Dax-40-Reform: Was bedeutet die Aufstockung für meine ETFs?

Im September ist es so weit – der Dax wird von 30 auf 40 Mitglieder ausgeweitet. Der MDax hingegen schrumpft von 60 auf 50 Mitglieder. Welche Folgen das für ETF-Besitzer hat, zeigen wir Ihnen im nachfolgenden Beitrag.

Eines steht fest: Der Dax ist für Anleger nicht wegzudenken. Er gilt bei vielen weiterhin als Spiegelbild der deutschen Wirtschaftsleistung. Leider ist diese Einschätzung des Indizes zu kurz gedacht. Schon lange beschränkt sich der Index nur auf Schwergewichte der Industrie. Innovative Technologieunternehmen finden im Dax kaum ihren Platz. Das zeigt auch ein Vergleich mit dem US-Pendant – dem S&P 500. Dort befinden sich Unternehmen wie Microsoft, Apple und Facebook und bescheren ihren Anlegern starke Renditen.

Eine Umstrukturierung des Index wurde schon lange gefordert, allen voran Theodor Weimer, Geschäftsführer der Deutschen Börse. Neben der neuen Mitglieder sollen sich auch die Qualitätskriterien ändern. Nur noch profitable Unternehmen dürfen in den Dax aufsteigen. Delivery Hero müsste sich demnach verabschieden. Ein weiteres Kriterium ist die rechtzeitige Abgabe von Jahresabschlüssen und Testaten der Prüfungsgesellschaften als logische Konsequenz des Wirecard-Skandals.

Was passiert mit ETFs?

Welche Unternehmen aufsteigen werden, steht noch nicht fest. Die Deutsche Börse plant eine simultane Reduzierung des MDax auf 50 Mitglieder. Nach dieser Methode dürften die zehn größten MDax-Konzerne in den Dax aufsteigen. Darunter fallen Unternehmen wie: Siemens Healthineers, Zalando, Airbus, Hannover Rück, LEG Immobilien, Qiagen oder Puma.

Tipp: Hier finden Sie eine vielfältige Auswahl von Musterportfolios zum Nachbauen. Sehen Sie sich außerdem den ETF-Sparplan-Vergleich an.

ETF-Anleger dürfen entspannt bleiben: Die Umstellung erfolgt automatisch, ohne aktives Zutun. ETF-Anbieter werden Wertpapiere entsprechend der Gewichtungen ankaufen. Der Index wird ab dem Stichtag auf der neuen Basis berechnet. Die neuen Unternehmen werden knapp zehn Prozent des gesamten Dax-Volumens ausmachen.

Sind Kursschwankungen bis zur Umstellung möglich? Das ist möglich. Die großen Anbieter werden die kommenden Monate nutzen, um hier schon vorab Positionen in den Dax-Aufsteigern aufzubauen. Dieser Prozess könnte den MDax kurzfristig (bis zur Umstellung) im Vergleich zum Dax sogar attraktiver machen. Ein Kursfeuerwerk direkt am Umstellungstermin ist eher unwahrscheinlich. Dadurch, dass dem MDax nach der Umstellung seine größten Positionen fehlen, könnte die Volatilität steigern. Kleinere Börsenwerte sind bekanntlich schwankungsreicher. Das muss kein Nachteil sein – Anleger sollten diese jedoch bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.

Dax bleibt keine gute Anlage

Aus Anlegersicht ist die Erweiterung des Dax zunächst einmal eine gute Nachricht. Mehr Unternehmen, das bedeutet mehr Umsatz, Marktkapitalisierung und eine attraktivere Diversifikation durch einen optimierten Branchen-Mix.

Von einer realen Diversifikation kann trotzdem nicht die Rede sein. 40 Unternehmen aus einem Land – das stellt keine wirkliche Konkurrenz zum S&P 500 (500 Werte) oder dem MSCI-World (~1.600 Werte) dar. Patriotismus ist bei der Geldanlage sowieso kein guter Rat, trotz Erweiterung sollten Sie Ihr Geld keinesfalls exklusiv auf den Deutschen Leitindex setzen – als Beimischung zu einem bereits global gestreuten ETF-Portfolio eignet sich ein Dax-ETF hingegen (in einem beschränkten Maße) schon.

Lassen Sie uns noch kurz einen Blick auf einen Rendite-Risiko-Vergleich zwischen einem Dax-ETF und einem MSCI-World-ETF von Xtrackers werfen.

 DaxDaxMSCI-WorldMSCI-World
RenditeVolatilitätRenditeVolatilität
1 Jahr17,90 Prozent21,07 Prozent30,56 Prozent12,75 Prozent
3 Jahre21,89 Prozent20,77 Prozent49,10 Prozent16,92 Prozent
5 Jahre49,58 Prozent17,49 Prozent82,44 Prozent13,88 Prozent
Dax bleibt keine gute Anlage

Der MSCI-World erzielte in den vergangen fünf Jahren konsequent eine höhere Rendite bei einem gleichzeitig niedrigeren Risikolevel. Unserer Berechnungen sprechen eindeutig gegen ein Dax-Investment.

Der Umbau dürfte keine signifikante Veränderungen hervorrufen – dafür ist das Volumen zu gering.

Fazit

Die Umstellung ist kein Nachteil für Anleger. Um Ihre regionale Diversifikation im Portfolio zu optimieren, eignet sich ein Dax-ETF zwar – wir empfehlen hingegen ein Blick auf breitere europäische Indizes wie z.B. den EuroStoxx 600. Dieser enthält die größten deutschen Unternehmen und ergänz diese um andere Unternehmen aus dem europäischen Ausland.

Die Verbesserung der Qualitätskriterien halten wir für einen löblichen Schritt in die richtige Richtung, um für mehr Transparenz und Berechenbarkeit zu sorgen.

Breit streuen lautet bei einem langfristigen Investment unserer Empfehlung – insbesondere dann, wenn es sich um Ihre Altersvorsorge handelt. Mit einem Länder-ETF wird Ihnen das zumindest in Europa nicht gelingen. Besser wäre es, wenn Sie Ihr Vermögen in einen breit diversifizierten, internationalen Indexfonds investieren. Das steigert Ihre Rendite und senkt das Risiko.