Investieren wie der Norwegische Staatsfonds

Die Norweger können sich glücklich schätzen. Und das tun sie auch. Laut World Happiness Report 2019 ist Norwegen die drittglücklichste Nation. 2017 lagen die Nord-Europäer sogar auf Platz eins. Im Land der Fjorde lässt es sich gut leben. Treiber des norwegischen Glücks dürfte mitunter der prall gefüllte norwegische Staatsfonds sein. Das Gesamtvolumen beträgt etwa 8,9 Billionen Kronen – eine dreizehnstellige Summe (Stand: 27. März 2019). Er macht jeden der 5,36 Millionen Norweger in Kronen gerechnet zum Millionär. In Euro umgerechnet ergibt sich für jeden Einwohner des Landes ein Wert von rund 165.000 Euro.

In diesem Beitrag stellen wir dar, wie jeder Anleger mit wenigen ETFs die Anlagestrategie des norwegischen Staatsfonds nachbauen kann.

Wie kam es zum norwegischen Staatsfonds?

Den norwegischen Staatsfonds gibt es seit 1998. Der Reichtum Norwegens speist sich größtenteils aus dem Öl- und Gas-Geschäft. Um die sprudelnden Einnahmen für künftige Generationen lukrativ anzulegen, entschlossen sich die Skandinavier, diese im großen Stil anzulegen, für die Zeit nach dem Öl. Die Verantwortlichen tauschen also Norwegens Öl und Gas gegen internationale Unternehmensbeteiligungen. All diese Beteiligungen machen den norwegischen Staatsfonds zum größten Aktionär der Welt. Im Schnitt gehören ihm 1,4 Prozent der Anteile von jedem Unternehmen – auf der ganzen Welt.

Wie investiert der norwegischen Staatsfonds?

Seit Auflage des Pensionsfonds konnte dieser mit durchschnittlich sechs Prozent im Jahr eine höhere Rendite einfahren als der Dax. Bei gleichzeitig niedrigerem Risiko.

Im Staatsfonds stehen 30 deutsche Unternehmen etwa 9.000 Unternehmen aus 73 Ländern gegenüber. Mit einer derart breiten Streuung können nicht einmal Welt-ETFs mithalten. Investitionen in Anleihen (30 Prozent) und Immobilien (3 Prozent) verleihen dem Portfolio eine zusätzliche Stabilität. Prominentes Beispiel im Bereich Immobilien ist das Axel-Springer-Hochhaus in Berlin.

Den Löwenanteil machen aber mit mehr als zwei Drittel Aktien aus aller Welt aus. Der maximale Aktienanteil des Staatsfonds darf 70 Prozent betragen, Immobilien dürfen auf sieben Prozent anschwellen, Anleihen dürfen einen maximalen Anteil von 30 Prozent haben.

Mit diesem Mix möchten die Verantwortlichen den Renditevorgaben des norwegischen Finanzministeriums in Höhe von vier Prozent pro Jahr sicherstellen.

Auffällig ist, dass gerade deutsche Unternehmen hoch im Kurs stehen. So halten die Norweger mehr als sieben Prozent der Anteile von Vonovia und Deutsche Wohnen, gefolgt von Linde mit circa 6,5 Prozent. Da jedoch die Marktkapitalisierungen dieser Unternehmen gemessen an internationalen Großkonzernen gering sind, sehen die absoluten Zahlen allerdings etwas anders aus. In Bezug auf den Wert der Beteiligungen dominieren daher US-Unternehmen, wie Apple, Alphabet (Google), Mircrosoft und Amazon. Doch auch europäische Titel stehen bei den Norwegern in der Gunst. Begehrt sind etwa Nestlé, Royal Dutch Shell und Roche.

Langfristige Ausrichtung des Staatsfonds

Der Fonds ist für die Zukunft ausgelegt. Kurzfristige Spekulation ist tabu. Es gilt, langfristige Investitionen zu tätigen. Market-Timing ist den Norwegern ein Fremdwort.

Es wird gekauft, wenn Geld da ist, und nicht, wenn der Markt gerade vermeintlich günstig erscheint. Und auch beim Thema Nachhaltigkeit waren die Nordeuropäer Vorreiter. So werden Beteiligungen von Unternehmen veräußert, die mehr als 30 Prozent ihres Gelds mit Kohleenergie verdienen. Das hat auch Signalwirkung. Ebenso haben sich die Verantwortlichen ethische Richtlinien gesetzt. Demnach darf sich der Fonds nicht an Firmen beteiligen, die die Umwelt schädigen, Kinder beschäftigen oder Waffen produzieren, Korruption oder Steuervergehen sind ebenfalls ein rotes Tuch.

Das können Privatanleger lernen

Als Deutscher kann man von norwegischen Zuständen in Sachen Staatsfinanzen nur träumen. Der neidvolle Blick Richtung Norden bringt aber nichts. Stattdessen sollten sich Anleger das Konzept näher ansehen und es auf ETF-Basis kopieren. Denn eine derart breite Streuung ist für die allermeisten Bürger nur mit ETFs möglich.

Tipp: Sie möchten wissen, wie genau ETFs funktionieren? In unserem Beitrag „Was ist ein ETF?“ haben wir das im Detail beschrieben.

Darüberhinaus ist es sinnvoll sich einige Gedanken der Anlagephilosophie des norwegischen Staatsfonds zu verinnerlichen. 

Denken Sie langfristig! Beim norwegischen Staatsfonds ist auch noch nicht klar, wie das Geld in Zukunft verwendet werden soll. Am besten einmal kaufen und dann liegen lassen aber mindestens einmal im Jahr die Portfoliozusammensetzung überprüfen.

Kein Market-Timing! Privatanleger haben oft die Selbstüberschätzung, den Markt schlagen zu können. Das verleitet zu überstürzten Käufen und Verkäufen, wofür jeweils Gebühren an der Rendite kratzen bzw. diese gar nicht zur Entfaltung kommen lässt. Wenn wieder überschüssiges Geld da ist, kann das in Aktien und Anleihen fließen. Auf einen Privathaushalt übertragen kann das so gehen: Prüfen Sie, welchen Geldbetrag Sie im Monat beiseitelegen können. Dieses Geld fließt dann in ETF-Sparpläne.

Investieren wie der norwegische Staatsfonds

ETF-Vorschläge für die Aktienquote (66 Prozent)

Wie zuvor erwähnt ist ein wichtiger Aspekt der Anlagestrategie des norwegischen Staatsfonds die breite Streuung. Der Staatsfonds kommt auf mehr als 9.000 Unternehmen aus 73 Ländern.

Es gibt nur einen ETF mit deutscher Vertriebszulassung, der eine vergleichbare Abdeckung hinbekommt. Mit dem SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF (WKN: A1JJTD) investieren Anleger in 47 Ländern, wovon 23 Industrie- und 24 Schwellenländer sind. Der Referenzindex bildet 8.725 Unternehmen ab.

ACWI IMI steht für den All Countries World Investable Market Index. Er stellt 99 Prozent des weltweiten Aktienmarkts dar. Der zuvor genannte ETF deckt den Index ab, ist aber in Bezug auf das Fondsvolumen noch recht klein. Das ist aber kein Problem für die langfristige Geldanlage.

Als Alternative kann der milliardenschwere SPDR MSCI ACWI UCITS ETF (WKN: A1JJTC) in Betracht gezogen werden.

Der zugrundeliegende Index ACWI ist verwandt zum ACWI IMI, er verzichtet jedoch auf kleine Unternehmen und erreicht so mit einer weltweiten Aktienabdeckung von 85 Prozent einen etwas geringeren Anteil. Die Zahl der Unternehmen sinkt rapide ab, fällt aber aufgrund der Gewichtung nach Marktkapitalisierung nicht stark ins Gewicht.

Es gibt noch zwei vergleichbare ETFs auf den ACWI-Index. Das ist zum einen der iShares MSCI ACWI UCITS ETF USD (Acc) (WKN: A1JMDF) sowie der Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF (WKN: A1W8SB).

Einer dieser ETFs könnte in einem einfachen Versuch, den norwegischen Staatsfonds nachzubauen, die Aktienkomponente darstellen.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
SPDR® MSCI ACWI IMI UCITS ETF0,40NeinPhysisch115
SPDR® MSCI ACWI UCITS ETF0,40NeinPhysisch1.418
iShares MSCI ACWI UCITS ETF USD (Acc)0,60NeinPhysisch748
Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF0,40NeinPhysisch243

ETF-Vorschläge für die Anleihenquote (30 Prozent)

Der risikoarme Portfolioanteil kann aus Anleihen-ETFs bestehen.

Beispiel: der Xtrackers II Global Government Bond UCITS ETF (WKN: DBX0NM).

Das Anlageziel besteht darin, die Wertentwicklung des Basiswerts, des Deutsche Bank Global Investment Grade Government Index abzubilden. Dieser Index setzt sich aus Staatsanleihen aus 20 Industrieländern zusammen.

Wer dem Portfolio zusätzlich globale Unternehmensanleihen beimischen möchte,  kann auf den iShares Global Corp Bond UCITS ETF (WKN: A1J0YD) zurückgreifen. Dieser investiert in rund 6.900 Unternehmensanleihen. Schwerpunkt bilden hier Anleihen aus den USA, Eurozone, Großbritannien, Kanada und Japan.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
Xtrackers II Global Government Bond UCITS ETF0,20NeinPhysisch856
iShares Global Corp Bond UCITS ETF0,20JaPhysisch1.208

ETF-Vorschläge für die Immobilienquote (3 Prozent)

Der norwegische Staatsfonds investiert direkt in Immobilien. Dies ist über ETFs leider nicht möglich. Eine Alternative aus der Welt der ETFs können aber Immobilien-ETFs darstellen. Diese ETFs bilden die Wertentwicklung von sogenannten REITs (Real Estate Investment Trusts) ab. Ein REIT ist eine Kapitalgesellschaft, deren Haupttätigkeit darin besteht, Immobilien zu besitzen und zu verwalten. Sie kommen daher einem Immobilieninvestment sehr nahe.

Hier kommen zwei ETFs in Frage: Zum einen der iShares Developed Markets Property Yield UCTIS ETF (WKN: A0LEW8) zum anderen der SDPR Dow Jones Global Real Estate UCITS ETF (WKN: A1J3P8).

Das iShares-Produkt investiert in rund 300 REITs aus aller Welt. Schwerpunkt bilden hier Unternehmen aus den USA (55 Prozent), Asien (12 Prozent) und der Eurozone (10 Prozent). Der ETF hat eine stabile Ausschüttungsrendite von rund 3,5 Prozent pro Jahr. Das SPDR-Produkt investiert nur in rund 200 REITs, hat eine höhere Gewichtung bei Immobilien in Japan und schüttet rund 2,7 Prozent pro Jahr aus.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF0,59JaPhysisch2.876
SPDR® Dow Jones Global Real Estate UCITS ETF0,40JaPhysisch577

Musterportfolio: Norwegische Staatsfonds mit ETFs

Wer den norwegischen Staatsfonds noch exakter, mit einzelnen Länder-ETFs  nachbauen möchte, für den haben wir extra ein Musterportfolio bestehend aus acht ETFs zusammengestellt. Dabei setzen wir auf die folgenden ETFs.

Hier können Sie sich das ETF-Musterportfolio „Norwegischer Staatsfonds“ ansehen.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
Vanguard FTSE North America UCITS ETF0,10JaPhysisch223
Vanguard FTSE Developed Europe UCITS ETF0,12JaPhysisch1.679
Vanguard FTSE Developed Asia Pacific ex Japan UCITS ETF0,22JaPhysisch333
Vanguard FTSE Japan UCITS ETF0,19JaPhysisch1.645
iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF0,35NeinPhysisch707
Xtrackers II Global Government Bond UCITS ETF0,20NeinPhysisch856
iShares Global Corp Bond UCITS ETF0,20JaPhysisch1.208
iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF0,59JaPhysisch2.876
Tipp: Bei Direktbanken können ETFs zu besonders günstigen Konditionen gehandelt werden. In unserem Broker-Vergleich haben wir die Konditionen der Banken zum Handel von ETFs gegenübergestellt und miteinander verglichen. Jetzt den Broker-Vergleich lesen!
extraETF - Alles über ETFs

Seit über einem Jahrzehnt stehen wir für schnelle und zuverlässige Informationen im Bereich Exchange Traded Funds (ETF).