ETF-Factsheets – anschaulich erklärt

Mittels Factsheet können sich Anleger vor dem ETF-Kauf über die Produktdetails informieren. „Gute” Factsheets enthalten z.T. sehr detaillierte Entscheidungshilfen, die über allgemeinere Fragen zu Marktschwankungen, Währungs-, Liquiditäts- oder Gegenparteirisiken hinausgehen und für den Anleger mitunter entscheidende Informationen über die Indexkonstruktion des jeweiligen ETFs liefern. 

Factsheets unterscheiden sich demnach von Anbieter zu Anbieter, was nicht zuletzt daran liegt, dass diese „Datenblätter”, anders als der eher umfangreiche Verkaufsprospekt oder das Produktinformationsblatt, auch Key Investor Information Document (KIID) genannt, nicht gesetzlich vorgeschrieben sind.

Deshalb klären wir in diesem Beitrag, worauf Sie als ETF-Anleger beim Lesen eines Factsheets achten müssen, welche Besonderheiten bzw. Unterschiede diese und jene Factsheets aufweisen und wie sie werbliche Inhalte von nutzwertigen Informationen einfach auseinanderhalten.

Ein ETF-Factsheet – Was ist das? 

Vor dem ETF-Kauf wollen sich Anleger selbstverständlich über die Produktdetails informieren. Die detailliertesten Informationen finden Anleger im Verkaufsprospekt. Dieser ist per Gesetz vorgeschrieben und enthält alle relevanten Informationen. Doch leider sind Verkaufsprospekte oft mehr als 100 Seiten schwer und für viele Anleger einfach „too much”, um ETF-Produkte qualifiziert miteinander zu vergleichen.

Das ebenfalls gesetzlich vorgeschriebene Produktinformationsblatt, auch Key Investor Information Document (KIID) oder einfach Anlegerinformation genannt, behandelt die Finanzprodukte dagegen meist nur sehr oberflächlich und insbesondere aus Anlegersicht zu wenig detailliert, um bei der Entscheidungsfindung wirklich zu helfen.

Dafür haben sich die ETF-Anbieter etwas anderes ausgedacht: das Factsheet. So wertvoll die darin enthaltenen Informationen auch oft sind, Vorsicht bleibt geboten: Denn Factsheets sind ein freiwilliger Service, bei denen die Emittenten einen großen Spielraum hinsichtlich der gewählten Informationen und der Gestaltung haben. Das steht so auch schwarz auf weiß. Manche Emittenten sind zwar vorsichtig in der Formulierung:

Die Angaben zu den aufgeführten Produkten in diesem Dokument dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie stellen keine Anlageberatung dar und auch kein Angebot.” (Quelle: iShares)

Andere ETF-Anbieter hingegen geben ganz offen zu, dass es sich bei ihren Factsheets auch um Werbemittel handelt und schreiben:

Bei dem vorliegenden Dokument handelt es sich um eine Werbemitteilung. Die in diesem Dokument enthaltenen Angaben stellen keine Anlageberatung oder Anlageempfehlung dar.” (Quelle: DWS)

Welche (nützlichen) Informationen stehen in einem Factsheet?

ETF-Factsheets sind also „Werbemitteilungen” des jeweiligen Emittenten und stellen keine Anlageberatung oder gar Empfehlung dar, was jedoch nicht heißen soll, dass sie keine wertvollen Informationen liefern. Allein aufgrund des hohen Wettbewerbs – in Deutschland sind rund 1.500 ETFs handelbar – haben sich bei den verschiedenen ETF-Anbietern (iShares, Amundi, HSBC, Vanguard, Lyxor, SPDR usw.) gestalterische Grundprinzipien durchgesetzt, und dass nicht zum Schaden der Anleger.

Im Gegenteil: So hat zum Beispiel der Anleger oftmals die Wahl zwischen verschiedensten Produkten auf einen einzigen Referenzindex. Die Unterschiede zwischen den ETFs sind daher oft gering. Factsheets helfen Anlegern dabei, diese feinen Unterschiede zu erkennen. Deshalb wollen wir im Folgenden zeigen, wie die Datenblätter richtig zu lesen und wo welche Informationen zu finden sind. 

Als Beispiel ziehen wir das Factsheet des bei Anlegern beliebten iShares Core S&P 500 UCITS ETF (WKN: A0YEDG) heran.

Lesen von Factsheets am Beispiel des iShares Core S&P 500 ETF

(Hier können sie das ganze Factsheet zum iShares Core S&P 500 ETF abrufen)

Die Kopfzeile 

Die Basis-Angaben zum jeweiligen ETF finden Sie in der Regel ganz oben auf dem Factsheet. Bei iShares ist das für institutionelle Kunden wichtige Ticker-Produktkürzel SXR8 ganz links mit blauem Kasten markiert, daneben sieht man die volle Bezeichnung des Produktnamens. Ebenfalls ganz oben zu finden ist in der Regel auch das Emittenten-Logo. Dabei unterscheiden sich die Factsheets kaum.

Anlagebeschreibung 

Mit wenigen Zeilen wird unter der Kopfzeile die jeweilige Anlagestrategie des Produktes und der vom ETF abgebildete Index beschrieben. Wie sie dem obigen Bild entnehmen können, so lautet die Anlagenbeschreibung in diesem Fall:

Der Fonds strebt die Nachbildung der Wertentwicklung eines Index an, der aus 500 US-Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung besteht.

Fondsdaten 

ETF-Factsheet verstehen Eckdaten und Fondsdaten

Bei den Fondsdaten sind zumeist die wichtigsten Details – bei iShares rechts unter „Eckdaten” – zu finden. Wichtig für den Kauf ist die entsprechende Wertpapierkennnummer (WKN, ISIN). Entscheidende Vergleichskennzahlen sind die jeweilige Gesamtkostenquote, der mit dem Produkt abgebildete Index, die Gewinnverwendung (ausschüttend oder thesaurierend) sowie die Methodik der Indexabbildung (physisch oder synthetisch). 

Fast alle Fondsdaten der verschiedenen Emittenten geben generell die Anzahl der im Referenzindex vertretenen Positionen oder die Abbildungsgenauigkeit (Tracking Error, Tracking Difference) sowie die Volatilität (Wertschwankung) an.

Ein besonderes Augenmerk sollten Anleger immer auf das jeweilige Fondsvolumen richten. ETF-Produkte, deren verwaltetes Vermögen noch mehrere Jahre nach Fondsauflage unter 50 Millionen Euro liegt, sind weder für die Fondsgesellschaften noch für den Anleger auf Dauer profitabel. Sie werden in solchen Fällen häufig geschlossen oder sie fusionieren mit anderen gleichartigen Produkten. Als Richtwert gilt deshalb, ETFs mit einem Fondsvolumen von über 100 Millionen Euro zu bevorzugen.

Aber keine Bange, sollte tatsächlich ein ETF geschlossen werden: Im Fall einer Fondsschließung ist das Geld nicht verloren, da es sich um ein Sondervermögen handelt, Anleger haben nur den Mehraufwand einer Neu-Investition. 

Charts / Wertentwicklung

ETF-Factsheet verstehen Wertentwicklung.

Statistiken können bekanntlich trügerisch sein, also lassen Sie sich nicht von fantastisch anmutenden Charts, die im Factsheet abgebildet sind, blenden. Denn vergangenheitsbezogene Kurse können nicht einfach für die Zukunft fortgeschrieben werden. Deshalb finden Sie auch in fast jedem Factsheet Formulierungen, die den Emittenten (rechtlich) absichern, wie z.B. diese:

Die Entwicklungen in der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf aktuelle und künftige Ergebnisse zu und sind keine Garantie für künftige Erträge.”

Besonders aufmerksam sollten Anleger sein, wenn die Statistik nicht den gesamten Zeitraum, sondern nur einzelne Jahre abdeckt. Denn evtl. war die Performance genau in diesem Zeitraum überdurchschnittlich gut. Überprüfen Sie deshalb in den Fondsdaten auch auf das Auflagedatum (Issue Date). 

Wurde der ETF erst vor kurzer Zeit aufgelegt, handelt es sich bei dem Chart nicht um eine reale Wertentwicklung sondern eine historische Rückrechnung, die von Haus aus mit Vorsicht zu genießen sind. Denn bei neuen Fonds rechnen die Gesellschaften nur „fiktiv” zurück, wie sich die Entwicklung des Portfolios entsprechend der jeweiligen Anlagestrategie entwickelt hätte.

Performancedaten

ETF-Factsheet verstehen Performancedaten.

Häufig wird der Chart durch genauere Angaben zur jeweiligen Rendite in einem bestimmten Zeitraum sowie die annualisierten Performance seit Auflage, für das laufende Jahr oder auf Sicht von ein, drei, fünf, zehn Jahren ergänzt. 

ETF-Factsheet verstehen historische Performancedaten.

Auch Angaben zur Volatilität sind möglich. In der Regel beruhen die Daten per Monatsende. Das genaue Datum finden Sie meist in der Kopfzeile des Factsheets. 

Angaben zu den Gewichtungen: 

ETF-Factsheet verstehen Angaben zu den Gewichtungen.

Hierbei erfährt der Anleger bei Aktien-ETFs, welche Sektoren, Anlageregionen und Titel im Index besonders stark vertreten sind. Bei Anleihen-ETFs wird oft auch die Gewichtung der jeweiligen Anleihenart, der Laufzeit oder der Bonität des jeweiligen Anleihe angegeben. 

Risikohinweise & Handelsinformationen 

Auch auf die jeweiligen ETF-Risiken wird hingewiesen. Bei Ishares sind diese prominent ganz oben zu finden. Für institutionelle Investoren sowie private Anleger wichtig sind die jeweiligen Handelskürzel – z.B. der Ticker (SXR8) oder die WKN.

Glossar (im iShares-Factsheet)

ETF-Factsheet verstehen Glossar.

Viele Anbieter integrieren in ihren Factsheets eine Art Glossar, in dem zumindest einige Fachbegriffe näher erläutert werden. Manche Emittenten erläutern auch die zugrundeliegende Methodik (z.B. Sampling), wie der ETF den Ziel-Index abbildet.

Hinweise? Wichtige Informationen

ETF-Factsheet verstehen Hinweise

Ganz unten im Factsheet stehen immer „wichtige Informationen” oder „wichtige Hinweise”, die aber für Anleger gar nicht so wichtig sind. Vielmehr sichert sich der Emittent darin rechtlich ab und da das ETF-Factsheet ja auch eine Werbemitteilung darstellt stellen dort Sätze wie:

Bei den aufgeführten Daten handelt es sich um eine Zusammenfassung, die Entscheidung über eine Anlage sollte auf Grundlage des entsprechenden Prospekts getroffen werden”.

oder:

Dieses Factsheet ist keine persönliche Aufforderung an den Empfänger, eine Anlageentscheidung zu treffen und es wurde nicht geprüft, ob diese Anlage für Ihre individuellen Anforderungen und Ihre Risikofähigkeit geeignet ist.

oder auch:

Weiterhin übernehmen die Emittenten keine wie immer geartete Verantwortung für die Richtigkeit und/oder Vollständigkeit der in diesem Dokument enthaltenen Informationen.”

Factsheets bei extraETF.com

Auf dem Portal extraETF.com finden Anleger wie Investoren zu zahlreichen ETFs das entsprechende Factsheet sowie die Anlegerinformation (KIDD): Nutzen Sie dazu einfach unsere Suchfunktion zur Auswahl Ihres Wunsch-ETFs und klicken auf die entsprechende Zielseite des Produkts. 

ETF-Factsheet verstehen Factsheets bei extraETF.com.

Da unsere Redaktion auch selbst der Ansicht ist, dass die Informationen in den Factsheets der ETF-Anbieter nicht (immer) ausreichen, um Anlegern ausreichend kompetente Entscheidungshilfen zur Verfügung zu stellen, haben wir zu verschiedensten Themen sogenannte „Profilseiten” aufgesetzt, auf denen wir detaillierte Informationen zur Verfügung stellen, beispielsweise zu Themen- oder Länder-ETFs

Im Prinzip gibt es so gut wie keinen Filter bzw. keine Kategorie, nach denen ETF-Anleger ihre individuellen Wünsche nicht filtern können. Bei mehr als 1500 gehandelten ETFs allein in Deutschland mag es für viele Anleger attraktiv sein, die Finanzprodukte zuerst nach Anlageklassen, Regionen, Länder, Branchen, Strategien Laufzeiten, Direktbanken, ETF-Anbieter, Renditen oder auch Themen wie Nachhaltigkeit vorzusortieren und dann eine Auswahl zu treffen.

Nutzen Sie dafür gerne unsere ETF-Listen – geordnet nach Themen

Fazit

Vor dem Kauf eines ETFs sollte man sich auf jeden Fall die Verkaufsunterlagen ansehen. Einen ersten Überblick über die Produktdetails bieten die Factsheets (Datenblätter). Wichtige Kennzahlen wie Gesamtkostenquote, Fondsvolumen, Auflagedatum, Ertragsverwendung oder Abbildungsgenauigkeit stellen wichtige Vergleichsfaktoren dar. 

Im Anhang finden ETF-Anleger und Investoren abschließend nochmal alle Details eines Factsheets auf einen Blick (siehe Link zur pdf.).

Factsheets richtig lesen: Alle Details auf einen Blick

An dieser Stelle noch einmal in aller dargebotenen Kürze zusammengefasst, wie sie als ETF-Anleger ein Factsheet lesen und verstehen. Zum Öffnen der pdf.-Datei klicken Sie bitte hier.