Auszahlplan (Entnahmeplan) mit ETFs – So geht´s

Durch eine fällige Rentenversicherung, einen Wohnungsverkauf oder eine Erbschaft stehen oft signifikante finanzielle Mittel zur Verfügung. Spätestens dann beschäftigen sich viele Anleger mit der Frage, wie das Vermögen sinnvoll angelegt werden kann. Oft geht es dabei auch um die Frage, wieviel man regelmäßig von seinem Kapital entnehmen kann, um sich einen schönen Lebensabend zu finanzieren. Mit einem Auszahlplan (bzw. Entnahmeplan) kann eine renditestarke Geldanlage mit einer regelmäßigen Auszahlung kombiniert werden. 

Dieser Beitrag gibt Ihnen eine Orientierung darüber, welche Punkte Sie bei der Anlage eines Auszahlplans beachten müssen. Zudem stellen wir vor, welche Banken Entnahmepläne im Angebot haben.

Was ist ein Auszahlplan bzw. Entnahmeplan?

Um mit einem Auszahlplan beginnen zu können, müssen Sie über ein entsprechendes Wertpapiervermögen verfügen. In einem meist monatlichen Rhythmus werden dann Anteile der Wertpapiere verkauft und der Verkaufserlös dem Konto gutgeschrieben. In welche Wertpapiere dabei investiert wird, ist dem Anleger überlassen. Am einfachsten und günstigsten geht das aber mit ETFs. Dabei kann man sich ein einfaches ETF-Portfolio zusammenstellen oder in fertige Portfolio-ETFs investieren. Die monatlichen Auszahlungen ergänzen das reguläre Einkommen oder die Rente. Welcher Betrag sinnvollerweise aus dem Vermögen entnommen werden sollte, erläutern wir später.

Wie funktioniert ein Auszahlplan?

Die Anlage eines Auszahl- bzw. Entnahmeplan ist genauso einfach wie die Anlage eines Dauerauftrags für Miete oder sonstige regelmäßigen Zahlungen. Sie erteilen der Bank den Auftrag, monatlich für einen bestimmten Betrag Wertpapiere zu verkaufen und Ihnen den Erlös daraus auf einem Konto Ihrer Wahl gutzuschreiben. 

Auszahlplan – Schritt für Schritt

  1. Auswahl der Bank für einen Entnahmeplan.
  2. Auswahl der Wertpapiere (ETFs oder Portfolio-ETFs).
  3. Investition in die gewählten Wertpapiere.
  4. Anlage des Auszahlplans bei der Bank (Betrag, Termin, Konto).

Welche Anlagemöglichkeiten gibt es?

Nachfolgend werden mögliche Anlagealternativen zur Umsetzung einer Anlagestrategie näher beleuchtet.

  • Tages- bzw. Festgeld: Bei dieser Anlageform gibt es wenig bis keine Zinsen und die Inflation lässt das Geld sogar Stück für Stück weniger werden. Aktuell also nicht zu empfehlen.
  • Aktien: Im Gegensatz zu Tages- und Festgeld bieten Aktien generell eine höhere Rendite, allerdings unterliegen sie Wertschwankungen. Dieses Risiko, auch eines möglichen Totalverlusts, sollte nicht außen vorgelassen werden. Zudem sind auch die Faktoren Wissen und Zeit zu berücksichtigen. 
  • Aktien über ETFs: Hier können ETFs ihre Vorteile voll ausschöpfen, denn durch kostengünstige ETFs kann sehr leicht ein Portfolio nach den eigenen Wünschen erstellt werden. Zusätzlich wird durch den Einsatz sehr schnell eine breite Diversifikation, auch über Assetklassen hinweg, erreicht.
  • Robo-Advisor: Abseits einer Anlage in Eigenregie kann man auch die Dienste eines digitalen Vermögensverwalters in Anspruch nehmen. Dieser kümmert sich um die Anlage und den monatlichen Auszahlplan.

Welche Probleme bzw. Fragestellungen gibt es bei einem Entnahmeplan?

Mit seinem Sparvermögen die Rente aufstocken hört sich eigentlich ganz einfach an. Einfach das Kapital möglichst renditestark anlegen, regelmäßig einen Teil davon auszahlen und einen ruhigen Lebensabend genießen. Nutzt man einen Auszahlplan speziell zur Aufstockung des Einkommens oder Rente, stellt sich die Frage, wieviel Kapital entnommen werden kann, damit das Zusatzeinkommen auch bis zum Lebensende ausreicht. 

Pleiterisiko

Das Problem: Wenn man zu viel Kapital entnimmt, besteht das Risiko, dass im hohen Lebensalter das Sparvermögen aufgebraucht wird. Aber gerade hier kommen oft hohe Kosten für Pflege oder Medikamente auf den Anleger zu.

Die Lösung: Dem Pleiterisiko kann mit einer konservativen Entnahmestrategie entgegengewirkt werden. Studien haben gezeigt, dass die Anwendung der 4-Prozent-Regel eine passable Lösung dafür sein kann. Mehr dazu später.

Risiko Konsumverzicht

Das Problem: Wenn man eine sehr konservative Entnahmestrategie wählt, dann besteht das Risiko, dass man wesentlich weniger aus seinem Portfolio entnimmt, als man könnte. Der Sparer verzichtet also auf ein Stück Luxus zu Lebzeiten.

Die Lösung: Auch hier kann die 4-Prozent-Regel weiterhelfen. Eine Alternative wäre es jedes Jahr nur so viel zu entnehmen, was das Portfolio wirklich erwirtschaftet hat. Der Auszahlplan müsste also jährlich angepasst werden. Nachteil wäre dabei aber ein jährlich schwankendes Einkommen.

Risiko niedrige Rendite

Das Problem: Ganz nach dem Prinzip des magischen Dreiecks der Vermögensanlage geht es wie bei jeder Geldanlage um die folgenden Faktoren: Sicherheit, Liquidität und Rentabilität. Eine zu geringe Rendite sorgt für niedrige Erträge und Auszahlraten. Eine risikoreiche Anlage sorgt für starke Schwankungen bei Sparvermögen und Auszahlraten.

Die Lösung: Mit einem in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien breit gestreuten ETF-Portfolio kann man die Schwankungen deutlich reduzieren. Dennoch bietet dieser Portfolio-Mix langfristig einen hohen Ertrag. Für den Anleger gilt es deshalb einen Portfolio-Mix zu finden, der mit der persönlichen Risikobereitschaft übereinstimmt.

Was bedeutet es zu einem niedrigen oder hohen Zins Geld anzulegen.

Die Renditehöhe hat neben der Laufzeit der Auszahlung einen entscheidenden Einfluss auf die Höhe der möglichen Geldentnahme. Die Tabelle zeigt eindrucksvoll, welche massiven Konsequenzen ein Renditeunterschied haben kann.

Kapital1 % Zins p.a.5 % Zins p.a.
50.000 €500 €2.500 €
100.000 €1.000 €5.000 €
250.000 €2.500 €12.500 €
500.000 €5.000 €25.000 €
1.000.000 €10.000 €50.000 €

Welche Entnahmestrategien gibt es?

Im Rahmen eines Auszahlplans gibt es zwei verschiedene Entnahmestrategien, die mit oder die ohne Kapitalverzehr.

Mit Kapitalverzehr

Bei einem Entnahmeplan mit Kapitalverzehr lässt man sich neben den laufenden Erträgen zudem einen Teil des investierten Kapitals auszahlen. Man greift damit auf die Substanz des Kapitals zurück. Um den Entnahmebetrag zu errechnen, benötigt man neben der Rendite auch die Entnahmedauer. Vorteil dieser Variante ist ein deutlich höherer Auszahlungsbetrag. Nachteil ist, dass am Ende der Entnahmedauer das Kapital komplett aufgebraucht ist.

Ohne Kapitalverzehr

Bei einem Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr werden nur die laufenden Erträge des Anlagekapitals ausgezahlt – die Substanz bleibt also erhalten. Ein Auszahlplan ohne Kapitalverzehr wird daher auch als „ewige Rente“ bezeichnet. Nachteil ist, dass die Entnahme nicht so hoch ausfällt wie beim Entnahmeplan mit Kapitalverzehr.

Wieviel Geld sollte ich aus meinem Sparvermögen entnehmen?

Wer sich mit der Frage des optimalen Entnahmebetrags beschäftigt, kommt schnell mit der 4-Prozent-Regel in Kontakt. Diese Regel geht auf eine US-Studie der Trinity-Universität in Texas zurück. Im Rahmen der Studie wurde versucht herauszufinden, wieviel Kapital man jährlich von einem vorhandenen Vermögen entnehmen (konsumieren) kann, ohne jemals dabei Pleite zu gehen. Dazu haben die Forscher ein fiktives Wertpapierportfolio, das je zur Hälfte in US-Aktien und US-Anleihen angelegt war, über verschiedene 30-Jahres Zeiträume untersucht.

Das Ergebnis: Wurde jährlich nicht mehr als vier Prozent des Vermögens entnommen, war am Ende jeder untersuchten Zeitperiode noch Kapital übrig.

Die Studie wurde zwar nur auf Anlagen in US-Wertpapiere und nur für eine Zeitperiode von 30 Jahren ausgelegt, sie stellt aber dennoch eine belastbare Aussage – auch für europäische Anleger dar.

Die 4-Prozent-Regel kann auch für die Frage des Kapitalbedarfs herangezogen werden. Dazu nimmt man beispielsweise das 25-fache der jährlichen Ausgaben. Beispiel: Sie haben laufende Kosten von 3.000 Euro im Monat (36.000 Euro pro Jahr). Nach der 4-Prozent-Regel müssten Sie über 900.000 Euro Kapital verfügen, um sich mit einer hohen Sicherheit monatlich 3.000 Euro aus dem Kapital zu entnehmen.

Welche ETFs bieten sich für einen Auszahlplan an?

Für einen Auszahlpan bieten sich besonders kostengünstige, breit gestreute Welt-ETFs an. Aber auch ETF-Portfolios oder ETF-Portfoliokonzepte sind im Rahmen eines Auszahlplans interessant. 

Einzelne ETFs

Das ETF-Angebot lässt keine Wünsche offen, um sich ein individuelles ETF-Portfolio zu erstellen. Der Auszahlplan kann auf einen einzelnen ETF oder auch auf mehrere ETFs angewendet werden. Die Möglichkeiten sind daher nahezu unbegrenzt. Zu komplex sollte das Portfolio aus unserer Sicht allerdings nicht sein, denn es muss ja auch gepflegt werden, z. B. durch ein jährliches Rebalancing. Hier kann es schnell komplex werden.

In unserem Bereich ETF-Musterportfolios haben wir rund 70 ETF-Portfolios zusammengestellt. Einige setzen dabei sogar auf nur zwei ETFs. Lassen Sie sich gerne davon inspirieren.

Portfolio-ETFs

Eine pflegeleichte, wenn auch etwas teurere Alternative stellen Portfolio-ETFs dar. Dies sind fertige ETF-Portfolios, in die über ein Wertpapier investiert werden kann. Der Portfolio-ETF liegt dann in Ihrem Depot, die Bank verkauft davon dann monatlich Anteile und schreibt den Betrag Ihrem Konto gut.

Das Management der ETFs, die Wiederanlage von Erträgen, das jährliche Rebalancing wird dann von dem Anbieter direkt im Portfolio-ETF vorgenommen. Der Anleger braucht sich darum also nicht selbst kümmern.

Inzwischen gibt es auch Portfolio-ETFs mit unterschiedlichen Aktienquoten. Welche Produkte es gibt, haben wir in einem extra Multi-Asset-ETFs Leitfaden zusammengestellt. Zudem können Sie diese ETFs direkt über unsere ETF-Suche aufrufen.

Tipp: Digitale Vermögensverwaltungen sind eine bequeme Alternative zu einem Auszahlplan mit ETFs. Wir haben die Angebote der Robo-Advisors untersucht. Jetzt die Robo-Advisors mit Auzahlplänen entdecken!

Beispielberechnungen für Entnahmepläne

Aus den folgenden Tabellen können Sie verschiedene Berechnungen für Auszahlpläne entnehmen.

Diesen Betrag können Sie monatlich entnehmen

Die folgenden Beispiele haben wir mit einer jährlichen Rendite von fünf Prozent und einer Rentendauer von 20 Jahren (mit Kapitalverzehr) gerechnet. Steuern und Kosten sind bei den Beispielen nicht berücksichtigt.

KapitalMit Kapitalverzehr pro MonatOhne Kapitalverzehr pro Monat
50.000 €328,61 €207,47 €
100.000 €657,22 €414,94 €

Beispielberechnung für Zielrente

Die folgenden Beispiele haben wir mit einer jährlichen Rendite von fünf Prozent und einer Rentendauer von 20 Jahren (mit Kapitalverzehr) gerechnet. Steuern und Kosten sind bei den Beispielen nicht berücksichtigt. (KV = Kapitalverzehr)

Soviel müssen Sie für Ihre Zielrente ansparen

So lesen Sie die Tabelle: Wer bei einem Auszahlplan ohne Kapitalverzehr eine monatliche Zielrente von 500 Euro haben möchte, muss bei 30 Jahren Ansparzeit monatlich 144,19 Euro sparen. 

Ansparzeit500 € Zielrendite 1.000 € Zielrendite
mit KVohne KVmit KVohne KV
10 Jahre487,90 €772,79 €975,81 €1.545,57 €
15 Jahre283,45 €448,95 €566,90 €897,90 €
20 Jahre184,32 €291,95 €368,64 €583,89 €
25 Jahre127,22 €201,51 €254,45 €403,02 €
30 Jahre91,03 €144,19 €182,07 €288,37 €
35 Jahre66,69 €105,63 €133,37 €211,25 €
40 Jahre49,65 €78,64 €99,29 €157,27 €
45 Jahre37,39 €59,22 €74,77 €118,43 €
50 Jahre28,39 €44,97 €56,78 €89,93 €

Was kostet ein ETF-Auszahlplan?

Nicht jede Bank bietet einen automatischen Auszahlplan an. In diesem Fall müssten Sie dann monatlich selbst ETF-Anteile verkaufen. Viel praktischer ist es da natürlich, wenn die Bank den Auszahlplan als eigene Funktion bietet. Einmal eingerichtet werden die Fondsanteile dann automatisch von der Bank verkauft. 

Die Ausführungskosten unterscheiden sich dabei deutlich. Bei einer Entnahmerate von 500 Euro liegen die Kosten beispielsweise in einer Bandbreite von einem bis zu 12,50 Euro. 

Welche Banken bieten einen ETF-Auszahlplan an?

Aus der folgenden Tabelle können Sie alle Banken entnehmen, die derzeit einen ETF-Auszahlplan anbieten. Aus der Tabelle können Sie zudem die individuellen Konditionen der Bank entnehmen. 

Wir empfehlen für die Anlage eines Auszahlplans die Angebote der Banken DKB, Finvesto und Wüstenrot

BankMindestentname/
Mindestdepotvolumen
KostenBeispiel bei 500 Euro Entnahme 
Consorsbank25 € / > 10.000 €4,95 € + 0,25 % + Börsenplatzentgelt
(mind. 9,95 €)
9,95 €Depot eröffnen
DKB50 € / -1,50 €1,50 €Depot eröffnen
Finvesto125 € / > 5.000 €0,20 %1,00 €Depot eröffnen
Flatex50 € / -5,90 €5,90 €Depot eröffnen
Netbank25 € / -0,20 %1,00 €Depot eröffnen
S Broker50 € / > 10.000 €2,50 %12,50 €Depot eröffnen
Targobank50 € / -Klassik-Depot: 2,5 % (mind. 1,50 €, max. 3,00 €)
Plus-Depot: kostenfrei
3,00 €Depot eröffnen
Wüstenrot125 € / -0,20 %1,00 €Depot eröffnen

Unsere Empfehlung

Ein Auszahlplan ist eine praktische Möglichkeit sich regelmäßig, automatisiert einen festen Betrag auszahlen zu lassen. Einmal eingerichtet übernimmt die Bank den regelmäßigen Verkauf der ETF-Anteile und schreibt den Verkaufserlös auf dem Konto gut. Für eine ewige Rente sollten sich Anleger für einen Auszahlplan ohne Kapitalverzehr entscheiden. Ein Auszahlplan mit Kapitalverzehr erhöht die monatliche Auszahlung, läuft dafür aber nur einen begrenzten Zeitraum. Die 4-Prozent-Regel gibt eine gute Orientierung über die Höhe der möglichen Auszahlung.

Wir empfehlen für die Anlage eines Auszahlplans die Angebote der Banken DKB, Finvesto und Wüstenrot

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