Rebalancing: Jetzt handeln – Portfolio an Ihr ursprüngliches Risikoprofil anpassen!

Die Depotgewichtung Ihres Portfolios hat sich infolge der Kursverluste deutlich verschoben. Wer sein Risikoprofil beibehalten möchte, sollte jetzt ein Rebalancing durchführen.

Im Zuge der Corona-Krise spielen die Märkte verrückt. Das merkt man an der Fieberkurve der großen, globalen Aktienleitindizes. Einen Tag um fünf bis sieben Prozent nach oben, danach wieder ein Kurssturz in etwa gleicher Höhe. Seit ihren vergangenen Höchstständen im Januar korrigierten die Märkte zwischen 20 bis 40 Prozent, je nach Anlageregion. Das hat natürlich auch einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammensetzung Ihres ganz persönlichen Depots. Von der einst vor Ihrem Investmententscheidung festgelegten Depotaufteilung entsprechend Ihrem jeweiligen Risikoprofil ist nicht mehr viel geblieben. Warum ist dies so?

Kursveränderungen verändern deutlich die Gewichtung einzelner Bestandteile im Depot

Infolge der massiven Kursrückgänge der vergangenen Tage bei Aktien bei nahezu unveränderten Kursen der Anleihen im Depot sinkt natürlich der Anteil der Aktien und erhöht sich quasi automatisch das Gewicht der Anleihen im Depot. Sie sind also damit deutlich defensiver aufgestellt als noch vor ein oder zwei Monaten. Es lohnt sich also, jetzt sein Depot einmal zu analysieren, zum Beispiel mit dem extraETF Finanzmanager, wie sich das Depot in Richtung Anleihen verändert hat. Für ältere Menschen, die kurz vor der Rente stehen, mag dies vielleicht sogar vorteilhaft sein, wurde doch durch den Kursrückgang sozusagen automatisch ein Kurs zurückgeschaltet. Jüngere Menschen, die jedoch noch aktiver im Markt unterwegs sein möchten und via Aktien-ETFs zum Beispiel fürs Alter vorsorgen möchten, werden jedoch damit deutlich ausgebremst.  

Risikoprofil noch einmal adjustieren

Es gilt deshalb also noch einmal, kurz innezuhalten und sein eigenes Risikoprofil zu überprüfen. Haben meine bisher geltenden Überlegungen noch ihre Gültigkeit. Das Risikoprofil hängt dabei von unterschiedlichen Überlegungen ab wie dem Anlagehorizont, dem Alter, den eigenen finanziellen, aber auch familiären Verhältnissen. Habe ich Schulden, bin ich Alleinverdiener und trage ich noch eine finanzielle Verantwortung für andere und wieviel Verluste kann ich generell langfristig tatsächlich tragen? Das sind wichtige Fragen, die es zu beantworten gilt. 

Diese Fragen fließen in die Entscheidung über die eigene Risikoaffinität und damit auch den Anteil der Aktien im Depot ein.  Je defensiver man dabei eingestellt ist, desto höher sollte der Anteil risikoarmer Anlageklassen sein. Bei Schulden verbietet sich von vornherein ein Aktieninvestment. Hier gilt es in erster Linie, diese abzubauen. Außerdem sollte man sich zuvor auch ein kleines finanzielles Polster auf dem Tagesgeldkonto zurücklegen für unvorhergesehene Ausgaben. Als Faustregel gilt dabei das Zurücklegen von rund drei Monatsgehältern. 

Bei unverändertem Risikoprofil: Jetzt umschichten

Wenn sich hinsichtlich der eigenen Lebenssituation und Risikotragfähigkeit keine Veränderungen ergeben haben, heißt es jetzt zu handeln und sein Depot entsprechend der ursprünglichen Gewichtung der einzelnen Anlageklassen anzupassen (Rebalancing). Dies heißt bei der aktuellen Situation, sich entweder von einem Teil der Anleihen zu trennen oder sein Aktiendepot aufzustocken durch den Kauf weiterer Aktien-ETF-Anteile.

Der Vorteil: Damit handeln Sie antizyklisch. Sie kaufen damit Aktien zu günstigen Kursen und verkaufen die Anlageklasse, die vielleicht schon zu hoch bewertet sind – in diesem Fall die Anleihen.

Angesichts der exorbitanten, globalen Staatsverschuldung, die im Zuge der Corona-Krise noch deutlich zunehmen wird, ist dies vielleicht auch kein schlechter Rat, seinen Anteil an Staatsanleihen zu reduzieren. Das antizyklische Verhalten macht sich auch im Renditeerfolg bemerkbar: Verschiedene Studien ergaben, dass sich durch Rebalancings die jährliche Rendite um rund 0,5 Prozent verbessert.

Rebalancing ist aber nicht Rebalancing. Es gibt hier sehr unterschiedliche Methoden einer Umschichtung an die ursprüngliche Gewichtung: 

Tipp: Sie möchten wissen, wie Rebalancing dim Detail funktioniert? In unserem Beitrag „Warum Rebalancing? Wie mache ich das?“ haben wir die Details beschrieben.

Wertabhängiges Rebalancing

Im aktuellen, äußerst volatilen Marktumfeld kommt eher ein wertabhängiges Rebalancing in Frage. Hierfür setzt man im Vorfeld bestimmte Bandbreiten für jede im Depot befindliche Anlageklasse oder Region fest. Beträgt beispielsweise die Zielallokation eines ETFs 10 Prozent (z.B. Aktien Europa), kann man ein äußeres Band bei 7 Prozent als untere Schwelle und 13 Prozent als obere Schwelle einziehen. Über- oder unterschreitet der ETF dann eine der beiden Grenzen, wird umgeschichtet. Ein Nachteil dieses wertabhängigen Rebalancings allerdings: Infolge des häufigeren Umschichtens erhöhen sich die Transaktionskosten. Je weiter die Bandbreite der Schwankungen auseinander liegen, desto geringer sind die Transaktionskosten. Gerade bei engeren Bandbreiten lohnt sich die Wahl eines Niedrigkostenbrokers wie Trade Republic oder Smartbroker, da hier nur geringe Transaktionskosten fällig werden. Denn sonst gilt die alte Börsenweisheit: Hin und her macht die Taschen leer.

Wertabhängiges Teil-Rebalancing (nach Davis und Norman)

Um anfallende Transaktionskosten zu reduzieren, kann man auch nur ein Teil-Rebalancing durchführen. Die Finanzexperten Davis und Norman haben 1990 in einem viel beachteten wissenschaftlichen Aufsatz gezeigt, dass ein nur teilweises Rebalancing unter Berücksichtigung von Transaktionskosten vollkommen ausreicht. Demnach spricht vieles dafür, dass sich die Preise recht zufällig entwickeln und so kann jede kommende Preisänderung die Mischung im Portfolio auch von selbst in Richtung der Anlageziele bewegen. Transaktionskosten würden dann keine anfallen.

Weiterhin kommen Davis und Norman zu der Annahme, dass ein marktbedingtes, wertabhängiges Rebalancing effzienter ist als ein zeitgesteuertes Rebalancing. Ihre Empfehlung lautet daher: Je nach persönlichen Ambitionen, Risikoprofil und Transaktionskosten sollten Anleger absolute Bandbreiten zwischen 5 Prozent und 10 Prozent als Richtwerte annehmen. Auf gut deutsch heißt das: Unter 5 Prozent Abweichung kann von einem Rebalancing (insbesondere mit Blick auf die Kosten) abgeraten werden bei einer Abweichung von 10 Prozent sollte es aber in Betracht gezogen werden.

Zeitgesteuertes Rebalancing

In ruhigen Börsenzeiten hingegen reicht ein zeitgesteuertes Rebalancing. Hier überprüft man sein Depot in regelmäßigen Abständen, am besten zu Jahresende. Gibt es keine deutlichen Verschiebungen, reicht es bei kleineren Depots im Wert von vielleicht 10.000 Euro auch, wenn das Rebalancing aller zwei oder drei Jahre vollzogen wird. So spart man Transaktionskosten.

Tipp: Bei Direktbanken können ETFs zu besonders günstigen Konditionen gehandelt werden. In unserem Broker-Vergleich haben wir die Konditionen der Banken zum Handel von ETFs gegenübergestellt und miteinander verglichen. Jetzt den Broker-Vergleich lesen!