Kosten von ETFs – Analyse und Überblick

ETFs zeichnen sich durch äußerst geringe Kosten aus. Doch das volkstümliche Sprichwort „Was wenig kostet, ist wenig wert“, trifft definitiv nicht auf die ETF-Branche zu. Aufgrund der exakten Abbildung der Indizes, auf denen die Exchange Traded Funds beruhen, kommt es zu keiner weiteren Aktivität im Portfolio und so entstehen keine zusätzlichen Kosten wie bei aktiv verwalteten Indexfonds.

Weil die permanenten Umschichtungen unterbleiben, werden die Transaktionskosten auf ein Minimum reduziert. Die günstige Gesamtkostenquote (TER) ergibt sich aus den Positionen Ausgabeaufschlag, Rücknahmegebühren und Verwaltungsgebühren. Außerdem zeichnen sich ETFs durch niedrige Handelskosten aus.

Überdies fällt beim Kauf von Exchange Traded Funds weder ein einmaliger Ausgabeaufschlag an, noch wird beim Verkauf eine Rücknahmegebühr erhoben. Über Direktbanken können ETFs grundsätzlich sehr günstig erworben werden. Generell gibt die Total Expense Ratio (TER) über die Kosten eines ETFs Auskunft. Deshalb schauen Anleger gerne allein auf die Gesamtkostenquote (TER), aber unterm dem Strich zählt auch die Tracking-Differenz.

All diese Begriffe haben wir Im Folgenden ausführlich erläutert. Wir haben analysiert, welche Kosten bei unterschiedlichen ETFs anfallen. Außerdem finden Sie die wichtigsten Anlageklassen, -regionen und -länder sowie ein paar Statistiken.

Kostenvergleich: Klassische Fonds vs. ETFs

Inzwischen hat sich bei den meisten Anlegern herumgesprochen, dass ETFs die weitaus kostengünstigere Anlagemöglichkeit ist, da passive Indexprodukte weniger Verwaltungsaufwand erfordern. Hinzu kommt, dass zahlreiche Studien der Vergangenheit zeigten, dass tatsächlich nur wenige Fondsmanager nachhaltig den Markt schlagen können. Warum also hohe Verwaltungsgebühren zahlen für deren „Mühe” bezahlen, wenn es auch ohne geht?

Da ein ETF bekanntlich als Sondervermögen einen Performanceindex abbildet, lässt sich über die Differenz zwischen Indexentwicklung und ETF-Entwicklung die Gesamtkostenbelastung direkt ermitteln. Die damit verbundene Transparenz sowie der Umstand, dass ETF über die Börse (zum Beispiel XETRA) gehandelt werden und provisionsfrei sind, macht ETF für Anleger zu einer kostengünstigen Alternative.

Alle anfallenden Kosten der Gesamtkostenquote

Verwaltungsgebühren von ETFs

Bei klassischen Investmentfonds fallen Vermögensverwaltungsgebühren an. Diese betragen im Aktienbereich jährlich etwa 0,8 bis 2 Prozent. Bei ETFs dagegen sind die Managementgebühren aufgrund des passiven Managementstils sehr niedrig. Zudem werden keine separaten Kosten für die Lizenzen sowie für die Prospekterstellung in Rechnung gestellt. Veränderungen der Indexgewichtung und das Management von Dividendeneinnahmen sind bei ETFs kostenlos.

Die durchschnittlichen Verwaltungsgebühren der ETFs auf dem deutschen Markt liegen in etwa bei 0,35 bis 0,50 % pro Jahr, Tendenz fallend. Die Verwaltungsgebühren für Renten-ETFs liegen schon bei 0,15 bis 0,25 %. Die Gebühren werden anteilig für jeden Tag errechnet und vom Fondsvermögen automatisch abgezogen. Die Verwaltungskosten werden auch als Gesamtkostenquote bzw. Total Expense Ratio (TER) bezeichnet. Die Gesamtkostenquote gibt die jährlichen Kosten eines Fonds an, die zusätzlich zum Ausgabeaufschlag anfallen.

Handelskosten von ETFs

Diese Kosten, die nicht in die TER einfließen, beinhalten Maklergebühren und die Geld- Brief-Spanne (Spread). Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis ist mit Spreads, wie Sie sie bei Aktien kennen, zu vergleichen. Sehr liquide ETFs zeigen an den Börsen Geld-Brief-Spannen von maximal 0,05 Prozent. Insgesamt bewegen sich die Handelsspannen bei großen, liquiden Indizes zwischen 0,08 und 0,10 Prozent, reichen aber in der Spitze auch über 0,5 Prozent bei spezielleren Produkten.

Der Auf- bzw. Abschlag zum Nettoinventarwert ist ebenfalls ein entscheidender Faktor. Diese Kosten können je nach Handelspartner unterschiedlich hoch ausfallen. Insofern lohnt es sich, die Preise und Kurse von mehreren Marktteilnehmern zu vergleichen, vor allem, wenn das Produkt wenig gehandelt wird oder das Volumen der Order gering ist.

Auch der Handelszeitpunkt spielt eine Rolle. Anleger in Deutschland sollten einen ETF auf den S&P 500 Index ab der Mittagszeit handeln; wenn die Wall Street geöffnet ist, bekommen sie bessere Konditionen, als wenn sie ihre Order am Vormittag abgeben, wenn in den USA die Börsen noch geschlossen sind.

Weitere Kosten von ETFs

Darüber hinaus fallen börsenübliche Gebühren an. Diese liegen bei etwa 0,02 bis 0,08 Prozent. Zudem berechnet die Abwicklungsbank für die Ausführung einer Order Gebühren. Diese liegen bei etwa 0,25 – 1 Prozent vom Kurswert. Weiterhin werden die üblichen Depotführungsgebühren Ihres Kreditinstituts oder der Kapitalanlagegesellschaft erhoben.

Die Depotgebühr wird u. a. verwendet für die Verwaltung Ihrer ETF-Anteile, die Verwaltung von steuerlichen Freistellungsaufträgen und die Ermittlung der von Ihnen zu versteuernden Zwischengewinne. Diese Kosten betragen bis zu 1 Prozent und sind in der Regel verhandelbar. Die meisten Direktbanken bieten die Depotverwahrung ohne zusätzliche Kosten an.

Tracking Error, Wertpapierleihe & Replikationsmethode

Wer sich für einen ETF entscheidet, erwartet sich zu Recht zwei Aspekte: Günstig soll er sein und er soll natürlich den Index möglichst genau abbilden. Die Gesamtkostenquote, oft auch als TER abgekürzt, lässt sich bei jedem ETF im Handumdrehen herausfinden. Allerdings ist das nur die halbe Miete. Nur in Ausnahmefällen bildet ein ETF den Index komplett eins zu eins ab. Beim Versuch der Abbildung liegt der ETF meist etwas unter oder über dem Index. Die Abweichung bezeichnen Banker als sogenannte Tracking-Differenz. Nimmt diese einen negativen Wert an, ist das erfreulich für den Anleger. Er hat den Index damit übertroffen. Maßgeblicher Grund dafür: die Wertpapierleihe. Dazu weiter unten mehr.

Tracking-Unterschied

Zunächst zum Tracking-Unterschied: Dieser beinhaltet alle impliziten und expliziten Kosten eines Investments in ETFs. ETFs hinken ihrer Benchmark in Höhe des TER definitionsgemäß hinterher. Angenommen, ein Investor investiert in einen ETF, der den EURO STOXX 50 Index abbildet. Der Fonds verlangt, rein hypothetisch, 0,25 % an Gebühren. In einem Jahr steigt der EURO STOXX 50 Index um 10 %. Die Rendite für den Investor – nach Kosten – beläuft sich auf 9,75 % (10 % Bruttorendite der Benchmark abzüglich der 0,25 % Gebühren). In diesem hypothetischen Beispiel entspricht die Abweichung vom Zielindex genau der TER.

Tracking-Unterschied, ETF- & Benchmark-Rendite

Die Kostenquote ist eine vorhersehbare und leicht quantifizierbare Ursache für den Performanceunterschied zwischen ETFs und ihren Basisindizes. Es ist wichtig zu verstehen, dass ETF-Anbieter einen Teil der Effekte, den Gebühren auf die Nettorendite von ETFs haben, mit sogenannten „enhancements“ ausgleichen können. Sie peppen die Rendite also auf. Dies geschieht normalerweise durch die Wertpapierleihe, die ein zusätzliches Einkommen generiert. In einigen Fällen kann dieses Extraeinkommen die Kosten des Fonds mehr als kompensieren. Dadurch kann der ETF sogar eine bessere Performance als seine Benchmark zeigen. Gleichzeitig kann sich hierdurch aber auch das Gegenparteirisiko erhöhen. Der höheren Rendite steht ein höheres Risiko gegenüber.

Wertpapierleihe kann Kosten verringern

Verringert werden diese internen Kosten nur durch mögliche Einnahmen bei einer Wertpapierleihe. Je nach Managementstil des ETF-Portfolios können Gebühren hinzukommen, die abhängig sind vom jeweiligen Tracking, der Verwaltung des Barvermögens innerhalb des Fonds, oder von anfallenden Steuern abhängen. So sind beispielsweise die anfallenden Gebühren für einen vollständig replizierenden ETF deutlich höher als bei einem optimierten ETF, der nur die wichtigsten Basiswerte im Index hat. Je liquider der Markt, desto kostengünstiger ist auch die Abbildung.

Unterschiedliche Kosten je nach Replikationsmethode

Um die Gesamtkostenbelastung zu berechnen, gibt es interne und externe Kostenfaktoren, die zu beachten sind. Diese können je nach Replikationsmethode sehr unterschiedlich sein. So fällt bei der vollständigen Replikation des Index neben der TER noch die Rebalancing-Gebühr an. Indexanbieter wie S&P, MSCI und STOXX passen in regelmäßigen Abständen die Zusammensetzung ihrer Indizes an. Bei physisch replizierenden ETFs müssen die Wertpapiere dementsprechend neu gewichtet bzw. aufgenommen oder verkauft werden. Dadurch können weitere Kosten entstehen oder gelegentlich auch Erträge zufließen.

Tracking-Unterschied vs. Tracking Error

Der Investor sollte also zwischen dem Tracking-Unterschied und dem Tracking Error differenzieren. Wie wir eben festgestellt haben, ist der Tracking-Unterschied die Differenz zwischen der Performance des ETFs und dessen Benchmark über einen bestimmten Zeitraum. Der Tracking Error misst indes die Performance-Volatilität des ETFs relativ zu seiner Benchmark. Für die Berechnung des Tracking Errors wird die Standardabweichung der Renditedifferenz des ETFs zum Index verwendet. Dies basiert auf Tages- oder Wochenbasis.

Dividenden & Swap-Gebühren

Der Zeitpunkt der Ausschüttung und die steuerliche Behandlung von Dividendenzahlungen sind weitere Ursachen für potenzielle Probleme bei der Indexabbildung. Der Zeitunterschied zwischen dem Ex-Dividenden-Tag und der Zahlung der eigentlichen Dividende kann die Performance von ausschüttenden ETFs mit physischer Replikation belasten. Während dieser Zeit liegt der auszuschüttende Betrag in einem vom Fonds getrennten Konto. Als Folge ist der Anleger während dieser Zeit in Höhe der ausstehenden Dividenden nicht in den Index investiert. Dadurch erhöht sich die Gefahr, dass die ETF-Rendite von der des Index abweicht. Der Zeitpunkt der Dividendenauszahlung hat keinen Einfluss auf akkumulierende und Swap-basierte ETFs, da diese ETFs jederzeit zu 100 % in den Index investiert bleiben.

Dividenden und die Steuer

Die steuerliche Behandlung der Dividenden ist ein weiterer wichtiger Kostenfaktor. Sobald ETFs Dividenden bzw. Kupons vereinnahmen, die aus Ländern entstammen, in denen ein anderes Steuersystem existiert als im ETF-Domizil, können die Quellensteuern zu einer zusätzlichen Abweichung von der Indexrendite führen. Diese Quellensteuer kann nicht immer komplett zurückgefordert werden. ETFs mit synthetischer Replikation weisen für einige Anlegergruppe aufgrund einer günstigeren steuerlichen Behandlung von Dividenden Vorteile auf; sie können unter Umständen also das Problem mit der Quellensteuer besser handhaben als physische replizierende ETFs.

Swap-Gebühren & die TER

Bei synthetischer Replikation via Swaps müssen bei der Berechnung neben der TER und möglichen Erträgen durch die Wertpapierleihe auch die Swap-Gebühren berücksichtigt werden. Diese Gebühr an den Swap-Kontrahenten wird im Rahmen einer Swap-Vereinbarung fällig. Die Höhe der Swap-Gebühr richtet sich nach dem Marktsegment des Fonds und der Vereinbarung zwischen dem Swap-Kontrahenten und dem Fondsanbieter.

Kosten bei verschiedenen Assets oder Anlageklassen

Kosten bei Anlageklassen

Die Kosten von ETFs unterscheiden sich bei den Anlageklassen zum Teil deutlich. Während Anleihen- und Geldmarkt-ETFs im Schnitt zwischen 0,18 % – 0,22 % pro Jahr zu haben sind, liegen die Kosten bei Aktien-ETFs bei 0,38 %. Etwas teurer sind Immobilien-ETFs (0,42 %), Rohstoffe (0,44 %) und Portfoliokonzepte (0,51 %).

Kosten bei Länder & Regionen

Im Bereich der Aktien-Länder- ETFs liegt die Bandbreite bei 0,10 % für Schweden-ETFs bis 0,96 % bei ETFs auf den indischen Aktienmarkt. Zu bedenken dabei ist allerdings, dass dabei auch teurere Smart-Beta-ETFs eingerechnet wurden. So kosten ETFs auf den Deutschen Aktienmarkt im Schnitt 0,31 %, wobei einzelne DAX-ETFs bereits ab 0,10 % zu haben sind. Das gleiche gilt für die anderen Länder. Einen ETF auf den S&P 500 Index gibt es beispielsweise für 0,07 % wobei der Schnitt für Aktien-ETFs USA bei 0,30 % liegt.

Kosten bei Aktiensektoren

Interessant ist auch die Bandbreite bei den Aktiensektoren. Günstige Sektoren sind beispielsweise Konsumgüter (0,25 %), Luxus (0,25 %), Versorger und Banken (0,28 %) und Gesundheit, Industriegüter und Bau für 0,29 %. Zu den teureren Sektoren zählen hingegen ETFs auf den Bereichen Infrastruktur (0,78 %), Private Equity (0,72 %), Wasser (0,63 %), Alternative Energien (0,63%) und Goldminen (0,57 %).

Kosten bei Anleihentypen

Deutliche Unterschiede sind auch im Bereich der Anleihen-ETFs festzustellen. Während ETFs auf Pfandbriefe und Staatsanleihen zwischen 0,18 % – 0,21 % kosten, fallen bei ETFs auf Unternehmensanleihen Kosten in Höhe von 0,25 % und bei ETFs auf Wandelanleihen so- gar 0,73 % an. Berücksichtigt man das Rating liegen ETFs auf High-Yield-Anleihen im Mittel sogar bei 0,39 %.

(Versteckte) Kosten bei Rohstoff-ETFs

Viele ETCs und ETNs verlangen zusätzlich zu den laufenden Kosten eine Reihe weiterer Gebühren. Dazu gehören bei Edelmetall-Fonds mit physischer Hinterlegung Depot- und Lagergebühren, Kosten für die Hinterlegung der Sicherheiten und Index-Lizenzgebühren. Die Kosten für die Hinterlegung von Sicherheiten spiegeln die Kosten wider, die entstehen, um das Kontrahentenrisiko für synthetische ETCs und ETNs zu reduzieren. Untersuchungen der Deutschen Bank haben gezeigt, dass diese Kosten durchschnittlich bei 0,40 % für ETCs und bei 0,23 % für ETNs liegen.

Weiterhin schätzt die Deutsche Bank schätzt, dass sich die Indexgebühren für ETC-Anbieter auf durchschnittlich 0,38 % pro Jahr belaufen. Diese Gebühren sind selten Bestandteil der Gesamtkostenquote und werden teilweise nicht einmal in den Fonds-Dokumenten erwähnt. Investoren sollten sich bei ETFs daher über mögliche versteckte Kosten bewusst sein.

Fazit: Verhältnismäßigkeit aller Kosten beachten

Neben den geschilderten internen Faktoren, die je nach Replikationsmethode unterschiedlich sind, kommen bei allen ETFs externe Kostenfaktoren hinzu. Dies sind Kosten für den Anleger, die zum Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkt eines ETF fällig werden wie zum Beispiel Handelsgebühren wie der der Spread, die Brokergebühren, Creation- und Redemptionkosten sowie Steuern – z.B. Quellensteuer im Fonds, Quellensteuer auf Ausschüttungen des Fonds usw.

Der Spread hängt wie gesagt von unterschiedlichen Faktoren wie der Liquidität der zugrundeliegenden Wertpapiere, dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, dem Fondsvolumen oder der Anzahl der Market-Maker ab. Grundsätzlich gilt: Je höher die Liquidität des ETFs, desto geringer die Kosten. Um die tatsächlichen Kosten für die gesamte Haltedauer zu errechnen, muss man alle genannten Gebühren addieren, abzüglich aller möglicherweise erwirtschafteten Erträge.

Obwohl die tatsächlichen Kosten für ein ETF-Investment deutlich höher sein können als die Gesamtkostenquote (TER), sind ETFs immer noch eine günstige Anlage im Verhältnis zum breiteren Anlagespektrum. Zumal viele der hier vorgestellten Kosten auch bei aktiv verwalteten Fonds anfallen und nicht ETF-spezifisch sind. Grundsätzlich kann man festhalten: Die größten und liquidesten ETFs stellen per se sehr günstige Angebote dar. Außerdem gilt als eherne Faustregel: Unterm Strich kommt es mehr auf die Tracking-Differenz an als auf die TER (Gesamtkostenquote).

 

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