Rentenlücke ermitteln – Wie geht das?

Viele denken womöglich auch, dass es sehr komplex ist, einen persönlichen Plan für eine sorgenfreie finanzielle Zukunft zu entwickeln. Ja, die Thematik ist komplex, aber in drei einfachen Schritten kann jeder in wenigen Minuten seine grobe Rentenlücke ermitteln und dann den zur Schließung notwendigen Sparbetrag ermitteln.

Das ist zwar dann nur eine grobe Annäherung, aber besser eine grobe Orientierung als völlig planlos in die Zukunft zu starten. Gerade für junge Menschen ist eine derartige Planung unabdingbar, auch oder gerade, weil das Rentenalter noch in weiter Ferne liegt. Der große Vorteil: Je länger der Ansparzeitraum, desto niedriger ist die monatliche Sparleistung. Je früher man also beginnt, desto weniger muss man dafür sparen.

In diesem Betrag beschreiben wir Schritt für Schritt wie jeder seine persönliche Rentenlücke berechnen kann.

Renteninformationen genau überprüfen

Leider beschäftigen sich nur die wenigsten Menschen mit der Finanzierung ihres Lebensabends. In vielen Fällen herrscht immer noch die Meinung: „Ich bekomme ja die staatliche Rente, das wird schon reichen.“ Dies führt dann im Renteneintrittsalter zu einer bösen Überraschung. Zwar wird jährlich der von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) versandte „Rentenbescheid“ wahrgenommen, dann aber ohne weitere Beachtung abgelegt. Wirkliche Überlegungen zur Schließung der drohenden Einkommenslücke im Alter werden daraus nicht entwickelt. Ein Fehler, der langfristig zu echten Problemen führen kann.

Diese Renteninformation gibt einen ersten Überblick über die zu erwartende gesetzliche Rente. Sinnvoll ist es, vor allem den Versicherungsverlauf sehr genau unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, ob auch tatsächlich alle Beschäftigungs- und anrechenbare Ausbildungszeiten, Kindererziehung, Arbeitslosigkeit oder Auslandsaufenthalte berücksichtigt wurden. Ansonsten sollte man sich mit dem Rentenversicherer in Verbindung setzen und einen Antrag auf Kontenklärung stellen.

Sinnvoll kann es auch sein, seinen Rentenbescheid von einem unabhängigen Rentenberater ansehen zu lassen, dazu rät Martin Reißig, Präsident des Bundesverbandes der Rentenberater: „Wir finden fast immer etwas, Zeiten, die nicht oder falsch ausgewiesen oder Zuschläge, die einfach nicht angerechnet wurden.“ Anhand der zugesandten Informationen wird man seine Rentenlücke schnell erkennen. Eine zusätzliche private Vorsorge wird notwendig.

Wieviel Geld benötige ich im Alter?

Unsere Ansprüche sind individuell verschieden. Dennoch möchten die meisten von uns auch im Alter nicht auf den einmal erworbenen Lebensstandard verzichten.

Das sagen uns Studien, aber auch der gesunde Menschenverstand. Als Faustregel gilt: In der dritten Lebensphase benötigen wir etwa 80 % des bisherigen Nettoeinkommens, um unser gewohntes Lebensniveau ohne größere Abstriche aufrechterhalten zu können. Da die Mehrheit in dieser Phase das Haus abgezahlt hat, die Wohnungseinrichtung im Großen und Ganzen bereits vorhanden ist, das Pendeln zum Arbeitsplatz ein Ende hat und die zu versorgenden Kinder auf eigenen finanziellen Füßen stehen, kommen wir mit etwas weniger Geld aus als im aktiven Berufsleben. Je nach den eigenen individuellen finanziellen Verhältnissen oder der Lebensplanung kann dieses Niveau sich aber von dem angegebenen Wert unterscheiden.

Beispiel: Beträgt Ihr letztes Nettoeinkommen 2.875 Euro, reichen im Alter rund 2.300 Euro zur Finanzierung des Lebensabends. 

Dennoch: 80 % des letzten Nettoeinkommens auch im Alter zur Verfügung zu haben ist kein Selbstläufer. Insbesondere angesichts eines weiter fallenden Rentenniveaus, das in Deutschland mit gegenwärtig rund 46 % des Durchschnittsverdienstes deutlich unterhalb des EU-Schnitts liegt. Die meisten Nachbarländer sind besser unterwegs.

Grundsätzlich sollten für die individuelle Bedarfsplanung folgende Fragen gestellt werden:

  • Wann soll der Ruhestand beginnen? Mit welchen Rentenabschlägen muss ich in diesem Fall rechnen und wie kann ich diese möglichst schließen?
  • Was möchte ich im Alter tun? Vielleicht mehr Geld für meine Hobbys ausgeben, mehr reisen oder doch lieber nur den eigenen Garten pflegen?
  • Wie möchte, wie kann ich wohnen? Im eigenen, abgezahlten Haus, zur Miete, in einer bequemen Seniorenresidenz?
  • Kann ich mit weiteren Einnahmen rechnen? Vielleicht aus Vermietung, Pacht oder einer größeren Erbschaft?
  • Was passiert im Pflegefall? Kann ich zu Hause betreut werden, muss meine Wohnung umgebaut werden oder gehe ich in eine Pflegeeinrichtung?

So ermitteln Sie Ihre Rentenlücke

Jedes Jahr flattert den gesetzlich Versicherten im Alter zwischen 27 und 54 Jahren, die mindestens fünf Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt haben, eine Renteninformation ins Haus. Sie enthält die wichtigsten Informationen über den bisherigen Versicherungsverlauf und gibt damit einen ersten Überblick über den zusätzlichen Finanzbedarf im Alter.

Eine weitere praktische Hilfe, um die eigene Rentenlücke zu berechnen, bietet der Deutsche Fondsverband BVI. Im eigens dafür eingerichteten Online-Rechner kann unter Beachtung der jeweiligen Lebensplanung die individuelle Rentenlücke ermittelt werden. Eine gute Basis, um zu überlegen, wie man diese Lücke am besten schließen kann.

Die folgende Tabelle stellt dar, wie Sie Ihre Rentenlücke ermitteln können.

  Bemerkung:Beispiel:
Schritt 1:Nettolohn:Letzter Nettolohn (vor Renteneintritt).3.200 Euro
Schritt 2:notwendige Rente:80 % des letzten Nettolohns2.560 Euro
Schritt 3:gesetzliche Rente:46 % des letzten Nettolohns1.472 Euro
Rentenlücke:Notwendige Rente - gesetzliche Rente1.088 Euro

In 3 Schritten die Rentenlücke schließen 

In Deutschland geht man heute in der Regel mit 67 Jahren in Rente. Der Rentenanspruch beträgt dabei etwa 46 Prozent des letzten Nettolohns. Es wird angenommen, dass im Rentenalter etwa 80 Prozent des letzten Nettoentgelts für die Versorgung ausreichen. Dieser Betrag ist natürlich individuell verschieden und sollte daher an die persönliche Situation angepasst werden.

Im Beispiel rechnen wir allerdings mit diesem Prozentsatz. Diese 34 Prozent Einkommen (80 Prozent – 46 Prozent) gilt es also durch eine zusätzliche, private Altersvorsorge zu schließen. Gelingt das nicht, muss der Rentner seinen Lebensstandard entsprechend einschränken. Legt man nun diese Parameter zugrunde, kann die Rentenlücke ermittelt werden und im Anschluss deren Beseitigung geplant werden.

Ausgangslage: Ein heute 40-jähriger verheirateter Arbeitnehmer hat ein jährliches Bruttoeinkommen in Höhe von 75.000 Euro. Er ist seit 16 Jahren berufstätig und wird voraussichtlich mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen. Außerdem wird er in den nächsten Jahren bis zum Rentenbeginn eine Lohnsteigerung von 2,00 Prozent p. a. erhalten.

Schritt 1: Berechnung der Rentenlücke

Auf der Website des Bundesverbands der Investmentindustrie wird ein Rentenlückenrechner angeboten. Dort können die entsprechenden Daten eingegeben werden. Ausgehend von den Eingaben kann der Arbeitnehmer im Alter von 67 Jahren mit einer monatlichen Nettorente nach heutiger Kaufkraft von ca. 2.170 Euro rechnen.

Dies entspricht dann ca. 65 Prozent des voraussichtlichen letzten Nettolohns in Höhe von 3.336 Euro. Allgemein wird im Ruhestand jedoch nicht mehr das volle Arbeitseinkommen benötigt: 80 Prozent des letzten Nettoentgelts sollten für die Versorgung im Rentenalter ausreichen.

Dies entspricht in unserem Fall 2.669 Euro. Das Versorgungsziel wird mit der gesetzlichen Renten nicht erreicht. Es fehlen jeden Monat 499 Euro.

Berechnung der Rentenlücke
Nettolohn:3.336 Euro
Nettorente:2.170 Euro
Notwendiges Einkommen im Alter:2.669 Euro
Rentenlücke:499 Euro

Schritt 2: Berechnung des benötigten Kapitals

Wie viel Kapital benötigt der Anleger nun, um seine Rentenlücke in Höhe von 499 Euro zu schließen?

Um die Rentenlücke dauerhaft zu schließen, muss der Anleger bis zum Renteneintritt einen Kapitalstock aufbauen. Auch hier bietet das Internet wieder verschiedene Rechner an, mit denen der benötigte Betrag errechnet werden kann. Unter Zinsen-Berechnen.de kann mit Hilfe eines Entnahmeplans der benötigte Anlagebetrag berechnen werden.

Angenommen wird dabei eine Rentendauer von 28 Jahren (Rentenbeginn 67 Jahre, Lebensende 95 Jahre). Für die Berechnung nehmen wir einen jährlichen Zinssatz in Höhe von 6,4 Prozent. Dieser Satz ergibt sich aus der jährlichen Rendite des MSCI World Index in den letzten dreißig Jahren. Außerdem wird angenommen, dass die Versorgungslücke (und damit der Entnahmebetrag) jährlich um zwei Prozent steigt, um mit der Inflation Schritt zu halten. Zusätzlich müssen noch die Steuern auf die Erträge aus Wertpapiergeschäften berücksichtigt werden. Diese lassen wir bei der Berechnung aber außen vor.

Gibt man diese Daten in den Rechner ein, ergibt sich ein erforderliches Kapitalvermögen von 97.649,72 Euro. Um eventuelle Schwankungen der Rendite der globalen Kapitalmärkte miteinzubeziehen, werden im weiteren Verlauf drei Szenarien mit je 1 Prozent höherer oder niedrigerer Rendite pro Jahr gerechnet. Der benötigte Anlagebetrag liegt in diesen Beispielen also zwischen 88.128,89 Euro und 108.893,36 Euro. 

Rendite p.a.Kapitalvermögen
5,4 %108.893,36 Euro
6,4 %97.649,72 Euro
7,4 %88.128,89 Euro

Schritt 3: Berechnung des nötigen Sparbetrages

Nun stellt sich die Frage, wie viel wir heute monatlich sparen müssen, um diesen Sparbetrag im Alter von 67 Jahren zu erreichen. Bevor wir starten, fassen wir nochmal die wichtigsten Schritte mit den jeweiligen Ergebnissen zusammen.

In Schritt 1 haben wir die monatliche Rentenlücke in Höhe von 499 Euro ermittelt. In Schritt 2 haben wir 97.649,72 Euro als den benötigten Anlagebetrag ermittelt. Im Schritt drei werden wir nun die notwendige Sparrate ermitteln.

Auch hier findet man unter Zinsen-Berechnen.de einen Fondsrechner, um die Sparrate zu ermitteln. In unserem Beispiel rechnen wir mit einem Sparzeitraum von 27 Jahren (Alter heute: 40 Jahre, Alter Rentenbeginn: 67 Jahre). Innerhalb dieses Zeitraums gilt es das Sparguthaben anzusparen. Auch hier rechnen wir wieder mit unserer langfristig erwarteten Rendite von 6,4 Prozent und führen unsere zuvor begonnenen drei Szenarien fort. Von der Rendite ziehen wir laufende Kosten von 0,5 Prozent pro Jahr ab. Dieser Kostensatz entspricht in etwa den Kosten eines ETFs auf den MSCI World Index. Ergebnis: Je nach Szenario müsste unser heute 40-jähriger Anleger zur Schließung seiner Rentenlücke bei einer Rendite von 6,4 Prozent pro Jahr zwischen 122,65 Euro und 151,54 Euro monatlich für das Alter zurücklegen.

Berechnung des nötigen Sparbetrages

So viel muss der Anleger bis zum Rentenbeginn (in 27 Jahren) sparen, um sich eine zusätzliche, private Rente in Höhe von 500 Euro pro Monat zahlen zu können.
KapitalvermögenRendite 5,4 % p.a.Rendite 6,4 % p.a.Rendite 7,4 % p.a.
108.893,36 Euro176,11 Euro151,54 Euro130,01. Euro
97.649,72 Euro157,93 Euro135,90 Euro116,59 Euro
88.128,89 Euro142,53 Euro122,65 Euro105,22 Euro

Unsicherheiten bei der Berechnung

Anleger sollten bei der eigenen Berechnung allerdings folgende Punkte beachten.

  1. Diese Berechnungen finden über einen Zeitraum von insgesamt 55 Jahren statt (27 Jahre ansparen, 28 Jahre Rente). Über diese langen Zeiträume haben selbst kleine Veränderungen in den Kosten oder der Rendite gravierende Auswirkungen auf das jeweilige Endergebnis.
  2. Die Angaben zur Rentenberechnung basieren auf den heute geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Es ist anzunehmen, dass in den kommenden 45 Jahren verschiedene Änderungen (wohl meistens zulasten des Sparers) getroffen werden. Dies gilt es bei der Vorsorge zu berücksichtigen.
  3. Nicht berücksichtigt wurden in diesem Beispiel sonstige Einnahmen des Rentners. So führt zum Beispiel eine zusätzliche Betriebsrente zwangsläufig zu einer geringeren Rentenlücke. Diese Beträge müssten dann vor Ermittlung des benötigten Kapitals von der Rentenlücke abgezogen werden.

Zur eigenen Sicherheit sollte der Anleger, die im ersten Durchlauf ermittelten Beträge zur Rentenlücke großzügig aufrunden und dann nochmal berechnen. Lieber etwas mehr auf der hohen Kante als zu wenig. Zudem sollte der Anleger die Berechnung mindestens einmal pro Jahr überprüfen und gegebenenfalls anpassen.

Ansparen am besten mit ETFs

Die Umsetzung des monatlichen Ansparens kann über verschiedene Wege funktionieren. Wir raten hier aber zu einem ETF-Sparplan auf einen möglichst marktbreiten Index wie den MSCI ACWI, MSCI World oder den FTSE All-World. Mit ETFs auf diese Indizes verteilt sich das Kapital auf viele verschiedene Aktien und sorgt so für einen langfristig konstanten Vermögensaufbau.

ETFs bieten gegenüber aktiv gemanagten Fonds zudem den Vorteil, dass sie wesentlich günstiger sind. Mit ETFs erhält der Anleger die Marktrendite und geht nicht noch zusätzlich ein Managerrisiko ein, denn nur etwa 20 Prozent der aktiven Fondsmanager schaffen es langfristig die Marktrendite zu schlagen.

Tipp: ETF-Sparpläne eignen sich hervorragend zum langfristigen Vermögensaufbau und sind für jeden Anleger empfehlenswert. Ein ETF-Sparplan ist schnell eingerichtet und kann bei ausgewählten Direktbanken sogar oft ohne Gebühren ausgeführt werden. Hier finden Sie Ideen für alle ETF-Sparplan-Raten.

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Wir empfehlen auf Basis unseres ETF-Sparplantests 2020 die folgenden Direkbanken.
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Quelle: extraETF.com, ETF-Sparplantest 2020
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Fazit:

Wissen ist Macht. Von daher sollte jeder Anleger ein grobes Verständnis davon haben, wie hoch seine Rentenlücke im Alter sein wird und was er tun kann, um diese zu schließen. Dabei geht es unserer Meinung nach nicht darum diese Lücke möglichst genau zu berechnen. Es geht vielmehr darum ein Bewusstsein dafür zu schaffen und damit den Anleger in die Lage zu versetzen, den Lebensabend auch in finanzieller Hinsicht zu planen. Nur das Wissen darüber ermöglicht es überhaupt eine sinnvolle finanzielle Entscheidung für die Zukunft zu treffen.

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