Wissenswertes zur Buy and Hold-Strategie

Jeder kennt das klischeehafte Bild des hektischen, nervösen „Börsianers”, so wie es nur allzu gerne populäre Filme verbreiten und damit immer wieder von neuem suggerieren: schnelles Kaufen und Verkaufen, auch Daytrading genannt, führe zu Erfolg, frei nach dem Motto: der Schnellste gewinnt.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“

Der berühmte Ökonom André Kostolany, von dem dieses Zitat stammt, folgte stets einer unaufgeregten Investmentphilosophie, die mehr und mehr zum Common Sense wird: Wer langfristig und berechenbar investieren will, braucht einen Plan und noch wichtiger: eine Strategie – wie z. B. Buy and Hold.

Darum macht eine Buy and Hold-Strategie Sinn

Buy and Hold steht dabei grundsätzlich für eine in längeren Zeiträumen denkende, passive Anlagestrategie, die auf Schwankungen am Aktienmarkt nicht reagiert. Dabei geht es nicht nur um höhere Renditen, sondern auch um Sicherheit und Berechenbarkeit. In vielen Fällen erweist sich „Kaufen und Halten” für passive Anlageformen mit ETFs nach wie vor als Garant für langfristige und erfolgreiche Investments. Aufgrund ihrer Diversifikation und dank minimaler Kosten lassen sich selbst bei einem konservativen Risikoprofil beachtliche Renditen von rund 6 Prozent pro Jahr erzielen.

VorteilErläuterung
Wissenschaftlich fundiertStudien bestätigen, Buy and Hold funktioniert
Weniger RisikoBuy and Hold führt zu niedrigeren Schwankungen im Portfolio
Mentales WohlbefindenWeniger Streß und Zeitaufwand mit Buy and Hold
Einfach zu verstehenEinfache Umsetzung – auch für ETF-Einsteiger
Niedrige KostenVermeidung von Transaktionskosten = mehr Rendite

Vorteile der Buy and Hold-Strategie

Die Buy and Hold-Strategie bezeichnet also die Vorgehensweise von Investoren mit langfristigem Zeithorizont. Ziel ist nicht die kurzfristige Erzielung von Kursgewinnen durch Verkauf über Einstandskurs, sondern ein langfristiger Vermögenszuwachs durch nachhaltige Kurssteigerungen der erworbenen Papiere. Eine solche Strategie bringt den Anlegern vor allem „Ruhe”, doch auch andere entscheidende Vorteile:

Wissenschaftliche Bestätigung

Mehrere Studien – zumeist Untersuchungen der Kursentwicklungen der letzten Jahrzehnte – haben bewiesen, dass Buy and Hold grundsätzlich funktioniert insbesondere mit soliden Aktien und bekannten Indizes (z.B. MSCI World).

Weniger Risiko als beim Daytrading

Auch das haben viele Untersuchungen gezeigt: Kurzfristiges Handeln (Trading) an der Börse, also ein ständiges Kaufen und Verkaufen, fällt unterm Strich riskanter aus, da sich die Kursschwankungen als größer und weniger berechenbar erweisen.

Mentales Wohlbefinden

Wer eine Buy and Hold-Strategie verfolgt, widersetzt sich dem hektischen Daytrading, das von Natur aus mit viel Stress und Zeitaufwand verbunden ist. Buy and Hold entlastet: Anleger müssen nicht ständig ihr Portfolio analysieren. Wenn überhaupt ist hie und da ein Rebalancing „schwacher” Anteile vonnöten.

Einfach zu verstehen

Eine Buy and Hold-Strategie ist einfach umzusetzen – selbst für unerfahrene Anleger. Besonders da viel weniger Vorwissen nötig ist, als es etwa beim kurzfristigen Handel der Fall wäre, eignet sich Buy and Hold sogar ausgesprochen gut für Börsenanfänger.

Niedrige Kosten

Gerade weil bei einem Buy and Hold-Ansatz ein ständiges „Hin und Her” von Anfang an ausgeschlossen wird, bleiben die Handelsgebühren und besonders die Transaktionskosten vergleichsweise sehr gering.

Mögliche Nachteile von Buy and Hold?

Das Fragezeichen in der Überschrift hat insofern seine Berechtigung, dass es bei den in der einschlägigen Literatur diskutierten Nachteilen von Buy and Hold mehr um softe, vorrangig psychologische Faktoren geht, denn um echte Hard Facts und Kennzahlen.

NachteilErläuterung
DurchhaltevermögenAussitzen von Kurseinbrüchen mental schwierig
Keine schwachen AktienHohe Risiken bei Einzelaktien
Falsches TimingBesser Stück für Stück investieren
LangeweileGier frisst Hirn

Durchhaltevermögen

Früher oder später wird es zu Kurseinbrüchen kommen – ob herbeigeführt durch eine Krise, sei mal dahingestellt. Jedenfalls ist es im Sinne von Buy and Hold gerade in Zeiten einer schlechten Konjunktur und Kurseinbrüchen besonders wichtig, die nötige Ruhe zu bewahren. Wer dann aus Angst auf den Button „Verkaufen” drückt, könnte dies später bitter bereuen.

Keine schwachen Aktien ins Depot holen

Wie oben bereits erwähnt haben mehrere Studien gezeigt, dass Buy and Hold- Strategien grundsätzlich eher mit soliden Aktien bzw. großen, bekannten Indizes funktionieren – z.B. mit MSCI World oder MSCI ACWI. Ein „stures” Buy & Hold bei schwachen Aktien kann natürlich erhebliche Verluste mit sich bringen. Auch trotz oder gerade wegen Buy and Hold gilt der Börsengrundsatz: schwache Aktien im Depot dürfen ruhig auch mal ausgetauscht werden (Stichwort: Rebalancing).

Falscher Ein- bzw. Ausstiegszeitpunkt

Natürlich kann es immer sein, dass Anleger den falschen Zeitpunkt fürs „Kaufen und Halten” wählen. Doch dieses Risiko lässt sich sehr einfach umschiffen: Für eine einfache Bestimmung aktuell starker Indizes (ETFs) genügt oft schon ein Blick auf fundamentale Kennzahlen wie die Schiller-KGV oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Einem ungünstigem Ausstiegspunkt kann man einfach begegnen, indem man nicht alles auf einmal, sondern sein Depot in Etappen Stück für Stück verkauft.

Geduld ist nicht gleich Langeweile

Die Tugend der Geduld wird im Kontext Buy and Hold tatsächlich immer wieder als „Nachteil” angeführt, doch das erweist sich schnell als Wolkenkuckucksheim, wenn man die Argumentation genauer unter die Lupe nimmt: Demnach sei es eine andere Tugend, die Gier, die den Anleger dazu antreibt, möglichst schnell hohe Renditen einzufahren. Außerdem sei das lange Warten vielen Anlegern schlicht zu langweilig. Beides ist mit Hinblick auf die Theorie von Buy and Hold natürlich Quatsch: Demnach ist ja gerade die Geduld, die am Ende eine lukrative Rendite in Aussicht stellt.

Warum sich langfristige Investitionen auszahlen

Sind Aktien wirklich so riskant wie viele denken? Klar: Aktienkurse schwanken – das ist ein Binse. Doch daraus einfach abzuleiten, dass das Geld besser auf einem Sparkonto untergebracht wäre, erweist sich bei genauerem Hinsehen als Trugschluss. Denn wer langfristig anlegt, geht ein überschaubares Risiko ein, dass gerade in Zeiten extrem niedriger Zinsen auch nicht schwerer wiegt, als das Risiko, dass die Inflation das Geld auf dem Sparkonto langsam aber sicher „auffrisst”.

Zu viele Anleger wissen einfach nicht, dass man mit Aktien in den vergangenen Jahrzehnten tolle Renditen einfahren konnte – trotz mancher Rückschläge, die es im Sinne von Buy and Hold eben „auszusitzen” gilt. Was mit einer einzigen Aktienanlage eher nicht gelingt, gelingt sehr wohl mit diversifizierten Portfolios.

Um das zu verstehen, kann man sich zum Beispiel die Kursentwicklung des MSCI World ansehen. Wenn man nur auf die zurückliegenden Jahre schaut, so gab es immer wieder Phasen mit deutlichen Kursrückgängen. Langfristig gesehen sieht das Bild aber schon ganz anders aus.

Nicht die falschen Schlüsse ziehen

Wie an anderer Stelle schon erwähnt: Das bedeutet keineswegs, dass so etwas vergleichbares mit jedem x-beliebigen Depot funktioniert. Wer das Gesamtrisiko möglichst minimieren will, tut sicher gut daran, auf einen großen Index zu setzen, was aber nicht heißt, dass Anlagegrundsätze oder Methoden wie die Diversifikation und Asset Allocation keine wesentliche Rolle dabei spielen.

So haben in den letzten 40 Jahren auch andere Indizes eine ähnlich beeindruckende Performance hingelegt: z.B.: MDAX, SDAX, TecDAX, Dow Jones, S&P 500 oder Nasdaq. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Trotz alledem gibt es natürlich keine Garantie darauf, dass Indizes, die in den letzten Jahrzehnten so gut gelaufen sind, eine ähnliche Performance auch in Zukunft erzielen. Dennoch gibt es wenig Gründe, warum die Weltwirtschaft in den nächsten 100 Jahren nicht ähnlich waschen sollte wie in den letzten 250 Jahren seit der industriellen Revolution. In langen Zyklen ticken die Uhren eben anders. Genau deshalb spielen Diversifikation und Asset Allocation eine so große Rolle, da sie etwaige Risiken durch das Aufsetzen breiter Depots ausgleichen können.

Tipp: Sie möchten sich mehr über das Thema Asset Allocation informieren? In unserem Beitrag „Was versteht man unter Asset Allocation?“ haben wir das im Detail beschrieben.

Buy and Hold funktioniert – aber bitte diversifiziert

Die Devise heißt schlicht: Ruhe bewahren, langfristig denken und schlechtere Zeiten am besten ignorieren. Bei der Mischung 50:50 (Aktien und Anleihen) ist mit Verlusten von bis zu 9 Prozent in einem oder bis zu 16 Prozent in zwei Jahren durchaus zu rechnen. Auf lange Sicht aber machen die guten Jahre derartige Verluste wieder wett. Der Grund liegt wesentlich in der Diversifikation mit ihrer doppelten Funktion – als Renditestabilisator und Verlustbegrenzer.

Wer breit gestreut in verschiedene Märkte investiert, erhöht seine Renditechancen und kann Verluste in einem Segment mit den Renditen der anderen ausgleichen. Vor diesem Hintergrund gilt eine Verlusttoleranz von bis zu 50 Prozent als relativ problemlos: Es ist kaum anzunehmen, dass alle Märkte wie Aktien, Renten oder Rohstoffe zugleich zusammenbrechen. Die Portfoliotheorie von Markowitz hat nach wie vor ihre Gültigkeit.

Erwartete Rendite eines Buy and Hold-Portfolios

Gerd Kommer hat in seinem Buch "Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs" verschiedene Rendite/Risiko-Szenarien beschrieben.
 Portfolio 1Portfolio 2Portfolio 3Portfolio 4Portfolio 5
% risikofreie Anlage10 %30 %50 %70 %90 %
% Weltportfolio90 %70 %50 %30 %10 %
maximaler Verlust22 %17 %9 %6 %2 %
erwartete Rendite p. a.8,7 % 7,5 %6,1 %4,6 %3,1 %
empf. Mindestanlagedauer10 Jahre8 Jahre6 Jahre3 Jahre2 Jahre
Quelle: Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs

Kaufen, halten, erhalten – nicht ganz so einfach!

Wichtig ist, dass ein Anleger von Anfang an über alle Aspekte eines ETF-Investments informiert ist. Ohne Beratung oder einer eigenständigen Einarbeitung ist ein unerfahrener Anleger bei der Zusammenstellung eines sicheren und zugleich chancenorientierten Investments oft überfordert.

Spätestens beim jährlichen Rebalancing ist professionelle Hilfe gefordert. Denn hier muss in regelmäßigen Abständen das ursprüngliche Risikoprofil wiederhergestellt werden, weil sich im Laufe der Zeit beim „Auf und Ab” der Märkte die Gewichtung immer mehr zugunsten der Klassen mit höherer Rendite verschiebt.

Ohne diese Anpassungen würde das Investment schon nach wenigen Jahren nicht mehr der Ausgangsdefinition entsprechen. Durch das entsprechende Anpassung einzelner Anlageklassen bleibt das Ursprungsprofil erhalten. Und das ist natürlich auch ein wesentlicher Bestandteil jeder erfolgreichen Buy and Hold-Strategie.

Was bekannte Investoren zu Buy and Hold sagen

Benjamin Graham

Bereits der einflussreiche amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Investor Benjamin Graham wies bereits Ende der Vierziger Jahre darauf hin, dass Anleger möglichst wenige Werte erwerben und viele Jahre liegen lassen sollen. Grahams bekanntestes und einflussreichstes Werk „The Intelligent Investor“ wurde 1949 veröffentlicht: Das Buch wurde bis heute über eine Million Mal verkauft und gilt vielen als die „Investment-Bibel“ überhaupt.

John Bogle

John Bogle, der Gründer von Vanguard hat die Methode des Buy and Hold dann Mitte der 70er Jahre erweitert und die Idee erstmals mit Indexfonds verknüpft. Anleger sollten nach John Bogle also nicht auf Einzelwerte (Aktien) setzen, sondern ihr Portfolio an einen Index passiv ausrichten und das möglichst breit gestreut. Denn die Volkswirtschaften würden immer wachsen, so Bogles Einschätzung.

Warren Buffett

Und auch der populäre Großinvestor und Milliardär Warren Buffett empfiehlt seinen Anlegern, dass sie unbedingt Aktien halten sollten – und das am besten für immer oder wie Buffett sich (überspitzt) zitieren lässt: „Hin und her macht Taschen leer”.

André Kostolany

Am deutlichsten spricht jedoch die eingangs zitierte Investoren-Legende André Kostolany über die Vorzüge einer Buy and Hold-Strategie, wenn er sagt:

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“

Wer diesen Beitrag aufmerksam verfolgt hat, weiß, auf welche Argumente sich Kostolany berufen kann.

Strategie von Buy and Hold mit ETFs für Kleinanleger

Das Buy and Hold-Prinzip stellt eine solide Basis eines erfolgreichen ETF-Investments dar. Es ist geradezu ideal für Kleinanleger, die langfristig Vermögen aufbauen oder für das Alter vorsorgen wollen. Entweder als Einmaleinlage oder in Kombination mit einem Sparplan.

Aufgrund der Nachfrage unserer Nutzer hat extraETF verschiedene ETF-Musterportfolio entwickelt. Diese Risikotypen bieten je nach persönlichem Risikoprofil eine gute Orientierung, wie ein ETF-Portfolio aussehen kann.

ETF-Musterportfolios für ETF-Einsteiger

Aufgrund der Nachfrage unserer Nutzer hat extraETF verschiedene ETF-Musterportfolio entwickelt. Diese bieten je nach persönlichem Risikoprofil eine gute Orientierung, wie ein ETF-Portfolio aussehen kann.
PortfolionameAktienquoteAnzahl ETFs
easy Einmalanlage 2525 Prozent2
easy Einmalanlage 5050 Prozent2
easy Einmalanlage 7575 Prozent2

Fazit: Geduld ist die oberste Tugend des Investors

Langfristig planen, Ruhe bewahren und sich nicht von Schwankungen an den Börsen oder Negativmeldungen irritieren lassen. Wer diesen Grundsatz beherzigt, wird mit seinem ETF-Investment am Ende besser dastehen, als viele Kritiker glauben lassen.

Dreh- und Angelpunkt ist dabei eine „konservative” Mischung: 50 Prozent risikoarme Anlagen und 50 Prozent Aktienanteil mit etwas höherem Risiko. Die passende Mischung und vor allem der Faktor Zeit sind entscheidend.

Ruhe obsiegt über blinden Aktionismus und unreflektiertes Herdenverhalten. Man darf nicht meinen, irgendwelchen Trends hinterherlaufen zu müssen. Wenn man einmal zu Anfang seine Risiko-Rendite-Profil definiert und die richtige Asset- Allocation zusammenstellt, muss man einfach bis zum Schluss unbeirrt dabeibleiben – auch wenn kurzfristige Rückschläge mehr oder weniger zu erwarten sind. Benjamin Graham sagte: „Geduld ist die oberste Tugend des Investors.“ Man sollte ihm glauben.

Tipp: Bei Direktbanken können ETFs zu besonders günstigen Konditionen gehandelt werden. In unserem Broker-Vergleich haben wir die Konditionen der Banken zum Handel von ETFs gegenübergestellt und miteinander verglichen. Jetzt den Broker-Vergleich lesen!