Bitcoin, Gamestop und Co: Generation Z = Zocker?

In den letzten Wochen erschütterten die Turbulenzen um die Aktien von Gamestop das globale Finanzsystem. Die Generation Z sollte sich nicht abschrecken lassen.

Ein riesiger Schwarm aus Kleinanlegern wettete gegen die etablierten Hedgefonds. Es waren mehrheitlich Angehörige der Generation Z, die ihr Vorgehen in Onlineforen abgestimmt hatten und plötzlich die Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Bis dahin galt diese Generation für Soziologen als nicht sehr risikofreudig. Ganz im Gegenteil, Angehörige der Generation Z haben Angst vor der Zukunft, scheuen bei der Geldanlage jedes Risiko und sparen trotzdem überproportional viel. Offensichtlich hat sich diese Einstellung zum Risiko geändert. Dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, wenn man die Forenbeiträge in den populären Foren wie r/wallstreetbets durchstöbert.

Dort wird über mögliche Bewegungen am Aktienmarkt diskutiert. Die Nutzerzahlen allein dieses Forums sind auf mittlerweile fast acht Millionen gestiegen. Vornehmlich sind es Angehörige der Generation Z, die sich dort austauschen. Wenn man sich als Angehöriger einer anderen Generation wirklich alt fühlen will, dann sollte man einen Blick riskieren. Denn auch wenn man glaubt, die Fachbegriffe des Aktienhandels zu kennen, wird man dort schnell eines Besseren belehrt. Kommuniziert wird in einer scheinbar eigenen Sprache aus Emojis, Wortneuschöpfungen und Abkürzungen. Es gibt sogar ein Wörterbuch für die Begriffe, die in r/wallstreetbets eine Rolle spielen.

Tipp der Redaktion: Zocken Sie nicht an der Börse und setzen Sie lieber auf ETFs. Achten Sie immer auf eine breite Streuung. Orientieren Sie sich grundsätzlich an unseren Musterportfolios.

Verstärkt wird diese Entwicklung zum Trading mit Aktien durch den zunehmenden Erfolg der Neobroker. Diese Apps holen ihre Kunden dort ab, wo sie sich bewegen – auf ihrem Smartphone. Mit einem Wisch Aktien handeln, so geht Trading für diese Generation. Man kann so schnell eine Order platzieren wie eine Whatsapp-Nachricht schreiben.

Das neue Interesse der Generation Z am Aktienhandel hat sicher dazu beigetragen, dass Privatanleger in den letzten Monaten so viele Aktien wie noch nie gekauft haben. Vermutlich ist hier der Erfolg von Kryptowährungen wie Bitcoin begründet. Viele nutzen Bitcoin inzwischen als Krisenwährung und Inflationsschutz, genau wie die ältere Generation zum Gold gegriffen hat.

Gamestop ist wohl gelaufen

Der Hype um die Gamestop-Aktie scheint dagegen zu Ende. Der Kursverlust vom Hoch liegt mittlerweile bei fast 90 Prozent. Einige Investoren sitzen auf hohen Verlusten. So schreibt ein Nutzer, dass sich die Position in seinem Portfolio inzwischen auf ein Minus von 400.000 US-Dollar beläuft. Ein weiterer beklagt einem momentanen Buchverlust von 900.000 US-Dollar. Das sind extreme Fälle und der Wahrheitsgehalt ist nicht gesichert. Aber der eine oder andere Zocker, der das schnelle Geld machen wollte, hat Lehrgeld bezahlt. Hier greift die alte Börsenregel „Tief fällt manchmal, was hoch steigt“.

Es bleibt zu hoffen, dass sich nicht zu viele Anleger der Generation Z von dieser negativen Erfahrung abschrecken lassen. Für eine sinnvolle Alterssicherung kommt diese Generation an Aktien nicht vorbei. Zumindest kennen die meisten jetzt den Unterschied zwischen Spekulieren und Investieren. Gier ist am Aktienmarkt ein schlechter Ratgeber. Es bleibt zu hoffen, dass Generation Z nicht für Generation Zocker steht.

Über den Autor: Markus Richert

Markus Richert ist Finanzplaner bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.