Was ist ein ETC?

Definition

Exchange Traded Commodities (ETC) sind offen strukturierte, börsengehandelte Wertpapiere. Sie verfolgen an Warenbörsen gehandelte Waren, sogenannte Commodities, und erlauben den Anlegern den Handel mit eben diesen Commodities – z.B. mit Edelmetallen, Agrargütern und vielen anderen Rohstoffen.

Investoren bekommen somit schnellen und transparenten Zugriff auf eine breite Palette von Rohstoffen, ohne dass ein Handel mit Futures (Termingeschäften) oder die physische Abnahme einer Lieferung erforderlich ist. Anleger können ihre Kauf- und Verkaufaufträge über ihre Bank oder ihren Broker platzieren.

Exchange Traded Commodities (ETCs) bilden also die Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Rohstoffindex nach. Genauso wie einzelne Aktien oder ETFs werden ETCs während den Öffnungszeiten der jeweiligen Börse dauernd gehandelt.

Welche Vorteile versprechen sich Anleger von ETCs?

Somit versprechen sich ETC-Anleger im Grunde ähnliche Vorteile wie beim Handel börsengehandelter Indexfonds, also ETFs. Denn auch ETCs sind bei der Preisbildung günstiger als herkömmliche Aktien oder Fonds, sehr transparent und offen strukturiert. Zudem ist die Laufzeit von ETCs unbegrenzt, sie werden durchgehend an der Börse gehandelt und weisen ein hohes Maß an Liquidität auf. Nur in einem Punkt unterscheiden sich ETCs deutlich von ETFs: Exchange Traded Funds sind rechtlich betrachtet Sondervermögen eines passiv verwalteten Investmentfonds.

Der ETF-Anbieter ist also gesetzlich verpflichtet, gewisse Sicherheiten zu hinterlegen, um ein mögliches Ausfallrisiko zu minimieren. ETCs jedoch sind unbefristete Schuldverschreibungen, für deren Sicherheit der jeweilige Emittent haftet. Abgesehen davon haben wir die wichtigsten Vorteile, die sich Anleger von ETCs versprechen, hier in Stichpunkten zusammengefasst.

Genauigkeit

ETCs verfolgen den ihnen zu Grunde liegenden Warenindex oder die einzelne Ware genau.

Liquidität

ETCs sind unbefristete Papiere und daher nicht auf das Volumen an der Börse limitiert.

Zugänglichkeit

ETCs werden – wie jedes Kapitalmarktpapier – an regulierten Aktienbörsen gehandelt und abgerechnet. Sie können über gewöhnliche Broker-Konten gekauft und gehalten werden.

Einfache Handhabung

Bei ETCs gibt es nicht die Schwierigkeiten wie bei Kauf und Verwaltung von Futures-Positionen (keine Sorge um Nachschussforderungen, auslaufende Kontrakte oder Prolongation von Positionen) oder wie bei Kauf und Einlagerung physischer Warenbestände.

Transparenz

Die Kursfindung der ETCs erfolgt auf der Grundlage einer transparenten Formel, wobei die Kurse täglich auf den Webseiten der Emittenten aktualisiert werden.

Garantierte Kursfindung

Die Kurse der ETCs werden anhand der veröffentlichten Abrechnungspreise festgesetzt (nicht durch Kursfindung „nach bestem Bemühen“).

Flexibilität

Anleger können Long- oder Short-Positionen von ETCs halten.

ETCs vs. ETFs – Worin liegt genau der Unterschied

Die sich ähnelnden Bezeichnungen mögen zunächst irreführend sein, aber im Grunde haben ETCs mit ETFs wenig gemeinsam. Wie bereits erwähnt handelt es sich bei ETFs um ein Sondervermögen. Das geht mit juristischen Vorgaben einher: Im Falle einer Insolvenz des ETF-Emittenten, sind die Papieren durch ausreichend hinterlegte Sicherheiten geschützt. Das Risiko der Anleger ist also minimal.

ETCs hingegen sind rechtlich betrachtet ganz normale Schuldverschreiben. Somit sind Anleger immer dem sog. Emittentenrisiko, also der plötzlichen Zahlungsunfähigkeit des Anbieters, ausgesetzt. Allerdings gibt es bei der Besicherung erhebliche Unterschiede.

Drei verschiedene Besicherungsarten von ETCs

Experten unterscheiden zwischen vollständig besicherten ETCs, physisch hinterlegten ETCs und ETCs mit Drittdeckung. Zur Minimierung des Emittentenrisikos setzen ETC-Anbieter also auf verschiedene Methoden der Besicherung. Wir stellen sie an dieser Stelle vor.

Physisch hinterlegte ETCs

Ein Großteil beliebter ETCs auf Edelmetalle – z.B. Palladium, Platin, Silber oder Gold – sind physisch besichert und bilden den Marktpreis mehr oder weniger exakt ab. Wer also beispielsweise in einen Gold-ETC investiert, der physisch hinterlegt ist, darf davon ausgehen, dass sich tatsächlich Goldbarren im Tresor des Treuhänders befinden, die genau dem Wert der investierten Summe entsprechen. Ein Emittentenrisiko kann somit ausgeschlossen werden.

Vollständig besicherte ETCs

Doch auch bei vollständig besicherten ETCs werden „Sicherheiten” garantiert. Jedoch handelt es sich bei diesen hinterlegten Sicherheiten nicht um greifbare, physische Rohstoffe, sondern um gewöhnliche Kredite, die z.B. Versicherungen gewähren. Die Gelder bestehen dabei entweder aus Bareinlagen der Institute oder Aktien mit hoher Bonität.

ETCs mit Drittdeckung

Von einer Drittdeckung spricht man immer dann, wenn das Emittentenrisiko von einer „dritten Partei” getragen wird. Das können Finanzinstitute aber auch andere Konzerne sein, die im Falle eines Ausfalls mit dem Vermögen ihres Unternehmens haften. Beispielsweise gibt es diverse Öl-ETCs, für deren Sicherheit prominente Energieunternehmen mit ihrem Betriebsvermögen gerade stehen.

Rechtliche Bestimmungen und Risiken von ETCs

Alle ETCs sind also entsprechend besichert, auch wenn dies auf unterschiedliche Art und Weise vonstatten geht. Und alle ETCs weisen eine dreistufige Struktur auf, die wir hier näher erläutern.

Ebene 1:

Der ETC-Anbieter, oder Emittent ist keine Geschäftsbank. Das liegt vor allem daran, weil man das Risiko, das durch Kreditgeschäfte entsteht, vermeiden möchte. Emittent eines ETCs ist daher immer eine Fondsgesellschaft.

Ebene 2:

Die zweite Stufe beschreibt die weiter oben erläuterte Besicherung. Diese kann wie erläutert auf verschieden Methoden zurückgreifen, verfolgt aber immer dasselbe Ziel: Der investierte Wert wird entsprechend abgesichert. Bei Edelmetall-ETCs erfolgt dies meist über die Hinterlegung des jeweiligen Metalls – z.b. Goldbarren.

Ebene 3:

Schlussendlich geben ETCs eine Garantie darauf, dass die hinterlegten Sicherheiten ausschließlich nur für die Halter von ETC-Wertpapieren reserviert sind. Zusammengenommen soll dieser dreistufige Aufbau von ETCs dafür Sorge tragen, dass sie genau so sicher zu handeln sind wie börsengehandelten Fonds (ETFs).

Fazit

Das große Interesse von Großinvestoren und Privatanlegern, ihr Portfolio mit Rohstoffen effektiv zu diversifizieren oder von der Dynamik der Märkte für Bodenschätze und Agrargüter zu profitieren, lässt sich über Sondervermögen (ETFs) nicht decken. ETCs bieten hier eine Alternative. Ihre Schwächen als Fremdkapitalinstrumente werden dabei von der besonderen Struktur der ETCs aufgefangen.

So sind sie haftungsrechtlich strikt von anderen Forderungen gegen den Emittenten und die Depotbank getrennt. Zudem sind die Forderungen durch die Kreditbesicherung der Swap-Vereinbarungen bzw. die physische Hinterlegung von Edel- und Industriemetallen gedeckt. Die Wertentwicklung spiegelt dabei den zugrundeliegenden Preis des jeweiligen Rohstoffs 1 zu 1 wieder. So bieten ETCs günstige Anlagechancen für Rohstoffe, ohne sie dabei physisch besitzen und lagern zu müssen.

Die höchsten Handelsvolumina weisen übrigens ETCs auf Edelmetalle und Erdöl auf auf. Doch auch andere Energieträger wie Heizöl oder Erdgas und Industriemetalle wie Zink, Nickel oder Kupfer spielen eine immer wichtiger werdende Rolle im weltweiten ETC-Handel. Und selbst Agrargüter, so zum Beispiel Rinder, Schweine, Mais, Kakao oder Weizen werden signifikant gehandelt.

Wichtige Fragen, kurz erklärt:

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen ETCs und ETFs?

ETCs sind ETFs sehr ähnlich, da sie beide unbefristet sind, kontinuierlich gehandelt werden und mehrere Market Maker haben. Der Hauptunterschied besteht darin, dass ETCs eine gesicherte, undatierte Null-Kuponanleihen-Struktur nutzen, während ETFS meist einer Fonds-Struktur entsprechen.

Warum gibt es keinen ETF für Edelmetalle oder andere Rohstoffe?

Natürlich gibt es Rohstoff-ETFs. Doch diese zielen immer auf einen Index, in diesem Fall Rohstoff-Indizes. Da die Wertpapiere innerhalb eines Index von Natur aus breit gestreut – Fachsprech: diversifiziert – sind, kann es logischerweise keinen ETF geben, der die Wertentwicklung von nur einem Rohstoff abbildet. Das ist sogar gesetzlich so geregelt. Laut der europäischen UCITS-Richtlinie – in Deutschland OGAW-Richtlinie – müssen ETFs zu einem gewissen Maß diversifiziert sein und dürfen keine physischen Rohstoffe in ihr Portfolio integrieren. So wäre z.B. ein Gold-ETF innerhalb der EU allein aus rechtliche Gründen gar nicht „aufsetzbar”.

Wie und wo werden ETCs gekauft und verkauft?

Anleger können ETCs während des gesamten Handelstags an regulierten Aktienbörsen über gewöhnliche Maklerkonten kaufen und verkaufen. Seit 2006 werden ETCs auf Edelmetalle an der Börse Frankfurt auf Xetra und mittlerweile auch auf der Zertifikatehandelsplattform Scoach gehandelt. Weitere Handelsplätze sind die Börsen München und Stuttgart.

Wie wird für Liquidität gesorgt?

ETCs sind unbefristet, daher können sie von berechtigten Teilnehmern nach Bedarf begeben werden. Aus diesem Grund spiegelt die Liquidität von ETCs die Liquidität des betreffenden Rohstoffmarktes wider.

Entstehen neben den Managementgebühren noch andere Kosten?

Nein, obwohl Ihr Broker oder Finanzberater Ihnen in Verbindung mit Kauf oder Verkauf von ETCs ebenfalls normale Transaktionskosten (Provisionen) verrechnen wird.

Können Anleger ihr Geld verlieren?

Der Kurs der ETCs kann sich zwar nach oben oder nach unten bewegen, jedoch können Investoren nicht mehr verlieren als den Betrag der ursprünglichen Investition.

Ist eine physische Lieferung von Edelmetallen möglich?

Jede einzelne Edelmetall-Schuldverschreibung räumt dem Investor das Recht ein, von der Emittentin die Lieferung zu verlangen. Dabei unterhält die Emittentin für Edelmetall-Schuldverschreibungen eine entsprechende Menge Edelmetalle in physischer Form.

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