleger bei älteren Fonds (+1 Jahr) genügend Daten zur Verfügung, um ihren ETF mit dem Wettbewerb besser zu vergleichen.

Außerdem spielt das Fondsvolumen eine wichtige Rolle bei der ETF-Auswahl. Experten gehen davon aus, das sich eine ETF erst ab einem Fondsvolumen von mindestens 50 Mio. € rentiert. Bei einem Fondsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro gilt die Wirtschaftlichkeit so gut als gesichert. Je höher das Fondsvolumen, desto geringer das Risiko einer Liquidation des ETFs.

Tipp: Hier geht’s zu den weiteren ETF-Auswahlkriterien.