Was ist ein Index?

Welche Indizes gibt es? Und worauf müssen Anleger alles achten?

Die Konstruktion eines Index ist auf dem ersten Blick einfach: Es werden einige Aktien, meist nach Marktkapitalisierung, gewichtet und in einen Korb geworfen, dessen Wert dann laufend berechnet wird.

Ein Index setzt sich in der Regel also aus mehreren Wertpapieren zusammen und repräsentiert den Aktienmarkt eines bestimmten Landes oder eines speziellen Börsensegments. Enthaltene Werte im Index können aber auch Rohstoffe, Anleihen, Währungen oder Fonds sein.

Definition

Indizes sind die Messlatte für ETFs, damit Investoren in verschiedenste Anlageklassen investieren können, gleich ob Aktien, Renten oder Rohstoffe. Dabei wird stets die Wertentwicklung der jeweiligen Indizes passiv nachvollzogen, die dem ETF zugrunde liegen und damit die Stimmung an den Märkten gespiegelt, die in Börsenbarometern wie z.B. DAX, Stoxx oder MSCI ihren Ausdruck findet.

Der DAX (Deutscher Aktien Index) repräsentiert beispielsweise die 30 wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften und stellt den größten deutschen Aktienindex dar.

Und doch müssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden, bevor ein Index das „Licht der Börsenwelt“ erblickt. Deshalb ist die Erstellung eines Index auf den zweiten Blick recht komplex. Ein Index-Konstrukteur hat eine hohe Verantwortung, denn schon kleinste Unebenheiten in der Konstruktion oder in der laufenden Bewertung können zu erheblichen Problemen führen oder den Index gar unbrauchbar machen. Deshalb wollen wir im Folgenden klären, warum Indizes überhaupt existieren, welche Kategorien es gibt und worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten.

Warum gibt es Indizes? Welchen Mehrwert bieten sie?

Aktien existieren im Grunde schon seit dem späten Mittelalter, der erste Aktienindex jedoch wurde erst im Jahre 1896 herausgegeben: Die damaligen Herausgeber des Wall Street Journals, Charles Henry Dow und Edward David Jones, veröffentlichten am 26. Mai 1896 den Dow Jones Industrial Average, heute auch Dow-Jones-Index genannt. Den Hintergrund bildeten die prosperierte US-amerikanische Wirtschaft sowie das Aufkommen der ersten großen Industrieunternehmen.

Durch die Versammlung von Aktien der größten und erfolgreichsten Unternehmen in einen Aktienkorb (=Index) wollten Anleger einerseits an dessen Erfolg teilhaben, andererseits einen Überblick darüber haben, wie es um die amerikanische Wirtschaft insgesamt bestellt ist.

Daran hat sich bis heute im Wesentlichen nicht viel geändert: Vor allem die Entwicklungen der großen Indizes wie DAX und Dow Jones werden von den Anlegern genau verfolgt, weil sich dadurch schnell und einfach die aktuelle Gesamtlage der Börsenwelt ablesen lässt. Fällt der DAX beispielsweise über einen längeren Zeitraum, sagt man, dass es den Börsen und damit der Wirtschaft gerade schlecht geht. DAX und Dow Jones werden daher gerne auch als „Börsenbarometer” bezeichnet.

Die großen Indizes werden überdies auch oft für Vergleiche mit einzelnen Aktien oder ganzen Depots bzw. Fonds herangezogen. Frei nach dem Motto: Hat sich mein Depot X/Y besser oder schlechter entwickelt als der DAX/Dow Jones? Durch so eine Gegenüberstellung kann man schnell erkennen, wie gut das eigene Portfolio im Vergleich zum Gesamtmarkt abschneidet.

Mit Hilfe von Indizes lassen sich also Börsenmärkte besser und leichter überblicken. Außerdem kann man mit bestimmten Indizes die Entwicklung diverser Branchen verfolgen: Für diverse Länder (z.B. der MSCI Emerging-Markets-Index für Entwicklungsländer) oder andere Themen (Beispiel: DivDAX für dividendenstarke Aktien) gibt es spezielle Indizes.

Durch ETFs lässt sich die Entwicklung vieler Indizes nahezu 1 zu 1 nachbilden. Man erreicht dann den gleichen Gewinn bzw. Verlust wie der jeweilige Index.

Was Anleger bei der Wahl eines Index beachten sollten

Jeder ETF bildet also immer einen Index ab. Doch so einfach dieses Grundprinzip auch ist – weniger erfahrene Anleger sind mitunter verwundert, wenn sich beim genaueren Blick auf ihr Investment ein Bild ergibt, das ganz und gar nicht ihren Erwartungen entspricht – besonders dann, wenn sie im ETF völlig andere Papiere vorfinden als im Index.

Der Grund hierfür liegt in den komplexen Gesetzmäßigkeiten der verschiedenen Methoden, einen Index abzubilden, sprich: repräsentativ, voll replizierend oder synthetisch. Dieses Thema erläutern wir hier ausführlicher: Arten der Indexabbildung.

Dabei kommen verschiedene Auswahlverfahren zum Tragen, wenn es etwa bei einem umfangreichen Index nicht sinnvoll, zu teuer oder unmöglich ist, alle Papiere zu kaufen. Und der Einsatz von Derivaten bzw. Swaps als Tauschgeschäft bei der synthetischen Replikation kann schon mal dazu führen, dass ein DAX-ETF aus lauter europäischen Aktien besteht. Auch wenn sich diese Vorgänge im Detail nicht jedem auf Anhieb erschließen – sie sind die Voraussetzung dafür, dass ETFs möglichst einfach und effizient funktionieren. Anlegern sollten diese zumindest bekannt sein.

Wie ein Index berechnet wird: Index-Kategorien für ETFs im Überblick

Von den zahllosen Indizes weltweit, mit verschiedenen Ausrichtungen, Schwerpunkten und Konstruktionsformen, eignen sich daher auch nicht alle für ETFs. Für ETFs kommt es auf eine möglichst einfache Handelbarkeit und hohe Liquidität der darin enthaltenen Titel an. ETF-taugliche Indizes gibt es als marktbreiten Benchmark-Index, als Blue-Chip-Index, als Leit- oder als Subindex sowie für Branchen, Themen, Regionen oder Strategien.

Da nun der Zweck eines Index darin besteht, einen Markt repräsentativ abzubilden, stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien einzelne Titel aus einem Gesamtuniversum ausgewählt und wie sie im Index gewichtet werden. Im Folgenden stellen wir die relevanten Kategorien für Anleger kurz vor.

Vergleichs- oder Benchmark-Index (Marktkapitalisierung)

Die meisten Indizes richten sich traditionell nach der Marktkapitalisierung. Beispiele sind der DAX, der S&P 500 oder der MSCI-World. Entsprechend der gängigen Effizienzmarkthypothese wird davon ausgegangen, dass in einem Kurs, dem Marktpreis, bereits alle marktrelevanten Informationen enthalten sind. In diese Indizes werden Aktien aufgenommen, die sich aufgrund ihrer Größe und Liquidität eignen. Der Vorteil dieses Ansatzes nach Marktkapitalisierung liegt für ETFs darin, dass sich der Index relativ einfach nachbauen lässt, da es günstiger ist, die liquiden Anteile von großen Unternehmen zu handeln, die einen größeren Anteil im Index ausmachen.

Das birgt aber auch gewisse Risiken: Denn die Gewichtung nach Marktkapitalisierung führt dazu, dass Titel, die gut gelaufen sind und einen hohen Börsenwert haben, tendenziell übergewichtet werden und somit dominieren. Damit ist eine Anfälligkeit für Blasen bei Marktübertreibungen gegeben. Mit diesen Übergewichtungen erklärt sich etwa, warum der MSCI World, der ohnehin Aktien aus nur 24 Ländern enthält, zu 50 Prozent aus US-amerikanischen Aktien besteht, obwohl er ja dem Namen nach die ganze Welt repräsentieren sollte.

Gleichgewichteter Index

Diesem „Übergewichtungsproblem” versuchen gleichgewichtete Indizes zu begegnen. Diese sind jedoch seltener. Beispiele sind der US-Index Value Line Composite oder der EOE Dutch Stock Index. Jede Aktie wird hier mit dem gleichen Gewicht berücksichtigt. Der Kursverlauf jedes Papiers fließt in gleichem Maße in die Berechnung ein. Durch ein regelmäßiges „Rebalancing” (zu deutsch: Neugewichtung) wird jedes Mal die ursprüngliche Zusammensetzung wiederhergestellt.

Unterbewertete Titel werden höher gewichtet, überbewertete werden niedriger gewichtet. Damit ergibt sich ein ausgeglicheneres Bild, was das Risiko einer Blasenbildung vermeiden soll. Doch: Werden große und kleine Titel in einem Portfolio identisch gewichtet, erhöht sich das Risiko, da kleinere Werte tendenziell volatiler sind und liquide mit weniger liquide Werten gleich behandelt werden. So verursacht diese Indexpflege mehr Aufwand und Kosten. Das wirkt sich auch auf den ETF aus, da er die zugrunde liegenden Papiere proportional oft kaufen und verkaufen muss.

Blue-Chip-Index

Als „Blue Chips“ oder Standardwerte werden umsatzstarke Aktien großer Unternehmen bezeichnet, auf deren Kursentwicklung führende Indizes beruhen. Sie zeichnen sich durch ein hohes Handelsvolumen und ein höheres Engagement institutioneller Investoren aus. Die Kursschwankungen fallen in der Regel geringer aus, besonders zwischen aufeinanderfolgend gestellten Kursen im Handelsverlauf. Blue Chips an der deutschen Börse sind etwa BASF, Siemens, Volkswagen oder Allianz.

Bei Blue-Chip-Indizes werden – je nach Schwerpunkt – die jeweils größten, umsatzstärksten und liquidesten Unternehmen ausgewählt. So zeichnen sie sich meist durch eine hohe Liquidität und Konsistenz im Regelwerk aus. Zudem bremst eine zehnprozentige Kappungsgrenze bei der Kursentwicklung die Gefahr einer schleichenden Übergewichtung (vgl. oben).

Alternative Indizes

Da marktkapitalisierungsgewichtete Indizes vereinzelt im Verdacht stehen, in Boom- oder Bust-Phasen konstruktionsbedingt höhere Volatilitäten zu erzeugen, besonders weil sie schnell wachsende Unternehmen tendenziell übergewichten, verfolgen alternative Indizes einen anderen Ansatz und richten sich nach Fundamentaldaten. Dabei entscheidet nicht der Börsenwert, sondern fundamentale Unternehmenswerte: Umsatz, Cashflow, Dividendenrendite und das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Diese Kennzahlen werden jährlich den Firmenbilanzen entnommen und gleichgewichtet in die Indexanalyse einbezogen.

Damit werden Trendeffekte vermieden, bei denen etwa hoch bewertete Aktien immer attraktiver werden und letztlich in der Relation ein viel zu hohes Gewicht bekommen, während kleinere, aber fundamental aussichtsreiche Unternehmen mit Kurspotenzial unterbewertet bleiben. Beispiele sind der FTSE-RAFI US 100 oder der FTSE-RAFI Europe.

Strategie-Indizes

Eine ähnliche Berücksichtigung additiver Daten und Informationen verfolgen auch Indizes, die konkrete Strategien oder Präferenzen abzubilden suchen. Hierunter fallen beispielsweise Scharia-konforme Indizes, deren im Index enthaltene Unternehmen die religiösen Regeln des Islam erfüllen, oder die beliebten Dividendenindizes, die Unternehmen anhand ihrer Dividendenrenditen auswählen und gewichten.

Themen-Indizes

Von Standard & Poors (S&P) gibt es darüber hinaus noch eine ganze Reihe von sog. Themen-Indizes, die eine meist globale Marktabbildung der Themen Infrastruktur, Energie (Clean Energy), Wasser (Green Investing), Agrarrohstoffe (Natural Resources), CO²-Effizienz oder sogar Innovation sicherstellen wollen. Die beiden letztgenannten Themen-Indizes werden allerdings auch durch teilweise subjektive Auswahlkriterien mit qualitativen Merkmalen zusammengestellt.

Zu den bekanntesten Themen-Indizes zählen hingegen die FTSE-EPRA/NAREIT: Hinter diesem sperrigen Begriff verbergen sich die globalen und regionalen Indizes auf Unternehmen, die mehr als 75 Prozent ihres Vorsteuergewinns aus Immobiliengeschäften generieren. Der Indexanbieter FTSE ermittelt mit klaren mathematischen Filterkriterien unter ergänzender Heranziehung der Geschäftsberichte eine Vielzahl von Immobilien/REITs-Indizes. Diese ermöglichen eine repräsentative Abbildung des Marktes der Immobilien- Wertschöpfungskette, der thematisch geprägt ist von Substanzwerten (Immobilien), hohen Dividendenausschüttungen (Mieteinnahmen) und in vielen Ländern steuerlichen Begünstigungen für die jeweiligen Unternehmen.

Fazit

Die Berechnung des Indexstandes beruht auf vorab klar definierten Kriterien über Zusammensetzung sowie Gewichtung der einzelnen Werte und wird regelmäßig vom Indexbetreiber veröffentlicht. Meist werden die Indizes von der Börse, an der sie gehandelt werden, entwickelt und kontrolliert. Es werden aber auch Indizes von anderen Finanzmarktteilnehmern wie Banken und Ratingagenturen geführt.

Der Tatsache, dass marktkapitalisierte Indizes unter Umständen zu Verzerrungen bzw. einseitigen Konzentrationen in der Gewichtung führen, kann mit verschiedenen Konstruktionsmöglichkeiten begegnet werden. Für ein konstantes Bild in der Zusammensetzung gibt es zudem genug Alternativen – auch wenn es längst noch nicht für alle geeignete ETFs gibt. Der kritische Einwand, dass bei optimierten Indizes durch die Titelauswahl die repräsentative Marktabbildung leidet, erübrigt sich mit Blick auf den wachsenden ETF-Markt und die steigende Nachfrage nach neuen und innovativen Indizes.

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