ETF-Marktbericht zum Handel mit ETFs

Der wöchentliche ETF-Marktbericht der Börse Frankfurt informiert über ETF-Trends und den ETF-Handel der vergangenen Woche. Erfahren Sie, welche ETFs bei Anlegern auf besonderes Interesse stoßen.

Aktueller ETF-Marktbericht

Neue Rekorde am US-Aktienmarkt sind für viele Anleger Grund genug, sich in S&P 500- und MSCI World-ETFs zu positionieren. Japanische Aktien überzeugen ebenfalls. Bei Festverzinslichem zählt Rendite, aber auch die gute Bonität von Staaten.

21. Januar 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Bullish für Aktien von Unternehmen außerhalb des Euroraums – so könnte man die ETF-Bewegungen in den Orderbüchern der Commerzbank (► Zum Testbericht) interpretieren. In der vergangenen Woche gehörten breit diversifizierte Indizes wie der MSCI World (WKN: A0RPWH) und S&P 500 (WKN: A0YEDG) zu den beliebtesten Werten auf der Kaufseite.

„Das hängt mit den Märkten zusammen, Dow Jones Industrial, Nasdaq und S&P 500 markieren reihenweise neue Höchstwerte“, stellt Christian Dürr fest, der mit knapp 60.000 ETF-Trades auf ein „ordentliches“ Aufkommen verweist. Seit Jahresbeginn liegen die US-Aktienbörsen bereits 3 Prozent im Plus, nach 28 Prozent im vergangenen Jahr. Trotz starker Gewinne halten Analysten US-Werte nicht per se für überteuert. Aktienrückkäufe vieler Unternehmen hätten das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV mit derzeit durchschnittlich 18,5 im Rahmen gehalten.

Deutsche und europäische Aktien nicht gefragt

„Der DAX tut sich dagegen schwer, sein bisheriges Allzeithoch zu erreichen.“ Das spiegele sich im ETF-Geschäft wider. DAX-Tracker zählten zwar zu den meist gehandelten Werten, würden unterm Strich aber abgestoßen. In die neue Woche startete der deutsche Aktienindex verhalten. „Neben dem gestrigen Feiertag in den Vereinigten Staaten, sorgten die Herabstufung Hongkongs durch die Ratingagentur Moody’s und Nachrichten über die Verbreitung des Coronavirus für Zurückhaltung.“

Die Commerzbank-Kunden verabschiedeten sich zudem per Saldo von ihren Euro Stoxx 50- und MSCI EMU Select Factor Mix-Positionen (WKN: A2JKF5). Der zugrunde liegende Index von letzteren enthält Large-, Small- und Midcaps der zehn Industrieländer aus der Währungsgemeinschaft. Gewichtet werden die einbezogenen Titel nach Wert, Qualität, Momentum, Volatilität, Größe und Yield.

Hintergrund: Faktor-ETFs

Faktor-ETFs basieren auf der Annahme, dass die Aktienauswahl anhand verschiedener Faktoren wie fundamentale Kennzahlen, Momentum oder Minimum Volatility zu einer besseren Wertentwicklung führen kann. Bei herkömmlichen Indizes werden Aktien anhand der Marktkapitalisierung (teilweise plus Orderbuchumsatz) gewichtet oder zu gleichen Teilen. 

Japanische Aktien im Fokus

Als bemerkenswert beschreibt Dürr die Nachfrage nach Indexfonds mit japanischen Aktien. MSCI Japan-ETFs (WKN: A0DK60), aber auch MSCI Emerging Markets (WKN: A12GVR) gehörten zu den meist gekauften Werten. Bei der UniCredit kommen Tracker japanischer Indizes sowohl auf der Kauf- als auch Verkaufsseite häufig zum Tragen. Beispielhaft nennt Cornelia Schübel MSCI Japan-Tracker (WKNs: 794361DBX1MJ) von UBS und Xtrackers. Ausgeglichen gehe es zudem in einem gefragten MSCI Pacific ex Japan-ETF (WKN: A2DR4M) zu. Generell lasse sich aus der Aktien-ETF-Statistik der UniCredit kaum eine Tendenz ableiten. „Wir hatten zwar ein sehr hohes Handelsaufkommen mit Werten aus entwickelten Regionen“, fasst die Händlerin zusammen. Fast überall hielten sich Zu- und Abflüsse allerdings in etwa die Waage. 

Raus aus europäischen Finanzwerten

Im Handel mit Sektor-ETFs erkennt Schübel deutliche Abflüsse aus europäischen Banken. Etwa trennten sich Anleger verstärkt von Indexfonds, die Euro Stoxx Banks 30-15 (WKN: 628930) und Euro Stoxx 600 Banks (WKN: A0F5UJ) abbilden.

Das sieht Dürr ähnlich. Neben größeren Abflüssen aus Euro Stoxx 600 Banks-ETFs (WKN: LYX01W) kämen Aktien aus der Grundstoffe-Industrie (WKN: A0F5UK) unterm Strich aus den Depots raus. „Hier gibt es einen leichten Verkaufsüberhang.“ Mehr Potenzial scheinen Anleger in US-Technologieaktien zu vermuten. Zumeist gekauft würden Tracker des S&P Select Sector Capped 20% Technology Total Return Index (WKN: A0YHMJ).

Hochverzinsliches kommt an

Im Handel mit Rentenwerten erkennt Schübel eine Tendenz hin zu Staatsanleihen mit Investment Grade (WKN: DBX0NM) und Staatspapieren von Schwellenländern in lokaler Währung (WKN: A1JADV). „Bei beiden stehen Zuflüsse im Vordergrund.“ Investoren positionierten zudem unterm Strich in hochverzinslichen Unternehmensanleihen und setzten dabei unter anderem auf Tracker des Barclays Capital Liquidity Screened Euro High Yield Bond Index (WKN: A1JKSU) und in US-Dollar geführte kurzlaufende Corporate Bonds (WKN: A1W372).

Dürr verbucht überwiegende Engagements in ein bis dreijährigen US-Treasuries (WKN: A0X8SH) zulasten von Staatsanleihen der Euroländer im Barclays Capital 1-3 Year Euro Treasury Bond Index (WKN: A1JKSV).

von: Iris Merker, 21. Januar 2020,

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