Xetra Liquiditätsmaß (XLM) einfach erklärt

Das Xetra Liquiditätsmaß (XLM) erfasst die Liquidität auf Basis impliziter Transaktionskosten.


Das zentrale Qualitätsmerkmal von Wertpapiermärkten ist ihre Liquidität. Volkswirtschaftlich betrachtet ist sie essenziell für eine möglichst kostengünstige Kapitalbeschaffung der Unternehmen. Aus einer mikroökonomischen Perspektive betrachtet, stellt Liquidität sicher, dass der Markt die Handelsinteressen der einzelnen Investorinnen und Investoren ausreichend abdecken bzw. bedienen kann.

Die Liquidität des zugrunde liegenden Index hat eine große Bedeutung beim Handel von ETFs. Das Xetra Liquiditätsmaß (XLM) deckt implizite Handelskosten auf und stellt sie transparent in einer Kennzahl dar. Eine Verfeinerung dazu ist das intraday Xetra Liquiditätsmaß (iXLM).

In diesem Beitrag erklären wir die Funktionsweise des Xetra Liquiditätsmaßes.

Das Wichtigste in Kürze:
Xetra Liquiditätsmaß – das musst du wissen

  • Liquidität: Beim Handel von Wertpapieren spielt dessen Liquidität eine wichtige Rolle. Je liquider ein Wertpapier ist, desto niedriger sind die impliziten Handelskosten.

  • XLM und iXLM: Diese Kennzahlen sorgen für Transparenz und machen die Liquidität von Wertpapieren sichtbar.

  • Preisvorteile bei ETFs: Manche ETFs haben eine höhere Liquidität als die einzelnen im ETF befindlichen Aktien. Das sorgt für niedrige Handelskosten.

  • Analyse: Das Xetra Liquiditätsmaß sollte bei der Auswahl eines ETFs berücksichtigt werden. Vor allem, wenn man diesen ETF aktiv handeln möchte.

Handelskosten und Liquidität essenziell für den Wertpapierhandel

Wer sich auf ein Wertpapier festgelegt hat, möchte es zu möglichst  geringen Transaktionskosten handeln. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Formen von Transaktionskosten: expliziten und impliziten Kosten.

Was sind explizite Handelskosten?

Was sind explizite Handelskosten?

Explizite Transaktionskosten sind jedem Anlegenden ersichtlich. Sie setzen sich aus Gebühren (z. B. Total Expense Ratio = TER), Wertpapierprovisionen, Abwicklungsgebühren oder Steuern zusammen und sind meist auf den Wertpapierabrechnungen der Abwicklungsbank aufgeführt. 

Neben diesen expliziten Kosten fallen auch die sogenannten impliziten Transaktionskosten an. Diese sind für Anlegende allerdings nicht so leicht zu ermitteln.

Was sind implizite Handelskosten?

Was sind implizite Handelskosten?

Implizite Transaktionskosten, auch bekannt als sogenannte „Market Impact Costs“, beschreiben die Auswirkungen eines Kaufs oder Verkaufs eines Wertpapiers auf dessen Preis. Diese Veränderungen entfallen stets zu Ungunsten des Anlegenden. Beim Kauf führt die gestiegene Nachfrage zu einer Erhöhung eines Wertpapierkurses. Umgekehrt kommt es bei einem größeren Verkauf zu einem Kursrückgang.

Die Differenz zwischen dem theoretischen und dem tatsächlich erzielten Preis entspricht den impliziten Transaktionskosten. Anders als bei den expliziten Kosten werden diese jedoch nicht ausgewiesen und sind somit für Investorinnen und Investoren nicht einsehbar.

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Warum sorgt das Xetra Liquiditätsmaß für Transparenz?

Der Einfachheit halber wurde die Liquidität lange Zeit vor allem durch Aktivitätskennzahlen, wie den Handelsumsatz oder die Anzahl der Transaktionen, gemessen. Die Handelsaktivität spiegelt nicht unbedingt auch die Liquidität auf Ebene einzelner Wertpapiere wider. Viele kleine Transaktionen oder große Handelsvolumen können die Beurteilung der Liquidität stark verfremden. Zudem handelt es sich um vergangenheitsbezogene Daten, welche nicht den aktuellen Status wiedergeben.

Die Deutsche Börse hat daher im Jahr 2002 auf ihrem elektronischen Handelssystem Xetra eine Kennzahl eingeführt, die Anlegenden einen deutlich besseren Überblick über die anfallenden impliziten Kosten geben soll: das Xetra‑Liquiditätsmaß (XLM). Mithilfe einer Transaktionsanalyse wird die Marktliquidität in einer einzigen Kennzahl ausgedrückt. 

Das Xetra Liquiditätsmaß gibt Investorinnen und Investoren eine einfache und zuverlässige Methode zur Einschätzung von Kosten der sofortigen Nachfrage von Liquidität an die Hand.

Schon gewusst?
Die Rolle der Market Maker beim Handel mit ETFs

Um für ein hochliquides Produkt wie Exchange Traded Funds (ETFs) fortlaufend Preise zu stellen, bedarf es sogenannter Market Maker. Diese Händlerinnen und Händler berechnen fortlaufend den indikativen Net Asset Value (iNAV) für die von ihnen betreuten ETFs. 

Der iNAV, ist der aktuelle Wert des Aktienkorbes, der dem ETF zugrunde liegt. Auf dieser Basis stellen Händlerinnen und Händler nun Quotierungen an den entsprechenden Börsen. Die Designated Sponsors, wie Market Maker auch genannt werden, sorgen fortlaufend dafür, dass ein großes Volumen auf der Geld‑ und Briefseite an den Börsen zur Verfügung steht und damit ein äußerst liquider Handel stattfinden kann. 

Die Market Maker erfüllen eine weitere Funktion beim Handel mit Exchange Traded Funds. Hierbei handelt es sich um den so genannten Creation-Redemption- Prozess. Dabei kreieren die Market Maker neue ETF‑Anteile oder geben überschüssige an den ETF‑Anbieter zurück.

Wie wird das Xetra Liquiditätsmaß (XLM) errechnet?

Wie wird das Xetra Liquiditätsmaß (XLM) errechnet?

Das Xetra Liquiditätsmaß (XLM) setzt sich zusammen aus der Summe von Liquiditätsprämie und adverser Preisbewegung.

Die Liquiditätsprämie wird dabei aus der Differenz zwischen der Mitte der Geld‑Briefspanne und dem aktuell besten Brieflimit für eine Kauf‑ bzw. Verkaufsorder errechnet. Mit der Liquiditätsprämie wird die Marktbreite abgebildet. Sie eignet sich vor allem zur Abbildung des Retailmarktes (Privatanlegende).

Wichtig ist aber auch, die jeweilige Markttiefe zu berücksichtigen. Dies geschieht durch die Betrachtung der adversen Preisbewegung. Denn häufig übersteigt das Handelsvolumen das angebotene Volumen. Es müssen somit verschiedene Orders ausgeführt werden.

Mit Abarbeitung des Orderbuches wird jede Order teurer. Abgebildet wird diese Markttiefe durch die Differenz zwischen dem jeweils besten Geld‑ oder Briefgebot und dem resultierenden durchschnittlichen Ausführungspreis.

Spar‑Tipp: Achte beim Handel von ETFs darauf, dass die Heimatbörse der im ETF enthaltenen Aktien gerade geöffnet hat. Die im ETF enthaltenen Aktien können dann besonders liquide und damit günstig gehandelt werden. Um mehr darüber zu erfahren, kannst du unseren Ratgeber “Wann ETFs handeln?” lesen.

Was sagt die Kennzahl XLM aus?

Was sagt die Kennzahl XLM aus?

Das XLM wird in Basispunkten angegeben (100 Basispunkte = implizite Kosten von einem Prozent). Je kleiner das XLM ist, desto geringer sind also die impliziten Kosten.

Beispiel: Bei einem XLM von 10 und einem Ordervolumen von 10.000 Euro fallen implizite Kosten in Höhe von 10 Euro an.

Mittels dem Xetra Liquiditätsmaß ist es also sehr leicht, die impliziten, versteckten Kosten der jeweiligen Produkte zu vergleichen.

Stellt man vor dem Ordern des Produktes das aktuelle XLM‑Liquiditätsmaß dem langfristig, durchschnittlichen XLM gegenüber, erhältst du zudem wertvolle Hinweise über den besten Order‑Zeitpunkt (Market Timing). Daraus ergeben sich auch hilfreiche Erkenntnisse über den jeweiligen Handelsplatz.

Das XLM macht hohe implizite Handelskosten sichtbar

Bild von extraETF Gründer Markus JordanMarkus Jordan, Gründer extraETF.com
Viele Anlegende achten beim Handel von Wertpapieren nur auf die Ordergebühren. Diese expliziten Kosten stehen auf der Wertpapierabrechnung und sind zudem meist vor Ordererteilung bekannt. Das Xetra Liquiditätsmaß deckt die impliziten Kosten des Wertpapierkaufs auf. Wer viel mit ETFs handelt, sollte bei der ETF-Auswahl daher auch das XLM eines ETFs überprüfen. So können hohe implizite Handelskosten vermieden werden.
Markus Jordan, Gründer extraETF.com
Welche Kritikpunkte gibt es zum XLM?

Welche Kritikpunkte gibt es zum XLM?

Das Xetra Liquiditätsmaß ist eine Momentaufnahme der aktuellen Marktgegebenheiten. Nicht berücksichtigt wird dabei die Volatilität und somit die Kursdynamik des Wertpapiers. Es wird dabei nicht klar, ob sich der Kurs des Wertpapiers stabil entwickelt oder in einer Aufwärts‑ oder Abwärtsbewegung bewegt.

Das XLM ist bei ETFs oft günstiger

ETFs weisen nicht nur günstige explizite Kosten auf, sondern auch niedrige implizite Kosten. So weist der iShares Core DAX UCITS ETF (Acc) im Juli 2022 ein durchschnittliches XLM von 3,2 aus.

Betrachtet man die XLMs einzelner DAX‑Werte, wird deutlich, dass nur wenige Werte der insgesamt dreißig Aktien des Dax Index ein niedrigeres XLM aufweisen als der entsprechende Dax ETF von iShares. 

Beim direkten Handel der im Dax enthaltenen Werte, fallen also zum Teil höhere implizite Transaktionskosten an als beim „indirekten“ Handel über den iShares Core DAX UCITS ETF (Acc).

DAX‑WertXetra Liquiditätsmaß
Allianz2,9
SAP3,0
Deutsche Telekom3,1
Deutsche Post3,5
Linde3,7
BMW St.4,0
Bayer 4,0
BASF4,0
Deutsche Bank4,2
Volkswagen Vz.4,4
Quelle: Xetra.com, Stand: 24.08.2022

Deutliche XLM-Differenzen bei DAX-ETFs

Anlegende sollten auch immer die XLMs ähnlicher ETFs miteinander vergleichen. Aus der folgenden Tabelle können die aktuellen XLM‑Werte einiger DAX‑ETFs entnommen werden. 

Während der iShares Core DAX UCITS ETF (Acc) ein XLM von 3,35 aufweist, liegt das XLM beim Lyxor Core DAX (DR) UCITS ETF bei 10,77. 

Grundsätzlich gilt: Je liquider ein ETF gehandelt wird, desto geringer sind auch seine impliziten Kosten.

ETF‑NameXetra Liquiditätsmaß
iShares Core DAX UCITS ETF (Acc)3,35
Xtrackers DAX UCITS ETF (Acc)3,67
Deka Dax UCITS ETF (Acc)4,24
Lyxor Core DAX (DR) UCITS ETF (Dist)10,77
Deka DAX UCITS ETF (Dist)4,63
Quelle: extraETF Research, Stand: 24.08.2022

iXLM - Xetra Liquiditätsmaß im 30-Minuten-Takt

Das Xetra Liquiditätsmaß (XLM) gibt es bereits seit 2002. Im Jahr 2019 hat die Deutsche Börse die Kostenkennzahl verfeinert. Das weiterentwickelte iXLM (intraday Xetra Liquiditätsmaß) ist durchaus hilfreich, wenn es um die konkrete Auswahl eines ETFs geht. Das iXLM gibt Auskunft darüber, wie sich die Handelskosten eines ETF im Tagesverlauf entwickelt haben.

So funktioniert es: Die Deutsche Börse unterteilt zur Berechnung des iXLM den Handelstag von 9:00 bis 17:30 Uhr in halbstündige Intervalle und ermittelt rückwirkend für jede halbe Stunde das iXLM. Einmal im Monat werden die Werte veröffentlicht.

Investoren können daraus ableiten, in welchem Zeitraum die Handelskosten eines ETFs besonders günstig waren und diese Information in zukünftige Entscheidungen einfließen lassen. Je geringer das iXLM, desto geringer sind die impliziten Handelskosten.

Das iXLM (Monatsdurchschnitt) wird auf den ETF‑Profil‑Seiten von extraETF.com angezeigt.

Ein iXLM‑Vergleich lohnt sich: Eine Auswertung der Deutschen Börse über alle ETFs hinweg hat ergeben, dass die impliziten Transaktionskosten zum besten Zeitpunkt bis zu 30 Prozent niedriger sind als zum schlechtesten Zeitpunkt im Tagesverlauf.

Ein Beispiel: Der iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) hat mit einem iXLM von 3,3 die niedrigsten impliziten Handelskosten in der Zeit von 12:30 ‑ 13:00 Uhr und 13:00 ‑ 13:30 Uhr (beides grün) Uhr. Es empfiehlt sich daher den ETF zu diesen Uhrzeiten an der Börse zu handeln. Die höchsten impliziten Handelskosten mit 6,0 Basispunkten entstehen zwischen 15:30 ‑ 16:00 Uhr (rot).

iXLM des iShares MSCI World ETF im Monatsdurchschnitt

 

Fazit:
Das Xetra Liquiditätsmaß erhöht die Kostentransparenz

Die Kosten spielen bei der Geldanlage und beim Handel von Wertpapieren eine zentrale Rolle. Ziel muss es sein, diese möglichst niedrig zu halten. So kann die Rendite der persönlichen Geldanlage nachhaltig erhöht werden.

Neben bekannten, expliziten Kosten, wie den Ordergebühren oder verschiedenen Abwicklungskosten, sind implizite Kosten erst nach der Ausführung der Wertpapierorder bekannt. Das Xetra Liquiditätsmaß macht die impliziten Kosten eines Wertpapierkaufs transparent. 

Gerade Anlegerinnen und Anleger die regelmäßig mit ETFs handeln, sollten das XLM in die Auswahl der ETFs einbeziehen. So können ETFs identifiziert werden, die deutlich günstigere Handelskosten aufweisen. Das iXLM gibt zudem eine gute Orientierung zu welcher Zeit ein ETF gehandelt werden sollte.

Fragen zum Xetra Liquiditätsmaß (XLM)

Bild von extraETF Gründer Markus Jordan

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Hi, ich bin 
Markus Jordan

Ich bin der Gründer von extraETF.com und Herausgeber des Extra-Magazins. Mit über 30 Jahren Erfahrung bin ich ein ausgewiesener Experte im Bereich Finanzen und Geldanlage mit Schwerpunkten auf ETFs, Robo-Advisors und digitale Bankdienstleistungen.

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