Der Creation/Redemption-Prozess

So können ETF-Anteile geschaffen und wieder zurückgenommen werden.


Mit ETFs können Anlegerinnen und Anleger effizient und günstig in verschiedene Märkte investieren. ETFs haben in hohem Maße zur Standardisierung der Investmentlandschaft beigetragen – nicht zuletzt in Bezug auf die Verfügbarkeit und den Zugang zu allen Anlageklassen und Regionen. Da das in ETFs verwaltete Vermögen kontinuierlich wächst, stellen sich Anlegende oft die Frage, wie neue ETF‑Anteile eigentlich entstehen. Dabei spielt der Creation/Redemption‑Prozess eine wichtige Rolle.

Durch den Creation‑Prozess entstehen neue ETF‑Anteile, während mit dem Redemption‑Prozess ETF‑Anteile wieder an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden können.

Im folgenden Beitrag erläutern wir, wie der Creation/Redemption‑Prozess abläuft, welche Funktionen er erfüllt und wie ETF‑Anlegende daran beteiligt sind.
 

Das Wichtigste in Kürze:
Creation/Redemption: Alles, was du wissen musst

  • Creation‑Prozess: Damit können neue ETF‑Anteile geschaffen werden. So können Anlegende auch große Beträge in ETFs investieren.

  • Redemption‑Prozess: Damit können bestehende ETF‑Anteile wieder an den ETF‑Anbieter zurückgegeben werden.

  • ETF‑Spezialisten: Sogenannte autorisierte Teilnehmer (AT) können in Zusammenarbeit mit der Fondsgesellschaft ETFs schaffen oder zurückgeben.

  • Niedrige Spreads: Market Maker stellen sicher, dass ETFs jederzeit mit niedrigen Spreads gehandelt werden können.

Im Unterschied zu aktiv gemanagten Fonds, sind ETFs, wie auch Aktien, während der gesamten Börsenöffnungszeiten handelbar. Außerdem zeichnen sie sich durch Kostenvorteile aus – etwa bei den Verwaltungsgebühren sowie den niedrigen Handelskosten. Für die niedrigen Kosten von ETFs ist unter anderem auch der Creation/Redemption‑Prozess verantwortlich. Dieser Prozess ist für die Konstruktion von ETFs von elementarer Bedeutung.

Was ist der Creation/Redemption-Prozess?

Was ist der Creation/Redemption-Prozess?

Der Creation/Redemption‑Prozess ermöglicht die Erhöhung oder Reduzierung von ETF‑Anteilen je nach Nachfrage, ohne dass andere Anteilseigner der ETFs betroffen sind. Hier besteht ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Investmentfonds, bei denen sich der Kauf oder Verkauf von Anteilen auf alle im Fonds investierten Anlegerinnen und Anleger auswirkt. 

Bei steigender Nachfrage nach einem bestimmten ETF können zur Deckung neue Anteile im Tausch gegen zugrundeliegende Wertpapiere geschaffen (Creation) werden. Umgekehrt kann die Zahl der Anteile bei sinkender Nachfrage reduziert (Redemption) werden, indem Fondsanteile gegen Wertpapiere zurückgetauscht werden. 

Dieser flexible Prozess wird ausschließlich von einem sogenannten autorisierten Teilnehmer (AT) vollzogen. ETF‑Anlegende treffen damit selbst zu keinem Zeitpunkt eine Entscheidung über die Creation oder Redemption eines ETFs.

So funktioniert der Creation‑Redemption‑Prozess

Um den Basiswert des ETFs abzubilden, stellt der Market Maker zum Beispiel einen Aktienkorb zusammen (dieser entspricht eins‑zu‑eins dem Basiswert wie zum Beispiel dem Dax Index). Im Gegenzug erhält er von der Fondsgesellschaft ETF‑Anteile im Wert des Wertpapierkorbs, den er geliefert hat. Der Prozess beinhaltet also den Tausch von Wertpapierkörben gegen ETF‑Anteile und umgekehrt. Dieser Tausch eines Wertpapierkorbes gegen ETF‑Anteile wird Creation‑Prozess (Creation = Schaffung, Ausgabe) genannt.

Creation-Prozess bei ETFs
Der Creation-Prozess bei ETFs

Durch diesen Creation-Prozess wird der Index handelbar gemacht, denn nun kann der Market Maker die von der Fondsgesellschaft erworbenen ETF-Anteile an der Börse zum Kauf anbieten. Alternativ kann er sie auch in seinem eigenen Portfolio halten. 

Umgekehrt kann der Market Maker die ETF-Anteile auch wieder an die ETF-Gesellschaft zurückgeben (Redemption) und erhält hierfür als Gegenleistung den entsprechenden Wertpapierkorb zurück.

Redemption-Prozess bei ETFs
Der Redemption‑Prozess bei ETFs


 

Der Lebenszyklus einer Handelstransaktion

Um die Funktionsweise dieses Prozesses zu verdeutlichen, werfen wir einen genaueren Blick auf den Lebenszyklus einer Handelstransaktion. 

Im folgenden Beispiel möchte eine Investorin oder ein Investor 500.000 Anteile eines neu aufgelegten ETF erwerben. Da der Fonds neu am Markt ist, ist auch das verfügbare Volumen minimal. Der Anlegende weiß jedoch, dass ihm die ETF‑Struktur die Möglichkeit bietet, ETF‑Anteile mit effizientem Pricing zu erwerben, indem er auf den Creation/Redemption‑Mechanismus zurückgreift.

So funktioniert der ETF-Creation-Prozess

Im Rahmen des Creation-Prozesses werden neue ETF-Anteile geschaffen.

1

Der Anlegende gibt seinem Broker die Order für den Kauf von 500.000 ETF‑Anteilen.

2

Der Broker verkauft ihm die ETF‑Anteile zu einem bestimmten Preis. Wie bereits erwähnt, läuft der Prozess des Kaufs von ETF‑Anteilen für den Anlegenden quasi „geräuschlos“ ab.

3

Hinter den Kulissen muss der Broker, wegen der durch den Handel generierten höheren Nachfrage, neue ETF‑Anteile erschaffen. Der Broker ist autorisierter Teilnehmer (AP) und nun in Bezug auf die ETF‑Anteile „short“, da er sie an den Anlegenden verkauft hat.

4

Der Broker kauft nun zur Absicherung den vom ETF gehaltenen Wertpapierkorb. Damit ist er „long“ in Bezug auf den Wertpapierkorb und „short“ in Bezug auf den ETF.

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Anschließend liefert der Broker den Wertpapierkorb an den ETF‑Emittenten und initiiert damit einen Creation‑Prozess.

6

Der Broker erhält im Gegenzug vom Emittenten neue ETF‑Anteile und stellt seine in Bezug auf den ETF bestehende Short‑Position glatt.

Es wird klar, dass der Anlegende selbst mit dem Creation‑Prozess nichts zu tun hat, der Mechanismus ihm jedoch die Möglichkeit eröffnet, zur Deckung seiner Nachfrage eine große Zahl an ETF‑Anteilen zu erwerben. Dieser Prozess funktioniert auch in umgekehrter Richtung, wenn es um die Redemption (Rücknahme) geht.

So funktioniert der ETF-Redemption-Prozess

Im Rahmen des Redemption-Prozesses werden bestehende ETF-Anteile an die Fondsgesellschaft zurückgegeben.

1

Der Anlegende gibt seinem Broker die Order für den Verkauf von 500.000 ETF‑Anteilen.

2

Der Broker kauft die ETF‑Anteile zu einem vereinbarten Preis ab. 

3

Der Broker entscheidet nun, ob eine Redemption erforderlich ist. Er ist in Bezug auf den ETF „long“, da der Anlegende die Anteile an ihn zurückverkauft hat.

4

Der Broker verkauft dann zur Absicherung seiner Position den vom ETF gehaltenen Wertpapierkorb und ist damit „short“ in Bezug auf den Wertpapierkorb und „long“ in Bezug auf den ETF.

5

Nachfolgend liefert der Broker die ETF‑Anteile an den ETF‑Emittenten und initiiert damit einen Redemption‑Prozess.

6

Der Broker erhält vom Emittenten den Wertpapierkorb und stellt die in Bezug auf diesen bestehende Short‑Position glatt.

Auch in der Redemption‑Phase war der Anlegende zu keinem Zeitpunkt am Prozess beteiligt. Dieser stellte einen einfachen Backoffice‑Vorgang dar, der die nachfragegerechte Fluktuation der ETF‑Anteile ermöglicht.

Schon gewusst?
Die Rolle des Market Makers

Hohe Mittelzu‑ oder Mittelabflüsse haben aufgrund des Creation/Redemption‑Prozesses keine Auswirkungen auf die Performance des ETF gegenüber der Indexrendite. 

Beim Market Maker entstehen aber Transaktionskosten, zum Beispiel für den An‑ und Verkauf der im Index enthaltenen Aktien. Wenn der Market Maker zu einer großen Bank mit eigenen Wertpapierbeständen gehört, kann er einen Großteil des Bedarfs aus den eigenen Handelsbüchern decken und muss nicht am Markt als Käufer auftreten. Das spart Transaktionskosten, was in der Regel wiederum zu einem engeren Spread des ETFs führt.

Ein weiterer Einflussfaktor für den Spread eines ETFs liegt in der Liquidität der im Index enthaltenen Aktien. Je weniger liquide diese sind, desto größer das Transaktionsrisiko und umso weiter der Spread. Bei europäischen Standardaktien ist er in der Regel deutlich enger, als wenn es um einen Brasilien‑ oder China‑ETF geht. Bei ETFs auf den Dax Index oder den Euro Stoxx 50 Index, liegt der Spread durchschnittlich bei rund 0,05 Prozent, während er bei Branchen‑ETFs kosten rund 0,2 bis 0,5 Prozent betragen kann. Bei ETFs auf exotische Assetklassen kann er auch bei ein Prozent liegen.

Vorteile des Creation/Redemption-Prozesses

Der Creation/Redemption‑Mechanismus bietet zahlreiche Vorteile, mit denen sich die Effizienz der ETF‑Struktur steigern lässt.

  • So bewegt die Flexibilität und Transparenz des ETF zahlreiche Market Maker zur Unterstützung dieses Produkts.
  • Die genannten Faktoren sorgen dafür, dass ETFs je nach Risiken und Kosten so nahe wie möglich am Marktwert bzw. dem Nettoinventarwert des Fonds gehandelt werden können.
  • Schließlich ermöglicht der Creation/Redemption‑Mechanismus dem ETF eine Expansion oder Kontraktion, entsprechend den Schwankungen der Nachfrage seitens der Kundinnen und Kunden.

Der Creation/Redemption‑Prozess wirkt sich damit sehr vorteilhaft auf die Kosten von ETFs aus, wovon alle Marktteilnehmerinnen und ‑teilnehmer profitieren.

Fazit:
Ein wichtiger Prozess für hohe Liquidität

Der Creation/Redemption‑Prozess übernimmt eine zentrale Rolle beim Handel von ETFs. Mit ihm können neue ETF‑Anteile geschaffen oder bestehende wieder an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden. Dieser Prozess sichert damit die jederzeitige Verfügbarkeit von ETFs.

Der Creation/Redemption‑Prozess kann allerdings nur von autorisierten Marktteilnehmern (AP) initiiert werden. Diese werden von den ETF‑Anbietern “ernannt". Market Maker sorgen für eine hohe Liquidität und damit für günstige Spreads (Handelskosten) bei ETFs.

Über die ETF‑Suche können alle in Deutschland handelbaren ETFs selektiert und analysiert werden. Damit ist die Suche nach dem günstigsten ETF ein Kinderspiel.

Wichtige Fragen zum Creation/Redemption-Prozess

Bild von extraETF Gründer Markus Jordan

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Hi, ich bin 
Markus Jordan

Ich bin der Gründer von extraETF.com und Herausgeber des Extra-Magazins. Mit über 30 Jahren Erfahrung bin ich ein ausgewiesener Experte im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf ETFs, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen.

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