ETF-Sparplan oder ETF-Versicherung?

Eine ETF-Versicherung mit ihren Steuervorteilen kann eine attraktive Alternative zu einem ETF-Sparplan sein. Folgender Beitrag zeigt die Vor- und Nachteile der Kapitalanlage in einer ETF-Versicherung gegenüber einem ETF-Sparplan.

Was ist der Unterschied zwischen einer ETF-Versicherung und einem ETF-Sparplan?

Eine ETF-Versicherung ist im Grunde ein Sparvertrag wie ein ETF-Sparplan auch. Der große Unterschied ist, dass die Anlage bei einer ETF-Versicherung mittels einer Rentenversicherung (ETF-Police) stattfindet. Der Anleger schließt also einen Vertrag mit einer Versicherung ab und nicht mit einer Bank wie bei einem ETF-Sparplan.

Der große Vorteil einer ETF-Versicherung ist, dass der Staat die Anlage mit Steuervorteilen fördert. Das führt zu einem höheren Guthaben als bei einem ETF-Sparplan. Dafür ist eine ETF-Versicherung in der Regel teurer als ein ETF-Sparplan. Die Frage ist also, ob bzw. ab wann sich eine ETF-Versicherung rechnet.

Traditionell waren ETF-Versicherungen im Vergleich zu einem ETF-Sparplan recht unflexibel. Der Stand des Guthabens war nicht einsehbar und Beitragsänderungen gingen nur über den Versicherungsmakler. Zudem war das Angebot an preisgünstigen ETFs sehr beschränkt. Typischerweise wurden für eine „Fondsgebundene Rentenversicherung“ teure aktive Fonds empfohlen.

In den letzten Jahren hat sich das Angebot von ETF-Versicherungen jedoch deutlich verbessert. Die typischen Vorteile eines ETF-Sparplans, wie ein Online-Konto und flexible Beitragszahlungen, werden nun auch mit einer ETF-Versicherung angeboten. Zudem hat sich das Angebot der sparfähigen ETFs merklich erweitert.

Zeit also, ETF-Versicherung und ETF-Sparplan gegenüber zu stellen und zu beurteilen. Folgender Vergleich ergibt sich.

Vergleich ETF-Versicherung und ETF-Sparplan

 ETF-VersicherungETF-Sparplan
VertragspartnerVersicherungBank
Angebot an ETFsEingeschränkt, aber zunehmendSehr groß
Versteuerung der ErträgeKeine Abgeltungssteuer, dafür Halbeinkünfteverfahren

Teilfreistellung: 15 %
Abgeltungssteuer auf Dividenden und Kursgewinne (bzw. Vorabpauschale)

Teilfreistellung: 30 % (bei ETFs mit >51 % Aktien)
VerwaltungOnline (einzelne Anbieter)Online
BeiträgeFlexibel (einzelne Anbieter)Flexibel
Kosten (all in Effektivkosten)0,8 % - 0,9 %
(mit Weltportfolio)
0,3 % - 0,4 %
(mit Weltportfolio)
SicherheitSicherungsvermögen (100 % gesichert)Sondervermögen (100 % gesichert)

Der Vergleich zeigt, dass sich eine ETF-Versicherung und ein ETF-Sparplan vor allem bei den Steuern und bei den Kosten unterscheiden. Diese Themen möchten wir jetzt vertiefen.

Welche Steuervorteile bietet eine ETF-Versicherung?

Durch die Anlage über eine ETF-Versicherung nutzt der Anleger die Steuervorteile einer privaten Rentenversicherung. Der Staat bietet diese Steuervorteile, weil er die langfristige Vermögensanlage fördern möchte („Dritte Schicht“ der Altersvorsorge). Dazu verzichtet der Staat vorerst auf die Versteuerung von Kapitalerträgen. Das heißt, Dividenden und realisierte Kapitalgewinne werden nicht mit Abgeltungssteuer (plus Soli und ggf. Kirchensteuer) belastet. Stattdessen werden die Erträge erst später versteuert, wenn der Anleger sich das Guthaben auszahlt. Dabei sind zwei Varianten möglich:

Besteuerung bei Kapitalauszahlung: Wenn sich der Anleger am Laufzeitende der ETF-Versicherung sein Guthaben ausbezahlt, werden die aufgelaufenen Erträge nach einer Teilfreistellung in Höhe von 15 % zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.

Besteuerung bei Verrentung: Wenn der Anleger sich für eine Verrentung seines Guthabens entscheidet, wird ein geringer Teil der Rente (zum Beispiel 17% bei Rentenbeginn im Alter von 67 Jahren) als Ertrag mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.

Steuervorteile einer ETF-Versicherung

Die ETF-Versicherung liefert im Vergleich zu einem ETF-Sparplan also bis zu drei Steuervorteile.

Steuervorteil 1: nachgelagerte Besteuerung

Erstens werden die Erträge später versteuert. Dadurch verbleibt das Geld länger auf dem Konto und der Anleger nutzt den Zinseszins Effekt auf die zunächst unversteuerten Erträge.

Steuervorteil 2: niedriger Steuersatz

Zweitens werden die Erträge zu einem niedrigeren Tarif versteuert. Bei einer Kapitalauszahlung wird die Hälfte des persönlichen Steuersatzes angewendet, also maximal die Hälfte von 47 % (inklusive Soli). Das ist immer niedriger als die Abgeltungsteuer (26 % inklusive Soli) die bei einem ETF-Sparplan angesetzt wird.

Steuervorteil 3: niedrigere Steuerbasis

Drittens wird im Fall einer Verrentung des Vermögens eine niedrigere Steuerbasis angesetzt. Bei einer Verrentung mit 67 Jahren wird eine pauschaler Ertragsanteil von 17 % der Rente angenommen. Bei einer langjährigen Anlage liegt der Ertragsanteil des Vermögens typisch bei 40 % – 60 %. Entsprechend höher ist der Steuerlast bei einem ETF-Sparplan.

Exkurs: Die 12/62 RegelVoraussetzung für die günstigere Versteuerung bei einer Rentenversicherung ist, dass der Vertrag mindestens 12 Jahre gelaufen ist und der Kunde bei Auszahlung mindestens 62 Jahre alt ist. Wenn dies nicht der Fall ist, werden die ausgezahlten Erträge mit der Abgeltungssteuer belastet, wie bei einem ETF-Sparplan. Zwar bleibt der Vorteil des Zinseszinseffekts erhalten (bis zum Zeitpunkt der Auszahlung), die Vorteile der niedrigeren Tarif und Steuerbasis gehen jedoch verloren.

Was bringen die Steuervorteile?

Für einen Vergleich zwischen ETF-Versicherung und ETF-Sparplan betrachten wir die folgende Anlage:

  • Anlage Aktien ETFs (physisch replizierend, ausschüttend, Ausschüttung reinvestiert)
  • Jährliche Rendite von 6,0 %, verteilt über 2,4 % Dividende und 3,6 % Kursgewinn
  • Umschichtung von 25 % am Ende des Jahres
  • Abgeltungssteuer von 26,375 %.
Exkurs: InvestmentsteuerreformSeit 1.1.2018 gelten neue Regeln für die Besteuerung von ETFs. Ab dann versteuert der Staat einen Basisertrag der gleich ist am Basiszins (momentan) 0,87 % x 0,7 ergibt 0,61 %. Diese pauschalen 0,61 % auf den Depotwert werden mit dem Abgeltungssteuersatz versteuert, auch wenn nicht verkauft wird. Somit ist es eine Vorabpauschale und wird später mit dem realisierten Kursgewinn verrechnet. Die Vorabpauschale entfällt aber, wenn der realisierte Kursgewinn und / oder die ausgeschüttete Dividende höher sind als der Basisertrag. In unserem Rechenbeispiel unterstellen wir eine ausgeschüttete Dividende von jährlich 2,4 % also können wir das Thema ignorieren.

Um die Unterschiede zu verdeutlichen betrachten wir zunächst eine Anlage in Höhe von 1.000 Euro für ein Jahr, wie folgt:

 ETF-VersicherungETF-Sparplan
Einzelanlage1.000 Euro1.000 Euro
Rendite (brutto)6 %6 %
Ertrag (brutto)60 Euro, davon

24 Euro Dividende
36 Euro Kursgewinn
60 Euro, davon

24 Euro Dividende
36 Euro Kursgewinn
Steuer auf Dividende0 Euro4,43 Euro (nach 30 % Teilfreistellung)
Steuer auf Kursgewinn0 Euro1,66 Euro (bei 25 % Umschichtung, nach 30 % Teilfreistellung)
Kontostand am Jahresende1.060 Euro1.054 Euro

Der Kontostand am Jahresende in der ETF-Versicherung beinhaltet also den ganzen Bruttoertrag, ohne Steuer. Dadurch hat die ETF-Versicherung auf lange Sicht eine höhere innere Verzinsung im Vergleich zum ETF-Sparplan. Zudem wird am Ende der Laufzeit mit einem niedrigeren Steuersatz versteuert. Das macht sich bei der Auszahlung bemerkbar.

Exkurs: Persönlicher Steuersatz bei der ETF-VersicherungDie Erträge einer ETF-Versicherung werden bei Auszahlung (im Alter von mindestens 62 Jahren) nach Abzug der 15 % Teilfreistellung zur Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. In der Regel ist der persönliche Steuersatz im Alter niedriger als im Berufsleben. Dabei lässt sich der Steuersatz weiter drücken, wenn die Auszahlung über mehreren Jahren verteilt wird. Entsprechend verwenden wir einen persönlichen Steuersatz von 25 % in unserem Rechenbeispiel.

Vergleich: Einmalanlage vs. ETF-Versicherung

Das zeigt folgende Tabelle, mit einer Einmalanlage von 10.000 Euro bei 25 Jahren Laufzeit.

 ETF-VersicherungETF-Sparplan
Einzelanlage10.000 Euro10.000 Euro
Jährliche Rendite (brutto)6 %6 %
Kontostand nach 25 Jahren42.919 Euro34.136 Euro
Bereits versteuerte Erträge0 Euro25.831 Euro
Noch zu versteuernden Ertrag32.919 Euro3.074 Euro
Endbesteuerung3.498 Euro567 Euro
Auszahlung39.421 Euro33.568 Euro
Rendite nach Steuer5,64 %4,96 %
Renditeminderung durch Steuer0,36 %1,04 %

Die Auszahlung bei der ETF-Versicherung ist mit 39.421 Euro also um 5.853 Euro höher als beim ETF-Sparplan. Anders ausgedrückt, ist die Renditeminderung durch Steuer bei der ETF-Versicherung 0,36 % statt 1,04 % bei einem ETF-Sparplan. Die Rendite in der ETF-Versicherung ist also um 0,68 % höher.

Kontostand einer ETF-Versicherung nach 25 Jahren Spardauer

Vergleich: ETF-Sparplan vs. ETF-Versicherung

Statt einer Einzelanlage betrachten wir jetzt einen Sparplan worin 25 Jahre lang einen Beitrag von 200 Euro pro Monat angelegt wird. Folgendes ergibt sich.

 ETF-VersicherungETF-Sparplan
Monatliche Anlage200 Euro200 Euro
Jährliche Rendite (brutto)6 %6 %
Kontostand nach 25 Jahren139.575 Euro121.412 Euro
Bereits versteuerte Erträge0 Euro62.717 Euro
Noch zu versteuernden Ertrag79.575 Euro10.274 Euro
Endbesteuerung8.455 Euro1.897 Euro
Auszahlung131.120 Euro119.515 Euro
Rendite nach Steuer5,58 %4,96 %
Renditeminderung durch Steuer0,42 %1,04 %

Das Ergebnis ist ähnlich wie bei der Einzelanlage vorher. Die Auszahlung bei der ETF-Versicherung ist mit 131.120 Euro um 11.605 Euro höher als beim ETF-Sparplan. Die Renditeminderung durch Steuer ist mit 0,42 % bei der ETF-Versicherung geringer als die 1,04 % beim ETF-Sparplan. Die ETF-Versicherung liefert also einen Renditevorteil von 0,62 % durch den Steuermantel.

Wenn der Kunde das Guthaben in eine lebenslange Rente wandelt, ist der Steuervorteil noch höher. Bei einer Verrentung mit 67 Jahren wird pauschal einer Ertragsanteil von 17 % festgestellt. Das obenstehende Rechenbeispiel zeigt jedoch einen Ertragsanteil von 57 % (Beiträgen von insgesamt 60.000 Euro und Kontostand von 139.575 Euro nach 25 Jahren). Entsprechend niedriger ist der Steuerbasis bei Verrentung einer ETF-Versicherung. Da bei einem ETF-Sparplan in der Regel keine Verrentung stattfindet verzichten wir auf eine nähere Analyse um den direkten Vergleich aufrechtzuerhalten.

Für welchen Anleger eignet sich eine ETF-Versicherung?

Umso länger die Anlagehorizont, umso mehr lohnt sich die Anlage in einer ETF-Versicherung. Durch eine längere Laufzeit kommt der Zinseszinseffekt mehr zur Wirkung. Damit eignet sich eine ETF-Versicherung insbesondere für die Altersvorsorge.

Auch ist die ETF-Versicherung attraktiv für Anleger die öfters die Anlage wechseln, weil in einer Police der Fondswechsel nicht versteuert wird. Umso höher die Umschichtung, umso höher ist also der Steuervorteil.

Anbieter wie myPension schichten das ETF-Portfolio vor der Auszahlphase Stück für Stück in Anleihen-ETFs um.

Das zeigt die untenstehende Tabelle mit unterschiedlichen Annahmen zur Laufzeit und jährlichen Umschichtung.

Renditevorteil des Steuermantels

Jährliche Umschichtung15 Jahre25 Jahre35 Jahre
0 %0,48 %0,47 %0,47 %
25 %0,59 %0,68 %0,74 %
50 %0,63 %0,72 %0,79 %
75 %0,65 %0,74 %0,80 %
100 %0,65 %0,75 %0,81 %
Bei Einzelanlage

Wie hoch sind die Kosten einer ETF-Versicherung im Vergleich zum ETF-Sparplan?

Versicherungspolicen sind traditionell sehr teuer. Jährliche all-in Kosten von 2,0 % oder mehr waren in der Vergangenheit typisch. Bei solchen Kosten lohnt sich der Steuermantel nicht. In letzter Zeit sind jedoch mehrere online Anbieter von günstigen ETF-Policen auf dem Markt gekommen. Beispiele sind die ETF-Versicherungen von myPension oder CosmosDirekt. CosmosDirekt bietet eine ETF-Police mit jährlichen Kosten von 0,68 % pro Jahr an (auf Basis von 200 Euro Monatsbeitrag und 25 Jahre Laufzeit an), exklusive Fondskosten. myPension rechnet jährlichen Kosten von 0,86 %, inklusive Fondskosten eines Weltportfolios.

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Günstige ETF-Sparpläne kosten in der Regel 0,35 % pro Jahr (mit MSCI World und MSCI Emerging Markets bestückt). Die ETF-Versicherung ist also etwa 0,5 % teurer. Sie bringt jedoch einen Steuervorteil von etwa 0,7 % bei langfristiger Anlage und regelmäßiges Umschichten.

Exkurs: der RentenfaktorEine ETF-Versicherung ist eine Rentenversicherung. Sie versichert den Anleger gegen das sogenannte Langlebigkeitsrisiko, also das Risiko das man länger lebt als die Ersparnisse es erlauben. Dazu beinhaltet jede ETF-Versicherung einen garantierten Rentenfaktor. Dieser sagt aus, wie viel monatliche Rente der Versicherer mindestens lebenslang bezahlt, pro 10.000 Euro angespartem Guthaben. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Anbietern. Die im Artikel erwähnten ETF-Versicherungen von CosmosDirekt und myPension haben einen garantierten Rentenfaktor von 19,78 Euro und 30,32 Euro respektive (bei Verrentung mit 67 Jahren).

Unser Fazit

Flexible online Angebote machen die ETF-Versicherung für langfristige Anleger zu einer reellen Option. Nach Abzug von Kosten verbleibt ein Steuervorteil von etwa 0,2 % im Jahr gegenüber einem ETF-Sparplan. Dabei gilt es zu bedenken, dass der Vertrag mindestens 12 Jahre laufen und der Anleger bei Auszahlung mindestens 62 Jahren alt sein muss. Das macht ETF-Versicherung insbesondere für die Altersvorsorge attraktiv. Dazu passt, dass die ETF-Versicherung mit einer Option für eine Verrentung ausgestattet ist.

myPension Altersvorsorge GmbH

Das InsurTech-Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main hilft Menschen dabei, das Interesse und die Kontrolle über ihre Altersvorsorge zurückzugewinnen. myPension bietet eine vollständig digitalisierte Rentenversicherung mit breit gestreuten Vanguard ETFs zu niedrigen Kosten an und wurde bereits im Juni 2018 als beste digitale Altersvorsorge von eKomi ausgezeichnet. myPension wurde im Juli 2016 von Rogier Minderhout gegründet.

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