Zertifikate – Fluch oder Segen?

Zertifikate – Fluch oder Segen?

Seit der Lehman-Pleite meiden Privatanleger Zertifikate. Zu Unrecht sind sie verschrien als Zockerpapiere ohne Wert. Doch mit Zertifikaten lassen sich Risiken minimieren, sodass gerade vorsichtige Anleger von den Möglichkeiten profitieren können, meint Guido vom Schemm, Geschäftsführer der Merito Asset Management.

Ausgestaltung von Zertifikaten

Guido vom Schemm
Guido vom Schemm

Zertifikate, auch strukturierte Produkte genannt, sind Schuldverschreibungen, meist von Banken, deren Rückzahlungen sich an einem bestimmten Basiswert orientieren. Die Ausgestaltung ist äußerst variabel. Die Basiswerte können Aktien, Indizes, Zinsen, Währungen, Rohstoffe oder sogar Schulden sein. Die Risikoprofile sind ebenso unterschiedlich und können die Bedürfnisse von Spekulanten genauso bedienen wie die konservativer Anleger.

Gerade die Komplexität einzelner Produkte macht vielen Privatanlegern zu schaffen und führt zu Fehlentscheidungen. Deshalb sollte man nur standardisierte Produkte, beispielsweise Discountzertifikate nutzen, bei denen die nötige Transparenz gegeben ist. Die im Privatkundengeschäft der Banken angebotenen Zertifikate weisen in der Regel komplizierte Rückzahlungsbedingungen und extrem lange Laufzeiten auf, die einen Marktvergleich nicht zulassen. Daher können Anleger kaum einschätzen, ob der Emissionspreis angemessen ist. Nicht selten zahlen sie bei Zeichnung mehr als acht Prozent Gebühren. Der Erwerb über die Börse ist daher immer die bessere Wahl. Hier ist neben der Transaktionsgebühr auf den Spread zu achten, also auf die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs.

Auf die Bonität achten

Ein wesentlicher Faktor beim Erwerb von Zertifikaten ist die Bonität des Emittenten. Wird der Emittent zahlungsunfähig, spielt die Entwicklung des Basiswertes keine Rolle mehr. Diese bittere Erfahrung mussten zahlreiche Anleger mit der Insolvenz von Lehman Brothers machen. Umso wichtiger ist es, eine überschaubare Laufzeit zu wählen. Denn auch wenn die Existenz der europäischen Banken vorerst politisch gesichert scheint, können sich Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten jederzeit schnell ändern.

Trotz aller negativen Schlagzeilen können Zertifikate aber gerade für vorsichtige Anleger eine interessante Alternative zu Aktien sein. Mit Discountzertifikaten beispielsweise erwerben Anleger die Aktie mit einem Abschlag und federn damit mögliche Kursverluste ab. Auf diese Weise können auch in leicht fallenden oder seitwärts laufenden Märkten positive Erträge erzielt und die Schwankungsbreite gegenüber Aktien deutlich reduziert werden. Zudem ist es möglich, durch den gezielten Einsatz von Discountern Marktschwankungen zugunsten des Anlegers zu nutzen und mit der Volatilität eine zusätzliche Assetklasse ins Depot aufzunehmen. Je stärker der Wellengang an den Börsen, desto sinnvoller kann es sein, auf Discountzertifikate zu setzen. In stürmischen Zeiten bieten diese Papiere den größtmöglichen Schutz.

Regeln für die Anlage

Damit sich bei der Anlage in Zertifikaten keine bösen Überraschungen ergeben und die Investition ein Erfolg wird, sollten Anleger folgende Regeln beherzigen:

1. Kostentransparenz – Vermeiden Sie die Zeichnung von Neuemissionen, der Erwerb über die Börse ist günstiger.

2. Vergleichbarkeit – Nutzen Sie standardisierte Produkte, deren Ausstattungsmerkmale einfach und nachvollziehbar sind. Durch den Vergleich mit anderen Emittenten stellen sie einen angemessenen Marktpreis sicher.

3. Emittentenqualität – Wählen Sie den Emittenten sorgfältig aus. Neben dem Ausfallrisiko sollten Sie auch die Qualität der Preisstellung überprüfen.

4. Flexibilität – Wählen Sie die Laufzeiten unter Beachtung von Prognoserisiken. Unsere Empfehlung: maximale Laufzeit ein Jahr.

5. Machen Sie es bei der Kapitalanlage doch wie beim Einkauf beim Markendiscounter – bei Rabattaktionen auf qualitativ hochwertige Angebote beherzt zugreifen.