Die Top 3-Kriterien der ETF-Auswahl

Die ETF-Branche wächst seit Jahren. Das rasante Wachstum hat zur Folge, dass die Produkte rund um den ETF-Markt komplexer werden. Noch zu Beginn dieses Jahrtausends, als die ersten börsengehandelten Indexfonds auf den Markt kamen, waren Exchange Traded Funds (ETFs) relative simple Produkte, deren Aufbau und Struktur für Anleger leicht nachzuvollziehen war. In der Hauptsache wurden nur bekannte Indizes wie der DAX, Euro Stoxx 50 oder Dow Jones 30 nachgebildet, um die Produkte nachvollziehbar und überschaubar zu halten.

Ein Anbieter zielte seinerzeit mit seinem Werbeslogan „ETF – (E)infach, (T)ransparent und (F)lexibel” genau darauf ab. Mittlerweile sind ETFs zwar noch sehr flexibel, aber längst nicht mehr einfach. Und sie sind auch nur für Anleger transparent, die sich mit der Materie etwas auskennen – z.B. mit der Indexkonstruktion oder den Replikationsmethoden.

Aus diesem Grund erläutern wir im Folgenden zunächst unsere Top 3-Kriterien – Indexkonstruktion, Replikationsmethoden und Kosten –, die Sie als Anleger unbedingt beachten sollten. In einem anderen Beitrag erläutern wir ausführlich weitere Kriterien und geben ein paar wertvolle Tipps zur ETF-Auswahl.

Erstes Kriterium: Die Indexkonstruktion

Nachdem sich Anleger für eine Anlageklasse entschieden haben – z.B. Pensionsfonds, Rohstoffe oder Aktien – geht es in erster Linie darum, einen Index zu wählen, in dem das Anlageportfolio idealerweise breit gestreut ist. Da sich jeder Index unterscheidet, müssen Anleger den Mechanismus des Referenzwertes genau verstehen, um unerwünschte Überraschungen zu vermeiden.

Schon gewusst? Am sichersten fahren Sie als Anleger mit einer Strategie, die Ihr Geld möglichst breit auf viele Unternehmen in verschiedenen Ländern oder Regionen anlegt. Besonders einfach erreichen Sie das mit einem ETF, der auf die ganze Welt streut – z.B. den MSCI World.

Klumpenrisiko

ETF-Portfolios, die nicht breit streuen, setzen sich einem sog. Konzentrations- oder Klumpenrisiko aus. Einfach gesagt: Je stärker sich der Anteil der im Portfolio versammelten Wertpapiere auf einzelne Aktien oder Sektoren (z.B. Regenerative Energie) beziffert, desto höher fällt das Risiko einer „Fehlinvestition” für Anleger aus. Um es an einem Beispiel fest zu machen: Die drei größten Indexunternehmen – Nestle, Novartis und Roche – repräsentieren ca. 60 % des gesamten Indexgewichts. Derartig hohe Anteile bringen (z.B. im Fall einer Insolvenz) ein erhebliches Klumpenrisiko mit sich.

Genau deshalb schreiben viele ETF-Anbieter für einzelne Wertpapiere oder Branchen eine sogenannte Maximalgewichtung fest, um das Risiko einer Konzentration im jeweiligen Index zu minimieren. Auch deshalb ist es für Anleger von großer Bedeutung, die Gewichtungsmethoden des Index genau zu verstehen.

Die meisten Indizes werden anhand der Marktkapitalisierung gewichtet, was nicht ganz unproblematisch ist: Teure Aktien werden in Marktkapitalisierungs-Indizes stark gewichtet. Mit jedem Kursanstieg wird das Risiko größer, was dann z.B. beim Platzen einer Spekulationsblase gravierende Folgen nach sich zieht – etwa so wie es am Beispiel des Neuen Markts und der Nasdaq im Jahr 2000 deutlich wurde.

Indexbreite

So bleibt das wichtigste Kriterium zunächst die Indexbreite. Je breiter ein Index aufgebaut ist, je größer also die Anzahl der enthaltenen Werte und je gleichmäßiger die Gewichtung der einzelnen Werte ist, umso besser ist das Risiko gestreut. Eine breite Streuung bietet beispielsweise der MSCI World Index mit knapp 2.000 Werten. Wer den deutschen Markt abdecken will, der findet im DAX Index oder im MSCI Germany Index einen gut aufgestellten Index.

Möglicherweise ist für den Anleger auch von Bedeutung, ob der ausgewählte Fonds Zinsen oder Dividenden ausschüttet, ob es sich also um einen „ausschüttenden” oder um einen „thesaurierenden” Fonds handelt. Letzterer behält die Ausschüttungen ein und reinvestiert diese. Nachdem ETFs einen Index nachbilden, hängt die Frage – ob Ausschüttung oder nicht – meist am zugrunde liegenden Index.

Zweites Kriterium: Die Replikationsmethode

Wer die Indexkonstruktion – ausschüttend oder thesaurierend – beleuchtet, für den spielt es eine Rolle, wie der ETF den Index nachbildet, also mittels einer vollen „physischen Replikation” – dabei investiert der Fonds in alle im Index enthaltenen Werte – oder mittels einer „synthetischen Replikation” – dabei wird die Entwicklung des Referenzindex durch ein Tauschgeschäft nachgebildet.

Schon gewusst? Bei einem thesaurierenden ETF werden die anfallenden Zinsen oder Dividenden direkt in den ETF reinvestiert. Bei einem ausschüttendem ETF werden den Anleger die Dividenden oder Zinsen auf ihrem Konto gutgeschrieben – als frei verwendbarer Geldbetrag.

Physisch replizierende ETFs

Physisch replizierende Exchange Traded Funds (ETFs) können entweder durch vollständige Replikation oder durch das sogenannte Sampling-Verfahren den Index abbilden. Dieses Verfahren wird häufiger für Indizes mit einer Vielzahl an Titeln oder für Indizes mit weniger liquiden Wertpapieren verwendet. Dabei kauft der ETF-Anbieter nur einen ausgewählten Aktienkorb, der im Idealfall das identische Risiko-Rendite-Profil wie der zugrunde liegende Index aufweist.

Diese Methode funktioniert gut unter normalen Marktbedingungen. In einem schwierigen, volatilen Marktumfeld halten die statistischen Attribute jedoch nicht immer der Realität stand. Dann bringt der Sampling-Ansatz einen höheren Tracking Error mit sich als ursprünglich erwartet. Auf gut deutsch: Der Kurs fällt unter den des Index und genau das wollen Anleger ja vermeiden.

Darüber hinaus machen einige physisch replizierten ETFs von der Wertpapierleihe Gebrauch, um ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Dabei werden Anleger allerdings einem Kontrahentenrisiko ausgesetzt. Die Höhe des Risikos der Wertpapierleihe hängt dann vom Volumen der ausgeliehenen Wertpapiere sowie deren Bonität ab.

Synthetisch replizierende ETFs

Hingegen bilden Anbieter synthetisch replizierender ETFs den Referenzwert mit Hilfe eines Swap-Geschäfts mit einem oder mehreren Gegenparteien ab. Der Anbieter verpflichtet sich dann, der Gegenpartei die Rendite eines vordefinierten Wertpapierkorbes mit dem der Rendite des Referenzwertes zu tauschen.

In den meisten Fällen reduziert die synthetische Replikation die Kosten und den Tracking Error, erhöht aber das Kontrahentenrisiko, also dass der Anbieter insolvent geht und seine Verbindlichkeiten gegenüber dem ETF nicht erfüllen kann. Aber: Für schwer zugängliche Märkte haben Swap-Strukturen ein besseres Tracking relativ zu physisch replizierenden ETFs und verursachen oft weniger Kosten.

Drittes Kriterium: Die Kosten

Zum Schluss sollte man sich die Gesamtkosten für eine ETF-Anlage anschauen, da es neben den Managementgebühren eine Reihe „versteckter” bzw. auf den ersten Blick nicht gleich nachvollziehbarer Kosten gibt.

Die Gesamtkostenquote

Die Gesamtkostenquote ist der auffälligste zuzuordnende Kostenblock bei einem ETF-Investment. Die sog. Total Expense Ratio (kurz: TER) repräsentiert den Teil der Kosten, die jährlich vom Anbieter für die Indexnachbildung dem ETF entnommen wird. Dies kann alle möglichen Kosten beinhalten, vom Marketingbudget bis hin zu Depotbankgebühren und Lizenzkosten für den Index.

Nicht in der TER enthalten und dennoch extrem wichtig sind die Handelskosten, die für den Investor entstehen, die sogenannte Geld-Brief-Spanne, auch Spread genannt. Diese Handelsspanne wird bei allen Börsengeschäften berechnet und ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Schon gewusst? Als Spread (übers.: „Spanne”) bezeichnet man in der Wirtschaft ganz allgemein die Differenz zwischen zwei zu vergleichenden Größen. Die Geld-Brief-Spanne wiederum meint also die Differenz zwischen dem Geld- und dem Briefkurs von Wertpapieren, Devisen oder anderen Finanzinstrumente. Sie beschreibt damit die Gewinnspanne der Marktteilnehmer. Dabei beziffert der Geldkurs den Preis, zu dem Anleger bereit sind, ein Finanzprodukt zu erwerben. Der Briefkurs bezeichnet hingegen den Preis, zu dem Marktteilnehmer (z.B.Investoren) bereit sind, ein Gut oder Produkt zu verkaufen.

Zusätzliche Kosten

Darüber hinaus kann die Methode der Indexabbildung eines ETFs auch ein entscheidender Grund für eine Abweichung vom Zielindex sein und damit ungewollte Kosten verursachen. Auch bei einer Umgewichtung des Index auf Grund von Fusionen, Pleiten oder Übernahmen bei physisch replizierenden ETFs können zusätzliche Kosten entstehen. Diese Kosten entstehen, um den ETF mit dem Index wieder in Einklang zu bringen. Sie spiegeln sich letztendlich in einer größeren Abweichung zur Rendite des Zielindex wider.

Gerade bei ETF sind die Kosten ein wichtiges Kaufargument. Wenn das Produkt schon keine Outperformance erzielt, also über dem Vergleichsindex liegt, dann möchte man als Anleger doch möglichst an der zu erzielbaren Marktrendite beteiligt sein. Jedoch ergeben bereits vermeintlich geringe Gebührenunterschiede im Laufe der Jahre deutliche Unterschiede hinsichtlich der tatsächlich erzielten Rendite.

Schlussendlich geben Emittenten in der Regel auf ihren Verkaufsunterlagen die Gesamtkostenquote an. Doch neben dieser Gebühr fallen eben weitere Kosten an. Diese werden je nach Anbieter auch transparent ausgewiesen und darauf gilt es besonders zu achten.

Fazit

Die Suche nach einem geeigneten ETF endet also nicht bei der Auswahl des gewünschten Engagements. Es ist genauso wichtig zu verstehen, ob der gewählte Index den Zielmarkt bzw. das Investmentziel auch tatsächlich abbildet und welche Produktstruktur hierfür am besten geeignet ist.

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