Warum Rebalancing? Wie mache ich das?

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Das sagte einst die Investoren-Legende André Kostolany, um die Vorzüge einer Buy-and-Hold-Strategie zu erläutern. Der Finanzexperte liegt damit auch nicht falsch, denn in vielen Fällen erweist sich „Kaufen und Halten” für passive Anlageformen mit ETFs als Garant für langfristige und erfolgreiche Investments.

Und doch ist es damit nicht getan: Ähnlich wie ein Auto bedarf auch ein ETF-Portfolio regelmäßiger Pflege und Kontrolle. Da jede langfristige Buy-and-Hold-Strategie vorab festgelegten Zielen folgt, muss man zunächst verstehen, dass sich im Laufe des Lebens nicht nur die Lebensverhältnisse und Einstellungen ändern, sondern natürlich auch das aktuelle Marktumfeld.

Wer sein ETF-Investment also weder pflegt noch bewirtschaftet, muss damit rechnen, dass sich sein Portfolio im Laufe der Zeit völlig anders entwickelt als ursprünglich geplant. Mit einem Rebalancing jedoch lässt sich das individuelle Risikoprofil auf Jahre berechenbar halten. Rebalancing meint in erster Linie die stetige Anpassung an das individuelle Anlageprofil.

Welche Gründe es für ein Rebalancing gibt und worauf Anleger dabei achten müssen, klären wir in diesem Beitrag.

Gründe für das Rebalancing

Bei der Erstellung eines eigenen ETF-Portfolios sollten Anleger sich zunächst über ihr eigenes Risikoprofil Gedanken machen. Je nach Risikobereitschaft kann das Depot mit mehr oder weniger „riskanten” Indexfonds bestückt werden. Eine beliebte Variante ist zum Beispiel das 50-50 Kommer Weltportfolio. Grob gesagt investieren Anleger darin zu 50 % in (als risikoreich geltende) Aktien und zu 50 % in (als risikoarm geltende) Anleihen. Dabei ist wichtig zu verstehen: Immer wenn die Aktienkurse steigen oder fallen, verschiebt sich unter Umständen auch das Mischverhältnis der ETFs im Portfolio, das ja aus gewissen individuellen Gründen anfangs so oder so bestimmt wurde. 

Wer in seine ETF-Portfolios über Jahrzehnte investiert (was gemeinhin ja auch empfohlen wird), wird früher oder später feststellen, dass sich nicht nur die Marktverhältnis, sondern auch die eigenen Anlageziele (hinsichtlich Beruf, Familie, etc.) verändern (können). Deshalb bedürfen beide einer regelmäßigen Überprüfung, wobei sowohl zeitliche als auch marktbedingte Faktoren eine Rolle spielen.

Zeitliche Faktoren

Alter der ETF-Anleger

Beim Zusammenstellen eines Portfolios muss der Anleger also darauf achten, dass er die Risiken so gewichtet und verteilt, dass sie seinem persönlichen Bedürfnissen entsprechen. Etwa nach der klassischen Faustformel: Je jünger, desto mehr Geld sollten ETF-Anleger in Anlageklassen mit mehr Risiko (z.B. Aktien), aber damit auch mehr Renditepotenzial, investieren.

Andersherum empfiehlt es sich mit zunehmendem Alter, die einst festgelegte Aktienquote zurückzufahren. Schließlich möchte man im Alter auf das Ersparte zurückgreifen. Der Sicherheitsaspekt wird immer wichtiger. So besagt die Faustformel hier: Je älter, desto mehr Geld sollten ETF-Anleger in risikoarme Anlageklassen (z.B. Anleihen) investieren. 

Zeitraum der ETF-Anlage

Und gerade für ETF-Anleger, die ihr Geld über längere Zeiträume investieren, gilt: Man muss in jedem Fall nachjustieren. Denn im Laufe der Zeit verändert sich die Portfolio-Zusammensetzung automatisch in Richtung der renditestarken Anlageklassen. Das heißt, insbesondere der sich positiv entwickelnde Aktienanteil steigt aufgrund der Kursanstiege deutlich. 

Aus einem einst defensiven Anlageportfolio kann über einen gewissen Zeitraum schnell ein offensives Portfolio werden, indem die Verlustrisiken zunehmen. Wer dann kein Rebalancing betreibt, läuft Gefahr, auf ein Portfolio zu setzen, das nicht mehr (oder nur noch ansatzweise) die ursprünglichen Anlageziele (z.B. Risikoprofil, nachhaltige Kriterien etc.) abdeckt.

Marktbedingte Faktoren

Das Risikoprofil ist ohnehin individuell sehr verschieden. Es wird in der Regel zu Anfang eines Investments festgelegt und folgt langfristig einem bestimmten Plan. Oder auch nicht. Zumindest dann nicht, wenn das gesamte Investment unbearbeitet seinen Weg geht. Hintergrund: Die verschiedenen Märkte entwickeln sich unabhängig voneinander. 

Wenn sich beispielsweise Renten schlechter entwickeln, Aktien oder Rohstoffe aber deutlich besser, so schlägt sich das in einer Veränderung der Gewichtung im Portfolio nieder. Durch die unterschiedlichen Wertzuwächse und Wertverluste verteilt sich das investierte Kapital dann in Richtung der renditestärkeren Klassen.

Verhindern lässt sich eine derartige Verschiebung im Portfolio nur, wenn in regelmäßigen Abständen die ursprüngliche Gewichtung wieder hergestellt wird.

Unterschiedliche Möglichkeiten des Rebalancing

Hinsichtlich der Verfahrensweise des Rebalancing gibt es aber verschiedene Möglichkeiten.

Rebalancing ArtKurzbeschreibung
Zeitgesteuertes RebalancingRebalancing an festen Terminen
Wertabhängiges RebalancingRebalancing bei bestimmten Abweichungen
Wertabhängiges Teil-Rebalancing (Davis/Norman)Rebalancing unter Berücksichtigung von Transaktionskosten

Zeitgesteuertes Rebalancing

Beim zeitgesteuerten Rebalancing erfolgt die Anpassung an die festgelegte Zielallokation in regelmäßigen Abständen. Mindestens einmal im Jahr schaut man auf seine Portfolio-Zusammensetzung und überprüft, inwieweit die ursprüngliche Gewichtung noch gegeben ist. Der Vorteil einer regelmäßigen Überprüfung zu festgelegten Terminen nach dem Vorbild der regelmäßigen Indexanpassungen renommierter Indexprovider: Eine Anpassung an das ursprüngliche Niveau ist einfach umzusetzen. Ein allzu häufiges Umschichten ist allerdings nicht zu empfehlen: Hin und Her macht bekanntlich die Taschen leer. Gemeint ist damit, dass bei jeder Umschichtung des Portfolios zusätzliche Transaktionskosten entstehen. 

Schließlich birgt das zeitgesteuerte Rebalancing nach einem bestimmten Zeitintervall, neben dem Kostenaspekt, auch einen Nachteil: Innerhalb der festgelegten Zeitspanne kann es, inbesonders in volatilen Börsenzeiten, zu erheblichen Abweichungen von der ursprünglich festgelegten Zielallokation kommen.

Wertabhängiges Rebalancing

Möchte man solche Abweichungen von der festgelegten Zielallokation grundsätzlich vermeiden, sollte man bestimmte Bandbreiten festlegen, welche nicht verlassen werden dürfen. Am einfachsten handhabbar sind dabei prozentuale Abweichungen, welche für alle Anlageklassen gelten. Beträgt die Zielallokation eines ETFs beispielsweise 10 Prozent (z.B. auf Anleihen), kann man ein äußeres Band bei 7 Prozent als untere Schwelle und 13 Prozent als obere Schwelle einziehen. 

Über- oder unterschreitet der ETF dann eine der beiden Grenzen, wird umgeschichtet. Ein Nachteil dieses wertabhängigen Rebalancings: Infolge des häufigeren Umschichtens erhöhen sich die Transaktionskosten. Je weiter die Bandbreite der Schwankungen auseinander liegen, desto geringer sind die Transaktionskosten. 

Wertabhängiges Teil-Rebalancing (nach Davis und Norman)

Um anfallende Transaktionskosten zu reduzieren, kann man auch nur ein Teil-Rebalancing durchführen. Die Finanzexperten Davis und Norman haben 1990 in einem viel beachteten wissenschaftlichen Aufsatz gezeigt, dass ein nur teilweises Rebalancing unter Berücksichtigung von Transaktionskosten vollkommen ausreicht. Demnach spricht vieles dafür, dass sich die Preise recht zufällig entwickeln und so kann jede kommende Preisänderung die Mischung im Portfolio auch von selbst in Richtung der Anlageziele bewegen. Transaktionskosten würden dann keine anfallen.

Weiterhin kommen Davis und Norman zu der Annahme, dass ein marktbedingtes, wertabhängiges Rebalancing effzienter ist als ein zeitgesteuertes Rebalancing. Ihre Empfehlung lautet daher: Je nach persönlichen Ambitionen, Risikoprofil und Transaktionskosten sollten Anleger eine absolute Bandbreiten zwischen 5% und 10% als Richtwerte annehmen. Auf gut deutsch heißt das: Unter 5 % Abweichung kann von einem Rebalancing (insbesondere mit Blick auf die Kosten) abgeraten werden bei einer Abweichung von 10 % sollte es aber in Betracht gezogen werden.

Tipp: Es könnte für Anleger durchaus attraktiv sein, wenn sich der Prozess des Rebalancings automatisieren ließe. Zumindest werben damit mittlerweile viele Robo-Advisors. Der Hauptunterschied besteht darin, dass das Rebalancing mithilfe von Algorithmen das Portfolio automatisch umschichtet – nach vorab definierten Kriterien versteht sich. Natürlich fallen auch beim automatisierten Rebalancing Transaktionskosten an: Je nach Anbieter sind diese Kosten aber bereits in den Servicegebühren enthalten. Mehr zum Thema Robo-Advisors erfahren Sie in unserem Robo-Advisors-Test

Was kostet Rebalancing?

Das einzige Manko der Strategie des Rebalancings sind also die anfallenden Transaktionskosten, denn jeder zusätzliche Börsenhandel kostet zunächst einmal Geld. Daher lohnt sich Rebalancing nur, wenn die Abweichungen bereits stärker ausgeprägt sind. Wie oft ein Rebalancing durchgeführt wird, sollte deshalb immer von der Größe des Depots abhängig gemacht werden. 

Zudem fallen bei Veräußerungen von Anteilen mit Gewinn Steuern an, die die Performance des Portfolios belasten können. Allerdings sollten Anleger die Risikominimierung gegenüber der Steueroptimierung bevorzugen und bei kleineren Vermögen reicht meist der Steuerpauschbetrag schon aus, um Steuerzahlungen zu vermeiden.

Wie das nachfolgende Beispiel illustriert, werden beim Rebalancing die Vermögenswerte, die sich im Vergleich zur Durchschnittsentwicklung des Portfolios besser entwickelt haben, verkauft. Anschließend kauft man solche Positionen, die sich relativ schlecht entwickelt haben, zu. Nun entspricht das Depot wieder der ursprünglich angestrebten Allokation und es besteht wieder Einklang mit den Risiko- und Renditeerwartungen des Investors.

Konkretes Beispiel eines Rebalancing im ETF-Portfolio

Folgendes Beispiel zeigt, dass Rebalancing eine simple Methode darstellt, um antizyklisch zu investieren. Dabei wird eine grundsätzliche Aufteilung des Kapitals in verschiedene Anlagen (Stichwort: Asset Allocation) vorgenommen. Diese Aufteilung soll während der gesamten Anlagedauer beibehalten werden. Da die verschiedenen Kapitalanlagen sich im Wert aber unterschiedlich entwickeln, verändert sich die ursprüngliche Gewichtung ständig.

Tipp: Mit unserem „Rebalancing-Rechner“ können Sie Ihre ursprüngliche Portfolioaufteilung kinderleicht wiederherstellen.

Dieses einfache Beispiel eines klassischen Rebalancings illustriert Anlageportfolios mit drei ETFs. Die Gewichtung wird ex ante vorgegeben und soll unter dem Gesichtspunkt Rebalancing zu definierten Zeitpunkten wiederhergestellt werden:

Ausgangsportfolio

Anzahl ETFsKursWertGewichtung
10050 Euro5.000 Euro50 %
10030 Euro3.000 Euro30 %
10020 Euro2.000 Euro20 %
10.000 Euro100 %

Portfolio am Rebalancing-Termin

Anzahl ETFsKursWertGewichtung
10045 Euro4.500 Euro42,45 %
10033 Euro3.300 Euro31,13 %
10028 Euro2.800 Euro26,42 %
10.600 Euro100 %

Im Zuge des Rebalancing wird durch Kauf bzw. Veräußerung bestimmter Wertpapiere die alte Gewichtung wiederhergestellt.

Anzahl ETFsKursWertGewichtungTransaktion
11845 Euro5.300 Euro50,00 %Nachkauf von 18 ETF-Anteilen
9633 Euro3.180 Euro30,00 %Verkauf von 4 ETF-Anteilen
7628 Euro2.120 Euro20,00 %Verkauf von 24 ETF-Anteilen
10.600 Euro100 %

Durch dieses Verfahren ist der Anleger wieder in der ursprünglich gewünschten Gewichtung investiert und verkauft gleichzeitig zu hohen Kursen überschüssige ETF-Anteile und investiert in die „günstigen“ ETFs. 

Welchen Vorteil bietet Rebalancing für das Portfolio?

Um den Effekt der Strategie, welche im Grunde nur eine automatisierte antizyklische Investititonsmethode ist, auf die langfristige Portfolioentwicklung zu verdeutlichen, ist folgendes Beispiel gut geeinigt.

Wir vergleichen zwei simple Portfolios bestehend aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen. Die Daten für das 50/50-Portfolio mit Rebalancing werden uns vom Robo-Advisors growney (► Zum Testbericht) bereitgestellt. Der Startzeitpunkt der Anlage ist der 1. Januar 2004 Ende ist Dezember 2016 und wir haben jeweils 10.000 Euro zur Verfügung.

 AusgangswertEndwertWertzuwachsRendite p.a.
Ohne Rebalancing10.000 Euro21.293,62 Euro112,90 %5,99 %
Mit Rebalancing10.000 Euro22.565,72 Euro125,60 %6,46 %

Sämtliche Transaktionskosten für das jährliche Umschichten sind hier bereits eingerechnet.

Dieser Backtest zeigt, dass Rebalancing dazu beitragen kann, die Rendite eines Portfolios langfristig zu verbessern.

Nichtsdestotrotz sollte der Effekt der Risikoanpassung im Vordergrund stehen. Da genau die Positionen verkauft werden, die sich besser entwickelt haben, werden nicht nur Gewinne gesichert, sondern auch Risiken gemindert. 

Parallel kaufen Anleger genau in den schlecht gelaufenen Segmenten und profitieren so von günstigeren Einstiegskursen. Dieses antizyklische Handeln sorgt zugleich dafür, dass die Anleger von eventuellen Marktübertreibungen weniger stark betroffen sind.

Fazit: Kosten und Nutzen beim Rebalancing beachten

Rebalancing gehört zum Bewirtschaften eines passiven Investment-Portfolios mit langfristig ausgelegter Allokationsstrategie. Insofern ist es ein aktives Element im ansonsten passiven Investment mittels ETFs. Üblicherweise wird ein Rebalancing einmal pro Jahr vorgenommen, am besten zu Jahresbeginn. Weil aber das Umschichten Transaktionskosten verursacht, sollte nachgerechnet werden, ob es nicht vielleicht besser in größeren Abständen erfolgt. 

Gerade bei kleineren Beträgen wirken sich die Kosten stärker aus. Bei Volumina um die 10.000 Euro ist schon fraglich, ob es sich jährlich lohnt. Wer jedoch sein Investment nicht selbst bearbeitet, sondern in einen Dachfonds eines Anbieters investiert, der bekommt das Rebalancing meist mitgeliefert. Zudem bieten Robo-Advisors auch ein automatisiertes Rebalancing an. Insgesamt lässt sich die Frage, ab wann die Kosten die Vorteile übersteigen nicht dogmatisch beantworten.

Aktuellen Untersuchungen zufolge dürfen Anleger, die Rebalancing einsetzen, langfristig pro Jahr bis zu 0,5 Prozent zusätzliche Rendite erwarten. Es hat aber auch andere Vorteile: Ein regelmäßiges Rebalancing hält das Portfolio im Gleichgewicht und sollte daher für jeden Privatanleger Pflicht sein. Die langfristigen Vorteile überwiegen die Kosten (meist) bei weitem. So stellt das Rebalancing sicher, dass die Balance zwischen Risiko und Renditeerwartungen auch langfristig gewahrt bleibt – und auch persönliche Anlageziele (z.B. eines nachhaltigen Investments) stets gewahrt bleiben.

FAQs: Die wichtigsten Fragen zu Rebalancing kurz erklärt

Was ist Rebalancing?

Rebalancing sorgt dafür, dass Anlageziele auch über einen langen Zeitraum erreicht werden. Ein bewusst gewähltes Risikoprofil eines Anlegers könnte sein Portfolio etwa so aussehen lassen: 60% Aktien, 40% Anleihen. Wenn es aufgrund von Marktentwicklungen zu einer Verschiebung im Portfolio kommt – sagen wir 70 % Aktien und 30 % Anleihen – passt das Risikoprofil plötzlich nicht mehr zum Anleger. Jetzt kommt das Rebalancing ins Spiel: Nun werden so viele Aktienanteile verkauft und so viele Anleihenanteile gekauft, sodass das ursprüngliche Verhältnis von 60/40 wiederhergestellt ist. Salopp gesagt: Rebalancing heißt „back to the roots”. 

Was ist Portfolio Rebalancing?

Das ist eine Scheinfrage. Bei einem Investment in einzelne Aktien braucht es logischerweise kein Rebalancing (vgl. Was ist Rebalancing). Sozusagen ist ein Portfolio die Voraussetzung, um überhaupt ein Rebalancing durchführen zu können bzw. zu müssen. Generell ist das Rebalancing ja genau dafür da, die ursprüngliche Mischung im Portfolio – Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe – auch über lange Zeiträume beizubehalten. Zum Beispiel wenn Märkte oder auch persönliche Anlageziele (z.B. nachhaltiges Investieren, Familienplanung usw.) sich ändern.

Wie funktioniert Rebalancing?

Für ETF-Anleger im Grunde recht einfach. Durch die transparente Darstellung der Entwicklungen innerhalb des Portfolios können Anleger bei ihrer Depotbank recht schnell sehen, welche „Verschiebungen” sie wieder ins Lot richten möchten. Viele Robo-Advisors bieten die Umschichtung automatisiert an. Ansonsten legt der Anleger selbst Hand an, indem er seine Aktien-, Rohstoff-, Immobilien- oder Anleihe-Anteile so ver- und hinzukauft, damit der ursprüngliche Portfolio-Mix wiederhergestellt wird.

Warum Rebalancing?

Dazu zwei Antworten. Erstens fahren Anleger, die Rebalancing betreiben, laut aktuellen Untersuchungen, langfristig ca. 0,5 Prozent mehr Rendite pro Jahr ein. Zweitens können langfristig gesteckte Anlageziele (z.B. ein konservatives Risikoprofil) und persönliche Präferenzen (z.B. ein nachhaltiges Investment) nur erreicht werden, wenn Rebalancing eingesetzt wird. Warum? Märkte ändern sich nun mal mal über die Jahre /Jahrzehnte – genauso wie persönliche Befindlichkeiten

Wie wichtig ist Rebalancing?

Die Bedeutung des Rebalancing hängt in erster Linie von der Persönlichkeit des Anlegers ab. Für kurzfristig denkenden Anleger, die in erster Linie auf die Rendite schauen, mag es egal sein, wenn sich die Zusammensetzung ihres Portfolios um ein paar Prozentpunkte verschiebt, insbesondere solange die Performance durch die Decke geht. Anleger, die jedoch Wert darauf legen, dass die ursprüngliche Zusammensetzung ihres ETF-Portfolios über lange Zeiträume hinweg Bestand hat, ist Rebalancing mitunter sogar sehr wichtig.

Wie oft ist Rebalancing im ETF-Portfolio notwendig?

Dabei scheiden sich die Geister. Anleger, die dem Faktor Zeit (Stichwort: zeitgesteuertes Rebalancing) den Vorzug geben, empfehlen meist: einmal im Jahr. Anleger, die dem Faktor Markt (Stichwort: wertabhängiges Rebalancing) mehr Gewicht einräumen, halten sich meist an die Empfehlungen der Wissenschaftler Davis und Norman: Unter 5% Abweichung kann von einem Rebalancing auch mal abgesehen werden. Bei einer Abweichung von mehr 10% sollte man aktiv werden.

Was kostet Rebalancing?

Bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren fallen Transaktionskosten an. Punkt. Darin enthalten sind börsenabhängige Gebühren (z.B. der Spread) und börsenunabhängige Gebühren (z.B. Ordergebühren der Depotbank). Je nach Depotbank können letztere variieren oder auch entfallen. Bei vielen Robo-Advisors sind die Transaktionskosten für das (automatisierte) Rebalancing bereits in den Servicegebühren enthalten. Auf die grundsätzliche Frage, was Rebalancing kostet oder besser kosten sollte, könnte man Antworten: Jedes Umschichten im Depot kostet Geld, deshalb sollte man Rebalancing nicht zu oft machen – aber dabei natürlich immer die Entwicklung der persönlichen Anlageziele im Auge behalten.

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