ETF-Marktbericht zum Handel mit ETFs

Der wöchentliche ETF-Marktbericht der Börse Frankfurt informiert über ETF-Trends und den ETF-Handel der vergangenen Woche. Erfahren Sie, welche ETFs bei Anlegern auf besonderes Interesse stoßen.

Aktueller ETF-Marktbericht

Zumindest für den Moment ist etwas Ruhe eingekehrt an den Märkten, erste Mutige steigen wieder ein. Die vergangenen Tage waren allerdings von umfangreichen Verkäufen von Aktien-ETFs geprägt – und der Flucht in Geldmarkt-ETFs.

24. März 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Corona-Krise sorgt weiter für extrem hohe Umsätze im ETF-Handel. „Wir sehen sehr viel Aktivität“, erklärt Andreas Bartels von der Commerzbank (► Zum Testbericht). Zuletzt sei der Handel weiter stark von Verkäufen dominiert worden, punktuell wagten sich aber auch Käufer vor.

Oliver Kilian von der Unicredit Group will von einem klaren Trend auf Wochensicht nicht sprechen. „Die Marktrichtung ändert sich oft, auch innerhalb eines Tages – je nach Nachrichtenlage.“ Jedenfalls sei „wahnsinnig“ viel los. „Die letzte Woche hat die ohnehin schon sehr aktiven Vorwochen wohl noch mal getoppt.“

Am heutigen Dienstag geht es ausnahmsweise einmal nach oben: Offenbar beruhigt, dass die US-Notenbank am gestrigen Montag den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen und bestimmten besicherten Wertpapieren angekündigt hat. In Italien haben sich zudem die Zuwächse bei Infektionen und Todesfällen verlangsamt. Der DAX macht einen Sprung von 5,6 Prozent nach oben und liegt am Dienstagmittag bei 9.308 Punkten.

Virusverbreitung in den USA: Trennen von US-Aktien

Bartels meldet für die vergangenen Handelstage für Aktien-ETFs allerdings noch einen klaren Verkaufsüberhang. „Überproportional viel abgegeben wurden Emerging Markets-Tracker“, stellt der Händler fest. Mit den negativen Nachrichten über die Virusverbreitung in den USA hätten sich zudem zuletzt immer mehr Anleger von US-Aktien getrennt, etwa über S&P 500-ETFs. Tendenziell eher Käufe sieht er bei MSCI World- und auch bei DAX-ETFs.

Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstag ganz oben stehen Stoxx Europe 600- (WKN: 263530), Euro Stoxx 50 (WKN: 593395A0YEDJ), DAX- (WKN: 593393DBX1DA), MSCI World- (WKN: A0RPWH) und S&P 500-ETFs (WKN: A0YEDG).

„Sehr viele Käufe von Short-ETFs“

Beliebt sind weiter Short-ETFs. Mit diesen können Anleger auf eine inverse Kursentwicklung setzen. „Bei Short-ETFs beobachten wir sehr viele Käufe“, meldet Bartels. Das hohe Handelsaufkommen zeigt sich auch in der Umsatzliste der Börse Frankfurt: Besonders hoch waren die Umsätze des Xtrackers Short DAX Daily Swap (WKN: DBX1DS), des Xtrackers Euro Stoxx 50 Short Daily Swap (WKN: DBX1SS), des Xtrackers ShortDAX x2 Daily Swap (WKN: DBX0BY) und des L&G DAX Daily 2x Short (WKN: A0X9AA). Durch hohe Kursverluste an den Börsen kommt der Xtrackers Short DAX Daily Swap seit Jahresanfang mittlerweile auf ein Plus von fast 46 Prozent.

Chinas Aktien: Vergleichsweise gute Entwicklung Während sich Anleger auf Industrieländer-ETFs konzentrieren, bleibt eher unbemerkt, dass sich ETFs, die die Entwicklung chinesischer Aktien wiedergeben, vergleichsweise gut schlagen: Etwa hat der Xtrackers Harvest CSI300 (WKN: DBX0NK) im laufenden Jahr „nur“ 11 Prozent abgegeben, der iShares DAX (WKN: 593393) hingegen 34 Prozent. Der Xtrackers Harvest CSI 300 bildet A-Aktien ab, die an den Börsen Shanghai oder Shenzhen Stock Exchange gehandelt werden.

Geldmarkt-ETFs als Kassenschlager

Stark gefragt sind in diesen Zeiten die sonst eher unbeliebten Geldmarkt-Indexfonds sowie ETFs, die Anleihen mit kurzen Laufzeiten abbilden. „Da sehen wir sehr viele Käufe“, stellt Bartels fest. Auch die Umsatzliste der Börse Frankfurt zeigt auffällig hohe Umsätze in diesen Produkten, etwa beim iShares eb.rexx® Government Germany 0-1yr (WKN: A0Q4RZ) und beim Pimco Euro Short Maturity Source (WKN: A1H497). Viel um ging aber auch in klassischen Anleihe-ETFs wie dem iShares Core Euro Government Bond (WKN: A0RL83) oder Pfandbrief-ETFs wie dem iShares Euro Covered Bond (WKN: A0Q41Y).

Käufer von Geldmarkt-ETFs suchen in der Regel keine hohen Renditen, sondern wollen ihr Geld kurzfristig parken. Die ETFs sind damit für viele eine Alternative zu Tages- oder Festgeld. Synthetische Geldmarkt-ETFs replizieren in der Regel die Zinsen des europäischen Interbankenmarkts EONIA (Euro Overnight Index Average). Physische Geldmarkt-ETFs beziehen sich hingegen auf Indizes, die sehr kurzfristige Staatsanleihen abbilden, etwa Anleihen mit einer Restlaufzeit von einem Jahr und darunter. Als Preis für die hohe Sicherheit fallen Renditen von Geldmarkt-ETFs eher bescheiden aus.

von: Anna-Maria Borse, 24. März 2020, © Deutsche Börse AG