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Dividenden & andere Gewinnbeteiligungen: Dividende gut, alles gut?

Weltweit schütteten die Unternehmen 2018 rund 1,36 Billionen US-Dollar an Dividende aus. Auch 2019 dürfte für Aktionäre ein gutes Jahr werden. Darüber hinaus partizipieren Anleger an Aktienrückkäufen.

„Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, sind steigende Kurse“, so eine Börsenweisheit von Warren Buffett. Der Spruch bringt es auf den Punkt: Mit dem Kauf einer Aktie wird der Investor Miteigentümer eines bestimmten Unternehmens, er ist damit sowohl an den Gewinnen als auch an den Verlusten beteiligt. Ein Kursgewinn ist keinesfalls garantiert. Denn die Aktienkurse steigen nur, wenn die Unternehmenskennzahlen positiv und die betreffende Branche lukrativ ist, also Gewinne erwirtschaftet werden. Verschlechtert sich das Marktumfeld, geht es mit den Kursen nach unten. Bei einer Insolvenz des betreffenden Unternehmens kann das sogar zum Totalverlust führen. Trotz sehr hoher Anforderungen an die Veröffentlichung börsenrelevanter Informationen in den entwickelten Industriestaaten kommt es hierbei gelegentlich auch zu Über- als auch Unterbewertungen.

Dividende: Lohn für Anlegertreue

Die Beteiligung an den Unternehmensgewinnen hingegen erfolgt in der Regel über die Dividende, aber auch über andere Formen der Gewinnausschüttungen. Dabei wird meist nicht der gesamte Gewinn ausgeschüttet. Schließlich benötigt das Unternehmen auch Kapital für Investitionen, mögliche Übernahmen oder weiteren Personalaufbau, um auch künftig im Wettbewerb bestehen zu können. Der Rest wird dann an die Miteigentümer ausgeschüttet. Schließlich sollen die Aktionäre langfristig bei der Stange gehalten werden, die dafür auch bestimmte Kursrisiken in Kauf nehmen. Über die Höhe der Dividende und der Ausschüttungsquote entscheidet endgültig die Mehrheit der Aktionäre bei der Jahreshauptversammlung.

Dividende ist für langfristigen Anlageerfolg wichtig

So unterschiedlich der Unternehmensgewinn, so verschieden auch die Dividendenrendite. Diese errechnet sich aus der Höhe der gezahlten Dividende im Verhältnis zum aktuellen Kurswert der Aktien. Beträgt der Kurswert der Aktie zum Beispiel 50 Euro und es wird ein Euro Dividende pro Aktie ausgeschüttet, so beträgt die Dividendenrendite zwei Prozent. Bei vielen Unternehmenspapieren liegt die Dividendenrendite aber weit darüber. Zu den Stars am Dividendenhimmel bei deutschen Aktien gehören bei aktuellen Kursen entsprechend den vorliegenden Dividenden(-prognosen) die Aktien von Telefonica Deutschland (9,7 Prozent), Freenet (9,1 Prozent) oder auch Daimler (5,1 Prozent). Mit steigenden Kursen sinkt natürlich die Dividendenrendite entsprechend.

Vorteile von Dividendenperlen

Eine langfristige Studie vom Institut Ned Davis Research aus dem Jahr 2018 arbeitete die Vorteile von Dividendenaktien heraus. Untersucht wurden dabei die Aktien aus dem US-Leitindex S&P 500 im Zeitraum zwischen 1972 und 2017. Dabei unterteilte man die Indexmitglieder in Dividenden- und Nichtdividendenzahler. Aktien von Dividendenzahlern brachten dabei einen durchschnittlichen Ertrag von 9,25 Prozent jährlich, die von Nichtdividendenzahlern nur von 2,61 Prozent. Das darf auch nicht ganz verwundern. Seit dem Jahr 1930 liegt danach der Anteil der Dividenden am Gesamtertrag von Aktien auf dem amerikanischen Aktienmarkt bei 42 Prozent. Aktuell ist der Anteil laut einer Dividendenstudie 2019 von Allianz Global Investors allerdings mit 32,2 Prozent etwas niedriger. Am großzügigsten sind danach derzeit vor allem europäische Unternehmen. Hier machen Dividenden derzeit 40,6 Prozent der Gesamtrendite aus.

Auch 2019 schütten Unternehmen weltweit eine üppige Dividende aus. Allein bei europäischen Konzernen aus dem MSCI Europe rechnet Jörg de Vries-Hippen, Fondsmanager des European Equity Dividend (siehe Kurzinterview „Nachgefragt“ und Autor der Allianz-Studie mit einem Geldregen von rund 350 Milliarden Euro für die Aktionäre. Das sind rund 16 Milliarden Euro mehr als noch im Vorjahr. Weltweit rechnen Analysten mit einer Gewinnausschüttung in Höhe von 1,36 Billionen US-Dollar. Diese Erträge können auch mögliche kurzfristige Kursrückgänge abfedern. Gleichzeitig disziplinieren sie auch manchen Anleger, am Aktienmarkt weiter investiert zu bleiben und nicht vorschnell das Papier zu verkaufen.

Ein weiterer Vorteil: Dividendenpapiere schwanken laut der Studie vom Institut Ned Davis Research mit einer Schwankungsbreite von 16,42 Prozent deutlich weniger als Nicht-Zahler (24,46 Prozent). Der Grund für diesen Vorteil ist leicht zu klären. Bei Unternehmen, welche eine üppige Dividende zahlen, handelt es sich meist auch um finanzkräftige Firmen mit kontinuierlichen Gewinnen, denn andere sind langfristig nicht in der Lage, dies zu bewerkstelligen, ohne langfristig die eigene Investitionskraft des Unternehmens zu gefährden.

Nicht allein die Dividendenhöhe zählt

Da allerdings Dividendenkürzungen ein Signal an die Anlegergemeinde sind, dass sich die Marktsituation für das betreffende Unternehmen eingetrübt hat, wird oft auf diesen Schritt verzichtet. Die Dividende belastet somit die Substanz des Unternehmens. Wer langfristig am Aktienmarkt Erfolg haben möchte, sollte deshalb nur auf Unternehmen setzen, die auch nachhaltig eine Rendite zahlen können. Ein Indiz dafür ist die jeweilige Ausschüttungsquote, die Kontinuität der Ausschüttung oder die Dividendendynamik (Momentum). Und ein Blick auf die Unternehmenszahlen kann dabei nicht schaden, denn auch eine langfristige Dividendenperle, auch Dividendenaristokrat genannt, ist vor Kursabstürzen nicht gefeit. Und was nutzt eine satte Dividende, wenn sich der Aktienkurs halbiert?

ETFs auf Dividendenaristokraten

Mit ETFs können Anleger breit gestreut in globale Dividendenpapiere investieren. Beliebtester ETF ist mit einem Fondsvolumen von 1,28 Milliarden Euro der iShares STOXX Global Select Dividend 100 UCITS ETF (WKN: A0F5UH). Investiert wird dabei nur in Aktien aus dem STOXX Global 1800 Index mit hohen, nachhaltigen Dividenden. So darf die Gewinnausschüttung in den vergangenen fünf Jahren nicht gesunken sein. Zudem darf die Ausschüttungsquote bei Aktien aus Europa sowie in Nord- und Lateinamerika nicht 60 Prozent überschreiten, bei asiatischen Titeln besteht eine Obergrenze von 80 Prozent. Der ETF umfasst hundert Titel vorrangig aus den USA, Hongkong und Großbritannien. In den vergangenen zwölf Monaten wurde eine Dividende von 4,12 Prozent ausgeschüttet. Die Gesamtkostenquote (TER) des ETF beträgt 0,46 Prozent. Mit einem Xetra-Liquiditätsmaß (XLM) von rund 16 ist er vergleichsweise liquide, so dass nur geringe Spreads anfallen. Der ETF ist mit 3,5 von 5 Sternen bewertet.

Eine Alternative dazu ist der Xtrackers Stoxx Global Select Dividend 100 Swap UCITS ETF (WKN: DBX1DG) von DWS. Hier beträgt die TER 0,50 Prozent bei einem XLM von gut 24. Aufgrund des geringeren Fondsvolumens ist er allerdings nur mit 2,5 Sternen bewertet. Die ausgeschüttete Dividende der vergangenen zwölf Monate ist aber mit 4,45 Prozent etwas höher als beim iShares-Produkt.

Ebenfalls auf nachhaltige Dividendentitel setzt der SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF (WKN: A1T8GD). Aufgenommen werden nur solche Papiere, welche in den vergangenen zehn Jahren stabile oder steigende Ausschüttungen aufgewiesen haben. Der ETF umfasst aktuell 120 Aktien. Stark darin gewichtet sind die USA, Kanada, Großbritannien und Frankreich. In den vergangenen zwölf Monaten wurde eine Dividende in Höhe von 3,61 Prozent ausgeschüttet. Die TER des ETF beträgt 0,45 Prozent. Mit einem XLM von knapp 19 ist er sehr liquide. Der ETF ist mit drei Sternen bewertet.

Aktienrückkäufe

Neben der Dividende gibt es noch andere Formen, die Treue der Anteilseigner zu belohnen. Ursprünglich in den Vereinigten Staaten ein probates Mittel, setzt sich auch in Europa der Rückkauf eigener Aktien durch. Dies ist in Deutschland erst seit dem Jahr 1998 erlaubt. Prominentestes Beispiel aktuell: Der Industriegase-Hersteller Linde startet Anfang Mai 2019 den größten Aktienrückkauf eines Dax-Unternehmens überhaupt mit bis zu sechs Milliarden US-Dollar. Die zurückgekauften Aktien werden an die Anteilseigner weitergereicht. Damit wird ein Großteil der Erlöse aus dem von der Kartellbehörde erzwungenen Verkauf von Unternehmensteilen im Zuge der Fusion mit dem US-Rivalen Praxair ausgeschüttet. Diese Art von Aktienrückkauf ist aber nur eine Spielart. In vielen Fällen werden die zurückgekauften Aktien eingezogen. Damit verringert sich die Anzahl der im Umlauf befindlichen Anteilsscheine. Da sich der Aktienkurs aus dem Unternehmenswert dividiert durch die Anzahl der Aktien ergibt, erhöht sich automatisch der Kurswert einer jeden Aktie.

In anderen Fällen werden die zurückgekauften Aktien als „Währung“ für die Übernahme von Unternehmen genutzt. In diesem Fall profitieren Anleger indirekt durch mögliche Kurssteigerungen infolge einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit. Auf Konzerne, welche im Rahmen ihres Aktienrückkaufprogramms die Anzahl ihrer ausgegebenen Aktien in den vergangenen zwölf Monate netto um fünf Prozent oder mehr gesenkt haben, setzt der Invesco Global Buyback Achievers UCITS ETF (WKN: A114UD). Der Anleger profitiert hierbei also weniger von den Gewinnausschüttungen – diese betragen auf Jahresfrist gerade einmal 1,86 Prozent –, sondern von den Kursgewinnen infolge der Aktienreduzierung. Der ETF umfasst 209 Aktien. Seit Jahresbeginn erzielte er eine Rendite von gut 24 Prozent. Die TER beträgt 0,39 Prozent. Mit einem XLM von knapp 43 ist der ETF nicht ganz so liquide wie die anderen ETFs. Er ist mit 2 Sternen bewertet.

Aktionärsrendite (Shareholder Yield)

Auf die Erzielung einer möglichst hohen Aktionärsrendite setzt der UBS Factor MSCI EMU Total Shareholder Yield (WKN: A14XHE). Die Aktionärsrendite bezieht nicht nur die Dividenden und die Aktienrückkäufe mit ein, sondern auch einen möglichen Schuldenabbau, der ebenfalls den Aktionären zugutekommt. Mit diesem ETF können Anleger allerdings nur an der Wertentwicklung von 71 Titeln aus dem Euroraum partizipieren. Stark darin vertreten sind Aktien aus Frankreich, Deutschland, Spanien, Finnland und Italien. Die Ausschüttungsrendite der vergangenen zwölf Monate beträgt 3,93 Prozent. Die TER liegt bei 0,28 Prozent. Allerdings sind im ETF bisher nur gut sechs Millionen Euro investiert, so dass die Gefahr einer Liquidation des ETF besteht. Der Indexfonds ist mit zwei Sternen bewertet.

Auch wenn Dividenden kein neuer Zins sind – Aktien unterliegen einem deutlich höheren Kursrisiko als Anleihen oder das Sparbuch –, so bieten alle erwähnten ausschüttenden ETFs im aktuellen Niedrigzinsumfeld vergleichsweise attraktive regelmäßige Erträge.

Fazit

Gut 40 Prozent der Rendite bei Aktien wird langfristig durch die Dividende erwirtschaftet. Wichtig ist nicht nur die Dividendenhöhe, sondern auch die Nachhaltigkeit der Gewinnausschüttungen. Auch Aktienrückkäufe oder der Schuldenabbau dienen der Renditeverbesserung. Mit ETFs können Anleger daran partizipieren.

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