3 Dinge, die sich ETF-Anleger definitiv NICHT von Warren Buffett abschauen sollten

Börsenaltmeister, Anlegerlegende, drittreichster Mann der Welt: Warren Buffett ist ein Investor der Superlative. Dennoch sollten ETF-Anleger nicht alles von Buffetts Anlagestil beherzigen. Um diese drei Dinge geht es.

Warren Buffett ist zweifelsohne ein Genie. Kein Investor vor ihm erzielte so konstant hohe Renditen wie er. Über Jahrzehnte hinweg hat der Börsenprofi mit seiner Value-Anlagestrategie den S&P 500 outperformt. Damit ist Buffett, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte, eine absolute Ausnahme. Finanzwissenschaftler würden sagen: ein statistischer Ausreißer. Denn – je nach Studie, die man heranzieht – schaffen es 90 Prozent der aktiven Anleger über Zeiträume von zehn Jahren normalerweise nicht, ihre Benchmark konstant hinter sich zu lassen. 

Nicht so Buffett: Im Jahr 2008 untersuchten Forscher der American University sowie der Universität von Nevada, wie Warren Buffett in den 31 Jahren von 1976 bis 2006 abgeschnitten hatte. Das Ergebnis fiel mehr als eindeutig aus: In diesem Zeitraum schaffte es Warren Buffett, den Vergleichsindex S&P 500 um jährlich rund 11,1 Prozent zu schlagen. Bis 2009 hat Buffett noch satte Überrenditen kassiert, doch danach ist der Value-Ansatz ins Hintertreffen geraten. Wer sich in den vergangenen elf Jahren zum Beispiel auf US-Wachstumsaktien konzentrierte, hat deutlich besser abgeschnitten als mit amerikanischen Value-Titeln.

Vorbild für Anleger

Die Lebensleistung des Altmeisters schmälert dies dennoch nicht. Geschätzte 80 Milliarden Dollar Vermögen hat Buffett in seiner Laufbahn angehäuft. Und trotz seines hohen Alters haben seine Worte immer noch Gewicht und bewegen die Kurse. Die Börse schaut ganz genau hin, wenn Buffett sich von seinen Bank-Aktien trennt oder Fluggesellschaften aus seinem Portfolio schmeißt. Und wenn Buffett seine Meinung zu Gold ändert und plötzlich Goldminen-Aktien kauft – wie kürzlich geschehen –, dann macht das ebenfalls Schlagzeilen.

All das zeigt: Buffett ist nach wie vor eine Galionsfigur für die Börse und ein wichtiges Vorbild für viele Neulinge an den Kapitalmärkten. Und dennoch muss man eines konstatieren: Man muss nicht immer konform gehen mit dem Anlagestil des Altmeisters. Insbesondere ETF-Anleger werden drei Aspekte in Buffetts Anlagephilosophie mit Sicherheit kritisch sehen. 

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1. Warren Buffett streut nicht

Breit streuen und Risiken diversifizieren? Von wegen! Warren Buffett streut nicht, er konzentriert sein Geld. Das Aktiendepot von Buffetts Beteiligungsschmiede Berkshire Hathaway umfasst aktuell 512 Positionen für 250 Milliarden Dollar. Allein Apple macht mit 125 Milliarden Kurswert die Hälfte von Buffetts Depot aus. Die fünf größten Positionen schlagen mit 196 Milliarden Dollar oder rund 80 Prozent seines Portfolios zu Buche.

Nur 512 Aktien für insgesamt 250 Milliarden Dollar? Das ist in ungefähr so, als würde man diesen Betrag lediglich in einen einzigen ETF auf den S&P 500 investieren. Für viele ETF-Anleger wäre dies sicher undenkbar. Eines der Hauptmotive von ETF-Investoren ist gerade die breite Streuung, die diese Produkte bietet. Wer einen ETF auf den MSCI World Index kauft, hat bereits mehr als das Dreifache an Aktien im Depot verglichen mit Buffett. 

2. Buffett investiert zu wenig in Technologie

Auch wenn sich Buffett im Frühjahr 2019 endlich Amazon- Aktien ins Depot gelegt hat, so hat das „Orakel aus Omaha“ den digitalen Strukturwandel der Wirtschaft lange kolossal unterschätzt. Entsprechend wenig Technologie-Werte finden sich in Buffetts Portfolio.

Das ist durchaus überraschend, denn Amazon, Facebook und Google verfügen über das, was Buffett an erfolgreichen Unternehmen so sehr schätzt: einen eingebauten Burggraben. Bedeutet: Diese Firmen sind von Konkurrenten nur schwer anzugreifen – und bieten Investoren somit ein unsichtbares Sicherheitsnetz. 


Viele ETF-Anleger sind aktuell deutlich affiner für Technologie-Werte. So gehört aktuell der iShares S&P 500 Information Technology Sector UCITS ETF USD (WKN: A142N1) zu den beliebtesten ETFs in der Community von extraETF.com. Und auch unser Anlageleitfaden „Nasdaq 100 ETFs: Welcher ist der Beste?“ wird stark frequentiert. Offenbar besteht ein starkes Interesse unter ETF-Investoren, die Chancen des digitalen Strukturwandels mittels ETFs zu nutzen. 

3. Warren Buffett hält den Markt für einen „Psycho“

Zum Schluss muss man einen Aspekt nennen, der zu einer Art Glaubenskrieg zwischen aktiven Investoren – und dazu zählt Buffett ganz eindeutig – und passiven Investoren geworden ist. Es geht um die Frage: Sind die Märkte effizient oder nicht? 

Die Verfechter der effizienten Märkte, vertreten von Eugene Fama und Kenneth French, sehen den Markt als rational und berechnend. Für sie sind alle verfügbaren Informationen  stets unmittelbar in den Börsenkursen enthalten. „Niemand ist schlauer als der Markt. Fondsmanager können ihn nicht dauerhaft schlagen“, sagte einst der Finanzwissenschaftler Eugene Fama.

Value-Investoren wie Warren Buffett hingegen sehen den Markt als eine bipolare Kreatur.  Berühmt ist folgendes Zitat von Buffett: „Diese imaginäre Person da draußen – Mr. Market – ist eine Art betrunkener Psycho. An manchen Tagen ist er sehr enthusiastisch, an anderen Tagen ist er sehr depressiv.“ 

Auch wenn Buffett eine der wenigen großen Ausnahmen ist, die Famas These widerlegen, so ist doch die statistische Evidenz von Famas Behauptung eindeutig. Die Wahrscheinlichkeit, ein zweiter Warren Buffett zu werden, ist äußerst gering. Das sieht der Großmeister offenbar auch so und empfiehlt Privatanlegern mittlerweile, in ETFs zu investieren. Im März dieses Jahres schlug er sogar selbst zu und kaufte zwei ETFs für das Portfolio von Berkshire Hathaway. Dabei handelt es sich um ETFs von Vanguard und SPDR jeweils auf den S&P 500. 

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Investieren wie Buffett mit diesen ETFs

Wer sich für die Value-Strategie von Buffett interessiert, kann diese mit ETFs umsetzen. Zum Beispiel mit dem iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF (WKN: A12ATG), der auf globale Value-Aktien setzt. Aus dem Industrieländerindex MSCI World werden mehr als 400 Value-Titel herausgegriffen. Der thesaurierende ETF bildet diesen mit einer Tracking-Differenz von -0,04 außergewöhnlich gut ab.

Wer etwas breiter gestreut anlegen möchte, investiert über den ebenfalls thesaurierenden Vanguard Global Value Factor UCITS ETF (WKN: A14YCZ) in mehr als 1.200 Value-Unternehmen. Die langfristige Tracking-Differenz fällt hier jedoch deutlich ungünstiger aus als beim zuvor genannten iShares-Produkt. Den Value-Faktor können Anleger auch auf rein europäischer Basis umsetzen. Möglich macht es der thesaurierende iShares Edge MSCI Europe Value Factor UCITS ETF (WKN: A12DPP). Die mittlere Tracking-Differenz von -0,25 zeigt ein besseres Abschneiden als der zugrundeliegende Index.