Die Unternehmenskassen sind prall gefüllt. Immer mehr Konzerne gehen daher auf Einkaufstour. Mit Finanzprodukten kann man an diesen M&A-Aktivitäten partizipieren.

Immer wieder sorgten zuletzt auch in Deutschland Fusionen und Übernahmen für einiges Aufsehen. So kaufte die kanadische Hudson Bay-Company für gut 2,8 Mrd. EUR die 119 Kaufhof-Warenhäuser. Die Parfümeriekette Douglas ging Anfang Juni an CVC Capital Partner, eines der größten Private-Equity-Unternehmen der Welt. Kraus-Maffei-Wegmann und das französische Unternehmen Nexter wollen einen europäischen Rüstungskonzern schmieden. Und der Düngemittelhersteller K+S, der die Offerte des kanadischen Potash-Konzerns abwies, wappnet sich gegen eine feindliche Übernahme. Es wäre der erste Angriff auf ein DAX-Unternehmen seit der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone im Jahr 2000.

4-Billionen USD-Grenze erreichbar

Weltweit gesehen spielt jedoch bisher der deutsche Markt im Übernahmepoker eine eher untergeordnete Rolle. Im ersten Halbjahr wurden laut Zahlen des Marktorschers Dealogic 2,3 Billionen US-Dollar (2,1 Billionen Euro) für Fusionen und Übernahmen aufgewendet. Die Deutsche Bank rechnet inzwischen damit, dass zum Jahresende der Rekordwert von 4 Bilionen US-Dollar aus dem Jahr 2007 übertroffen werden könnte. Ganz vorn dabei sind Unternehmen aus den USA und Asien. So kaufte Lockheed für neun Mrd. USD den Hubschrauber-Hersteller Sikorsky. Der US-Mobilfunkkonzern Verizon übernahm AOL, Hutchision Whampoa aus Hongkong kaufte die britische Telefonica, Pfizer erwarb Hospira und der US-Versicherer Anthem griff nach dem Wettbewerber Cigna. Der Lebensmittelgigant Heinz übernahm seinen Konkurrenten Kraft und der Saatguthersteller Monsanto plant die Übernahme des Schweizer Konkurrenten Syngenta. Von der Fusions- und Übernahmewelle sind alle Branchen betroffen, bevorzugt jedoch die Sektoren Pharma & Chemie, Versicherungen, Telekommunikation, Gesundheit, Technologie und Energie.

Chinas Bedeutung wächst

Eine wachsende Bedeutung in Europa erlangen dabei chinesische Übernahmen. Bereits jetzt gehört das Reich der Mitte zu den drei größten Auslandsinvestoren weltweit. Allein im vergangenen Jahr investierte China in Europa rund 14 Mrd. EUR.

Prall gefüllte Geldbörsen

Der Grund für diese Übernahmewelle ist einfach zu erklären. Vor allem Unternehmen aus den USA und Asien verfügen über riesige Barreserven, die sie nun nutzen, um weiter zu expandieren. Durch den wieder stärkeren US-Dollar gegenüber dem Euro werden Weltkonzerne oder Private-Equity-Unternehmen dazu ermutigt, in Europa auf Einkaufstour zu gehen. Denn diese Unternehmen sind nun billiger für Investoren zu haben.

Synergien nutzen

Übernahmen und Fusionen werden in der Finanzsprache auch als „Merger & Acquisations“ (M&A) bezeichnet. Die Ziele solcher betriebswirtschaftlichen Maßnahmen können sehr unterschiedlich sein. Manches Unternehmen möchte damit seine Kernkompetenzen weiter stärken, andere wollen ihre Produktpalette erweitern oder sich regional ausdehnen, mancher kauft sich zusätzliches Know-how ein. Laufen beispielsweise in der Pharmabranche wichtige Patente aus, kauft man sich in erfolgversprechende Patente der Mitbewerber ein, um die eigene Existenz zu sichern. Mancher Konzern entledigt sich aber auch dadurch unliebsamer Konkurrenz und bereinigt so den Markt. Voraussetzung für eine gelungene M&A-Tätigkeit ist aber ähnlich wie in der Ehe, dass die beiden Partner auch wirklich zusammen passen. Schaffen sie es, ihre Stärken erfolgreich zu bündeln, ergibt sich für den Anleger laut einer Studie der Strategieberatungsfirma Booz & Company ein Renditevorteil von bis zu 12 Prozentpunkten.

Als Anleger am Erfolg teilhaben

Der Akrobat Fund-Europa (WKN: 765377) umfasst kleine und mittlere Unternehmen, die als Übernahmekandidaten zählen oder bei denen ein Squeeze Out, also die Abfindung kleinerer Aktionärsgruppen mit dem Ziel der Übernahme, bevorsteht. Der Fonds ist mit drei FWW-Sternen bewertet. So erwirtschaftete er seit Jahresbeginn ein Plus von 10,30 Prozent (Stand: 23.7.2015), auf Sicht von fünf Jahren sogar ein Plus in Höhe von knapp 85 Prozent.

Branchen- oder Private Equity-ETFs

Reine M&A-Strategie-ETFs sind derzeitig noch nicht im Angebot. Allerdings gibt es ein breites Angebot an Branchen-ETFs, mit denen man speziell auf die von M&A-Aktivitäten besonderes betroffenen Branchen wie zum Beispiel die Pharmabranche setzen kann. Erst neu auf dem Markt ist der SPDR S&P US Health Care Select Sector ETF (WKN: A14QB2). Wer weltweit in die globale Pharma- und Gesundheitsbranche investieren möchten, kann dies mit dem MSCI World Health Care (WKN: LYX0GM) von Lyxor tun.

Auch Private-Equity-Unternehmen profitieren von diesen M&A-Aktivitäten. Fondsvolumenstärkster ETF ist hierbei der iShares Listed Private Equity UCITS ETF (WKN: A0MSAF), mit dem Anleger an den 30 global größten Unternehmen der Branche partizipieren. Seit Jahresbeginn erwirtschaftete der ETF immerhin ein Plus von knapp 21 Prozent, auf 5-Jahressicht verbuchte er ein Kursplus von 125,6 Prozent.

M&A-Zertifikate

Für Anleger, die mit dem Bonitätsrisiko von Zertifikaten sinnvoll umgehen können, bieten sich auch spezielle M&A-Zertifikate an. Eines davon ist das statische Open-End-M&A-Zertifikat der Deutschen Bank auf den DB Corporate Event II-Index (WKN: DB1XVV). Er umfasst 25 potentielle Übernahmekandidaten. Bei eingetretenem Ereignis erfolgt ein Austausch. Seit Jahresbeginn ist das Produkt mit gut 15 Prozent im Plus. Ständig entsprechend der aktuellen UBS-Watchlist angepasst wird das UBS M&A Europe Investable-Zertifikat (WKN: UB8MAE)., das derzeit 15 Titel umfasst. Stark darin gewichtet sind Croda International (19,9 Prozent), Smith & Nephew (19,6 Prozent), Telecity Group (18,9 Prozent) und Johnson Matthey (17,2 Prozent). Seit Jahresbeginn beträgt die Rendite 24,3 Prozent. Einmal angepasst wird das M&A-Zertifikat der Société Générale (WKN: SG63FU), das auf europäische Titel setzt. In ihm sind 50 Werte gleichgewichtet vertreten, die auch transparent auf der Webseite einsehbar sind. Seit Jahresbeginn erwirtschaftete das Zertifikat ein Plus von 19,2 Prozent, seit Emission Ende 2005 hat sich der Wert mehr als verdoppelt.

Fazit: 

Übernahmen und Fusionen steigern in der Regel die Rendite. Gerade derzeit nehmen M&A-Aktivitäten stark zu. Mit den ausgewählten Produkten können Anleger an diesem Trend partizipieren.

Dieser Beitrag stammt aus dem PortfolioJournalHier kostenfrei anmelden.