Von Antje Erhard2. August 2022
Geldanlage: Kennst du dein persönliches Risikoprofil?

Geldanlage: Kennst du dein persönliches Risikoprofil?

Zu viel Risiko – das ist einer der Top-3-Gründe, warum viele von uns nicht an der Börse investieren. Dabei kann man mit einem bisschen Wissen und einer realistischen, objektiven Einschätzung vernünftig investieren und trotzdem ruhig schlafen. Doch kennst du dein Risikoprofil?

Keine Rendite ohne Risiko – das ist ein alter Kalauer an der Börse. Aber leider auch wahr. Und nicht nur an der Börse gültig. Wichtig ist, Chancen und Risiken an der Börse und bei anderen Investments realistisch einschätzen zu können. Wer hohe Renditen will, muss mehr Risiko wagen (können) als diejenigen, die mehr Sicherheit haben wollen und dafür auf Rendite (zum Teil) verzichten können.

Also, gehen wir rational an das Thema Risiko heran. Sicherheit bzw. Risiko und Rendite stehen einander gegenüber. Es gilt, den richtigen Mix zwischen diesen beiden Polen zu finden. Sprich: das Geld aufzuteilen auf risikoreichere und sicherheitsorientierte Anlagen.

Risiko – was bedeutet das für die Börse?

An der Börse besteht zum Beispiel das Risiko von Kursverlusten. Gerade in den letzten Monaten haben wir gesehen, wie real dieses Risiko ist. Und wie schnell Kurse fallen können. Abwärts geht es immer schneller. Auch ein Kalauer. Auch wahr. Aber ebenfalls wahr: Langfristig sind Börsen-Investments immer positiv: Es gibt Studien für den US-Markt und auch für den DAX, die zeigen, dass nach 15 Jahren Geldanlage die Rendite immer positiv war, egal wie heftig es zwischendrin gekracht hat. So weit ein kleiner Mutmacher.

Schauen wir nun, wie du sehr sicherheitsorientiert mit niedrigem Risiko, ausgewogen mit einer Mischung aus Sicherheit und Rendite und eher risikoorientiert mit der Rendite im Fokus anlegst, also je nach persönlichem Risikoprofil.

Kenne dein Risikoprofil

Wenn du sehr sicherheitsorientiert bist, dann ist es sinnvoll, auch Geld konservativ anzulegen. Tagesgeld-Konten können hier ein Bestandteil sein. Auch Festgeld. Hälftig aufgeteilt ist hier vor allem der Sicherheit Genüge getan.

Mit etwas mehr Risiko-Freude kann ein kleines Börsen-Engagement mit ETFs her als Ergänzung zum Tages- oder Festgeld. Das ist ein einfaches Portfolio aus diesen Komponenten in der Aufteilung von je 40 Prozent Tages- und Festgeld und womöglich 20 Prozent in ETFs. Tagesgeld wirft auch in Zeiten steigender Zinsen nicht viel ab, aber es ist dein Sicherheitspuffer. Die ETFs sind Börsen-Investments, aber mit breiter Streuung für die Risiko-Verteilung, die aber auch Rendite ermöglicht. Und so soll man ja an der Börse investieren.

Die Risiko-Neigung kann sich verändern – die Lebensumstände tun es auch

Je größer deine Risiko-Neigung ist, sich im Laufe der Zeit auch mit mehr Wissen und Erfahrung verändert, desto größer kann der Anteil risikoreicherer Anlagen im Portfolio sein. Bei mittlerer, ausgewogener Risiko-Bereitschaft mit einem Mix aus Sicherheit und Rendite kann der Aktienanteil 50 Prozent betragen, bei hoher Risikobereitschaft und hohem Rendite-Anspruch bis zu 80 Prozent.

Aber auch innerhalb der Möglichkeiten an der Börse kann, ja musst du diversifizieren. So lässt sich die Börsen-Anlage nochmals aufteilen in Aktien – und Anleihen-Investments.

Ein risiko-orientierteres Portfolio ist hier innerhalb des Börsen-Anteils klassisch 60 zu 40 aufgeteilt: 60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen.

Tipp: Mit unserem Risikorechner kannst du anhand von zehn Fragen die optimale Aktienquote für dein Portfolio ermitteln.

72er Regel: Was kommt bei den Investments rum und wann?

Um abzusehen, was dabei herumkommen kann, hilft da eine einfache Regel: die 72er Regel. Praktisch angewandt kannst du mit ihrer Hilfe sehen, in welchem Zeitraum sich ein Investment bei welchem Zinssatz verdoppelt hat. Und kannst entscheiden, ob das für dich sinnvoll ist:

Wenn du auf deinem Sparkonto ein Prozent Zinsen bekommen würdest, hätte sich dein Geld nach 72 Jahren verdoppelt. Das berechnest du, in dem du die Zahl 72 durch die Rendite deines Investments dividierst. Also 72 durch ein Prozent. Bei fünf Prozent verdoppelt sich dein Investment nach 14,4 Jahren.

Erst die Strategie, dann die Rendite

Doch vor dem Investment steht der Plan bzw. die Strategie. Dazu beantwortest du dir folgende Fragen: Wofür willst du dein Geld anlegen? Und wie lange? Wie viel Rendite soll es bringen (bitte realistisch bleiben) und wie viel Risiko kannst du dafür ab (auch hier nicht übertreiben). Auch den Faktor Zeit solltest du nicht unterschätzen: Brauchst du dein Geld in vier bis fünf Jahren, ist die Börse nicht das ideale Pflaster, es könnte sein, dass du mitten in einer Krise verkaufen müsstest. Also, ausgewogen und mit Bedacht planen!

Nochmal: Verteile dein Kapital auf verschiedene Anlage-Möglichkeiten. Damit verteilst du auch deine Risiken. Du kannst innerhalb deiner Börsen-Investments Risiken streuen, du kannst aber auch neben der Geldanlage an der Börse anderweitig investieren, sei es in Immobilien. Auch das ist ein sehr langfristiges Investment, das Wissen voraussetzt. Es ist aber vielfältig umsetzbar: mit direkten Investments in Immobilien, mit Immobilien-Fonds oder –ETFs und Immobilien-Aktien sowie in verschiedene Immobilien-Arten von Eigentumswohnung bis Pflege-Immobilien.

Die gute Nachricht: Wenn du sehr jung in den Aktienmarkt einsteigst, kannst du erstens viel länger investieren und brauchst zweitens viel weniger Kapital: Steter, auch kleiner Tropfen höhlt den Stein, sprich: Auch aus kleinen Beträgen wird langfristig viel. Dazu sind nicht einmal Investments in Einzelaktien nötig: Eine breit gestreute Strategie mit ETFs oder Fonds ist ein guter Anfang.

Tipp: Sparen mit bis zu 480 Euro Extra-Geld vom Chef? Hier findest du alle Infos zum VL-Sparen mit ETFs!

Wissen schadet nichts

Je mehr du über die Geldanlage und dein Risikoprofil weißt, umso besser kannst du Chancen und Risiken einschätzen. Du musst kein Börsenexperte sein, um an  der Börse zu investieren, doch ein solides Grundwissen bewahrt dich vor falschen Entscheidungen.

Deine persönliche Situation wird sich im Laufe der  Zeit immer wieder ändern: Familienstand, Jobsituation, Gesundheit – viele Faktoren bestimmen im Laufe der Zeit dein Einkommen. Da ist es wichtig, möglichst früh möglichst gut vorzusorgen. Auch und gerade mit einer soliden Geldanlage ohne zu viel Risiko.

Mit dem passenden Risikoprofil, das dich nicht bei jeder Krise aus der Bahn wird, schaffst du es, langfristig zu investieren und vor allem trotzdem ruhig zu schlafen. Was ich dir dringend rate: Vor dem Investieren brauchst du einen Strategie und einen Notgroschen. Das ist eine solide Basis. Und sei ehrlich in deinen Erwartungen.