Online-Broker Flatex übernimmt Degiro

Der Online-Broker Flatex (► Zum Testbericht) hat einen Kaufvertrag zum Erwerb der Anteile an der Degiro B.V. unterzeichnet. Damit entsteht einer der größten europäischen Direktbanken mit Fokus auf den Wertpapierhandel.

Aktualisierung: Flatex steigt mit der Übernahme von Degiro B.V. zum führenden pan-europäischen Online-Broker mit Präsenz in über 15 europäischen Ländern, über einer Million Kunden und mehr als 35 Millionen Transaktionen im Jahr 2020 auf. Die konsequente Fortsetzung der internationalen Expansionsstrategie der Flatex AG als Ergebnis der im Sommer 2019 angestoßenen Prüfung strategischer Optionen durch die US-Investmentbank Lazard sei der vorläufige Höhepunkt der Wachstumsstory. Die Evaluierung verschiedener strategischer Optionen, die neue Partnerschaften, Zukäufe, die Gewinnung neuer strategischer Investoren bis hin zu einem Teil- bzw. Komplettverkauf des Unternehmens einschloss, ist damit beendet.

„Während des Prozesses und aufgrund der jüngsten Entwicklungen in unserer Industrie, siehe die Konsolidierungen in den USA, ist uns nochmals bewusst geworden, dass Größe, Skalierung, Kundenorientierung und Internationalität wesentliche Erfolgsfaktoren sind. Wir wollen diese Entwicklungen aufgrund unserer Finanzkraft und Plattform aktiv begleiten und weiterhin im Driver Seatsitzen. Für unsere Stakeholder erachten wir das anorganische Wachstum für sehr wertstiftend. Flatex/Degiro wird sich als größter und führender unabhängiger pan-europäischer Broker etablieren“, sagt Frank Niehage, Geschäftsführer der Flatex AG.

Behördenzustimmung steht noch aus

Im ersten Schritt erwirbt Flatex direkt mit Vertragsunterzeichnung 9,4 Prozent. Der Erwerb der restlichen 90,6 Prozent steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung derzuständigen aufsichtsrechtlichen Behörden. Das Closing der Gesamttransaktion wird bis Anfang des zweiten Quartals 2020 erwartet. Die Transaktion wird vom Degiro Management vollumfänglich unterstützt.

Zur Finanzierung des Kaufpreises für 100 Prozent der Anteile an Degiro führt die Flatex AG eine Sachkapitalerhöhung bei Closing durch. In diesem Rahmen werden bis zu 7,5 Millionen neue Flatex-Aktien geschaffen und an die jetzigen Degiro-Gesellschafter unter Ausschluss des Bezugsrechts der bestehenden Aktionäre begeben. Zusätzlich zahlt Flatex bis zu 60 Millionen Euro in bar.

Einer der führenden Broker

Flatex ist mit mehr als 300.000 Kunden und mehr als zwölf Millionen abgewickelten Wertpapiertransaktionen einer der führenden Online Broker in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). Degiro hat sich mit rund 500.000 Kunden und über 18 Millionen Transaktionen als führender internationaler Spieler in West- und Südeuropa etabliert. Unter Berücksichtigung der aktuellen Marktgegebenheiten und den erwarteten Synergien, erachten beide Unternehmen die Transaktion als richtungsweisend. Dabei stehen dem Vernehmen nach folgende Punkte im Vordergrund:

  • Starker kultureller Fit mit fokussierter Strategie auf selbstentscheidende, nachhaltige und trading-affine Kunden sowie hoher Qualität in den Bereichen Produktangebot und Kundenservice
  • Hochkomplementäres geographisches, technologisches und regulatorisches Set-Up erlauben schnelle Hebung signifikanter technischer Synergien
  • Diversifikation und Internationalisierung des Mitarbeiterstamms mit zukünftig erweiterten Entwicklungsmöglichkeiten für mehr als 800 Mitarbeiter

„Aufgrund der hoch-komplementären Strukturen in den Bereichen IT, Orderflow und Backoffice,sowie der Synergien durch Nutzung der Flatex Vollbanklizenz ergeben sich EBITDA-Steigerungspotenziale in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro pro Jahr. Wir werden noch erfolgreicher wachsen und skalieren, sodass wir mittelfristig einen Umsatz von 300 Millionen Euro, ein EBITDA von rund 150 Millionen Euro und einen Gewinn von drei Euro pro Aktie erwarten. Nach Genehmigung der Transaktion werden in der Flatex Gruppe beide Firmen und Marken Degiro sowie Flatex fortgeführt. Klares Ziel ist es, mit unseren 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den rund eine Million Kunden in Europa „Best of both Worlds“ anzubieten“, sagt Muhamad Chahrour, Finanzvorstand bei der Flatex AG.

Degiro ein niederländischer Broker

Degiro agiert heute als holländische Wertpapierhandelsbank und kann bestimmte Finanzdienstleistungen, anders als Flatex, die über eine deutsche Vollbanklizenz verfügt, unmittelbar selber nicht anbieten. Mit der deutschen Banklizenz und dem europäischen Passport wird die Flatex Bank zukünftig das regulatorische Backbone sowohl für Flatex als auch Degiro bilden.

„Dieser Schritt ist der Beginn eines neuen und spannenden Kapitels in der bemerkenswerten Erfolgsgeschichte von Degiro. Beide Unternehmen ergänzen sich perfekt, es ergeben sich viele Synergiepotentiale. Flatex bringt die wichtige Erfahrung aus dem regulierten Wertpapierhandel mit und operiert unter einer deutschen Bankenlizenz, während Degiro eines der effizientesten Handelssysteme auf dem Markt besitzt und betreibt“,sagt Esmond Berkhout, Geschäftsführer von Degiro. „Obwohl Flatex eine längere Geschichte hat, legen beide Unternehmen immer noch eine Challenger-Mentalität an den Tag, die von Innovation und Unternehmergeist geprägt ist.“

Die Transaktion begleitete auf Seiten von Flatex Lazard als Sole Financial Advisor sowie PwC Legal als Rechtsberater. Auf Seiten der Degiro Gesellschafter begleitete ING (► Zum Testbericht) als Sole Financial Advisor, PwC als Transaktionsberater sowie Loyens & Loeff als Rechtsberater den Prozess. Flatex und die Degiro Gesellschafter bedanken sich recht herzlich für die Unterstützung.

Online-Broker unter Zugzwang

Diese Entwicklung zeigt eindrucksvoll, welche Bewegung gerade im Bereich der Online-Broker stattfindet. No-Fee-Broker wie Trade Republic, Gratisbroker oder Justtrade bringen mit ihren eingeschränkten Produktangeboten die Margen der etablierten Broker deutlich unter Druck. Eine mögliche Strategie darauf ist die Übernahme von Wettbewerbern, um weitere Skaleneffekte nutzen zu können.

Erst kürzlich haben wir die Angebote der führenden Direktbanken in Deutschland untersucht. Einen ausführlichen Testbericht finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Extra-Magazins.