Diese 5 Lektionen habe ich 2020 übers Investieren mit ETFs gelernt

2020 war ein historisches Jahr – auch an der Börse. Doch man konnte so viel lernen wie nie zuvor. Diese 5 Lektionen habe ich übers Investieren mit ETFs gelernt.

Das Jahr 2020 war ohne Zweifel eines der aufregendsten Jahre an der Börse. Der 9. März 2020 wird als einer der schlechtesten Börsentage Einzug in die Geschichtsbücher finden. Spannend verlief danach auch die Aufholjagd, die seit dem Covid-19-Tief einsetzte und zur rasantesten Börsenerholung aller Zeiten führte.

Heute notieren die meisten Indizes wieder auf neuen Allzeithochs – trotz schwacher Konjunkturdaten und hoher globaler Risiken. Aus dem turbulenten Auf und Ab konnte ich für meine Geldanlage einige wertvolle Lektionen ziehen.

Emotionen bleiben die große Schwäche von Privatanlegern

Bevor die Covid-19-Krise die europäischen Börsen in ein Tief stürzte, bewegten sich die Indizes ausnahmslos von einem Hoch zum anderen. Kurz nach Einbruch der Krise begann der große Ausverkauf. Anleger versuchten ihre Wertpapiere zu verkaufen, während andere von der Angst profitieren wollten und die Marktkorrektur als Kaufchance nutzen wollten.

Nach dem Absturz setzte eine beeindruckende Aufholjagd ein, die bis heute aktiv zu sein scheint, obwohl sich die globalen Marktrisiken vervielfacht haben. Ex-Post wäre die beste Entscheidung gewesen, einfach investiert zu bleiben und die Krise auszusitzen. Hierfür wäre eine rationale Denkweise hilfreich gewesen, die mal wieder von Emotionen ausgeschaltet wurde. 

Lektionen aus dem Wirecard-Desaster

Aus meinem engen Bekanntenkreis gab es ein paar treue Wirecard-Anleger, die einen großen Teil ihrer Vermögen an das Unternehmen gebunden haben. Selbst nach Bekanntgabe des Bilanzskandals, blieben sie treu und hofften auf einen baldigen Ausgleich der Verluste. Das war ein klassischer Anlegerfehler. Im Verlustbereich sind wir häufig risikofreudiger als in der Gewinnzone.

Der Ausgang dürfte Ihnen klar sein. Das einst so gelobte Wirecard notiert heute deutlich unter der 50 Cent-Marke und sorgte für hohe Verluste. Welche Lektionen können wir daraus lernen? Lassen Sie sich nicht von Versprechen blenden. Verschaffen Sie sich einen Überblick über ein Investment, bevor Sie Ihr Vermögen aufs Spiel setzen.

Setzen Sie bei aktuellen Trends nicht auf einzelne Unternehmen, deren Geschäftsmodell, Zahlenwerk und Management Sie möglicherweise nicht kennen – sondern viel lieber auf einen spezifischen Branchen-ETF, mit dem Sie eine breite Diversifikation und weniger Klumpenrisiken haben.

Tipp: Hier erfahren Sie alles zum Investieren in Branchen-ETFs.

Anleihen sind weiterhin ein wichtiger Baustein für robuste Portfolien

In den vergangenen Jahren sind die Anleihenrenditen stetig gesunken. Als Renditebaustein haben sie somit versagt. Jedoch nehmen sie bei der Geldanlage eine viel wichtigere Position ein. Sie sorgen für mehr Robustheit und Stabilität.

Anleger mit einem erhöhten Anleihen-Anteil in ihren Portfolien hatten im Frühjahr 2020 eine erheblich entspanntere Zeit, da die Volatilität ihrer Geldanlage wesentlich kleiner war als bei Privatanlegern mit hohem Aktienanteil. Außerdem sind bonitätsstarke Staatsanleihen eine ausgezeichnete Quelle für Liquidität, falls Sie kurzfristig Kapital brauchen. Insofern ist dies womöglich eine der wichtigsten Lektionen.

Ein Fehler, den viele Anleger begehen, ist es auf hochriskante Anleihen zu setzen mit schwacher Bonität. Der Fall Argentinien sollte den meisten von uns jedoch eine wertvolle Lektion sein.

Welche Informationen helfen – und welche nicht!

Medien sind einer der größten Profiteure von Krisen, da sie Schlagzeilen nutzen, um Leser zu gewinnen und an sich zu binden. In Bezug auf den Brexit haben große Medienunternehmen Milliarden von Euro in Studien investiert, die die negativen Folgen des Brexits auf Politik, Finanzen und Gesellschaft untersucht haben.

Woran liegt das? Rein psychologisch sind Menschen sehr anfällig für negative Nachrichten, denen wir eine deutlich höhere Eintrittswahrscheinlichkeit zuordnen als positiven Nachrichten. Lassen Sie sich vom medialen Lärm nicht ablenken, schnappen Sie sich seriöse Quellen und bleiben Sie informiert. 

Market-Timing bleibt eine schlechte Strategie

Warten Sie nicht auf den perfekten Einstiegszeitpunkt – dieser war immer gestern. Viel wichtiger als der Zeitpunkt ist die Laufzeit ihrer Geldanlage. Besonders technische Analysten versuchen anhand der historischen Kursverläufe Kaufgelegenheiten zu identifizieren. Im Ergebnis gelingt den wenigsten ein langfristig sinnvolle Performance.

Finanzmärkte entwickeln sich langfristig entlang eines Mittelwertes, das die ökonomische Entwicklung in einer Volkswirtschaft widerspiegelt. Die beste Anlageentscheidung, die Sie in 2021 treffen können, ist es dem Markt passiv zu folgen. Es ist immer einfach auszusteigen, der Wiedereinstieg fällt den meisten Anlegern schwer. Bleiben Sie einfach langfristig investiert und profitieren Sie von einem stabilen statt turbulenten Vermögensaufbau.

Erwartete Rendite eines Buy and Hold-Portfolios

Gerd Kommer hat in seinem Buch "Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs" verschiedene Rendite/Risiko-Szenarien beschrieben.
 Portfolio 1Portfolio 2Portfolio 3Portfolio 4Portfolio 5
% risikofreie Anlage10 %30 %50 %70 %90 %
% Weltportfolio90 %70 %50 %30 %10 %
maximaler Verlust22 %17 %9 %6 %2 %
erwartete Rendite p. a.8,7 % 7,5 %6,1 %4,6 %3,1 %
empf. Mindestanlagedauer10 Jahre8 Jahre6 Jahre3 Jahre2 Jahre
Quelle: Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs