ETF-Marktbericht zum Handel mit ETFs

Der wöchentliche ETF-Marktbericht der Börse Frankfurt informiert über ETF-Trends und den ETF-Handel der vergangenen Woche. Erfahren Sie, welche ETFs bei Anlegern auf besonderes Interesse stoßen.

Aktueller ETF-Marktbericht

Aktien der Industrienationen werden je nach punktueller Marktlage gekauft oder verkauft. Gefragt sind Unternehmen, die von der erwarteten digitalen Entwicklung durch die Corona-Krise profitieren könnten. Bei Festverzinslichem steigen die Umsätze von Unternehmensanleihen mit Investment Grade wieder, Käufe und Verkäufe halten sich die Waage.

31. März 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die tendenzielle Stabilisierung an den Aktienmärkten nutzen viele ETF-Anleger nach Beobachtung von Händlern auch zum Ausstieg. Andreas Bartels von der Société Générale spricht von einem weiterhin hohen Handelsaufkommen, wobei Investoren sich zumeist von ihren Positionen verabschiedeten. Vielen falle es schwer, die Pandemie und ihre Folgen an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft einzustufen. Es lasse sich zudem kaum abschätzen, ob die Kurse ihren Tiefpunkt bereits gesehen haben.

„Anleger sind sehr aktiv und die Umsätze ausgesprochen hoch“, informiert Oliver Kilian. Mit 55 Prozent Anteil an allen Transaktionen würdne vor allem Indextracker entwickelter Staaten gehandelt. Es falle ihm aber schwer, eine Tendenz auszumachen. Klassiker wie MSCI-World-, MSCI USA, Euro Stoxx 50 und DAX-Tracker belegten zwar wie gewohnt vordere Ränge in der Umsatzstatistik. „Die Handelsbewegungen bieten aber wenig Aussagekraft.“ Der ebenfalls rege gehandelte S&P Euro High Yield Dividend Aristocrats-ETF (WKN: A1JT1B) werde vor allem verkauft. Der ETF bietet Zugang zu Unternehmen aus dem Euroraum mit zehn aufeinander folgenden Dividendenerhöhungen. In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Unternehmen angekündigt, keine oder weniger Dividende zahlen zu wollen.

Setzen auf digitale Champions

Als bemerkenswert beschreibt Kilian die überdurchschnittlichen Käufe eines iShares-Produkts (WKN: A2ANH3) basierend auf dem iStoxx FactSet Digitalisation Index. Dieser umfasst Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern, die einen Großteil ihres Einkommens mit digitalen Dienstleistungen wie Internetsicherheit, Fintech-Leistungen, kontaktloses Bezahlen oder Online-Shopping erwirtschaften.

Firmen weltweit nutzten zum Beispiel die Technologie der im Index enthaltenen US-Softwarefirma Citrix für den sicheren Fernzugriff auf Unternehmensrechner. Dank Citrix verbringt auch Kilian derzeit seine Arbeitstage Corona-bedingt zuhause. „Viele rechnen damit, dass Konzerne auch nach der Pandemie stärker auf Home-Office setzen werden.“

Interesse an Anleihen mit guter Bonität

Rentenwerte machen bei der UniCredit rund 30 Prozent des ETF-Handelsaufkommens der vergangenen Woche aus. Auffällig viele Käufe und Verkäufe verbucht Kilian bei Corporate Bonds. Die Spreads vieler Unternehmensanleihen hatten sich mit der Ausweitung von Corona zunächst deutlich erhöht. Mittlerweile ist die Lage zumindest hinsichtlich liquiderer Papiere mit Investment Grade wieder etwas entspannter.

Der Markt für High-Yield-Bonds liegt laut Mathias Blumschein von der ING (► Zum Testbericht) noch brach. Für Investoren am High-Yield-Markt zählten Stabilität und Sicherheit in besonderem Maße, da die Papiere deutlich krisenanfälliger seien als Investment Grade-Anleihen. Die Ausweitung der Spreads in dem Segment spiegelt nach Ansicht von Blumschein mangels Masse das tatsächliche Handelsgeschehen nicht mehr wider. Auch notierten viele Hochzinsanleihen um 50 Prozent, was in „normalen Zeiten“ auf akute Ausfallgefahren deute, in der aktuellen Situation hingegen wohl eher der Gesamtverfassung des Marktes geschuldet sei.

von: Iris Merker, 31. März 2020, © Deutsche Börse AG